One Nation Cup Lebensfreude auf dem Fußballplatz

Bereits bei der Premiere des One Nation Cups 2006 war ein Team aus Durban dabei - in diesem Jahr besteht dieses erstmals aus Mädchen.
03.06.2016, 00:00
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Lebensfreude auf dem Fußballplatz
Von Ruth Gerbracht

Bereits bei der Premiere des One Nation Cups 2006 war ein Team aus Durban dabei - in diesem Jahr besteht dieses erstmals aus Mädchen.

Eine sehr ernste Frau ist Lona Benya eher nicht. Die 32-Jährige lacht gern, sie ist lebenslustig und macht Späße. Doch jetzt spricht Benya konzentriert. Es ist wichtig. Es geht um ihre Arbeit, um ihre Mädchen, und es geht darum, der Welt etwas mitzuteilen. „Hier zu sein, ist für uns eine sehr besondere Erfahrung“, sagt Lona Benya.

Am Wochenende landete sie mit dem Team Durban in Deutschland. Rund 15 junge Fußballerinnen und eine Trainerin, die nun am One Nation Cup teilnehmen. Was das bedeuten kann, war bereits am Montag deutlich geworden, bei der Eröffnungsfeier im Bremer Rathaus. Ganz zum Schluss hatten die Mädchen aus Durban ein stimmungsvolles afrikanisches Lied angestimmt. Die anderen Mannschaften und auch deren Patenschüler kannten den Text natürlich nicht. Aber sie stimmten mit großer Freude mit ein, irgendwie – oder wenigstens klatschten sie dazu. Am Ende kochte die ehrwürdige obere Halle nur so vor Lebensfreude. Das Team von Benya hatte auf diese Weise ein grandioses Finale der Auftaktveranstaltung eingeleitet.

So ist Afrika. Aber Afrika ist eben auch völlig anders, und davon will die Afrikanerin Lona Benya in Deutschland erzählen. Etwa davon, wie es überhaupt dazu kam, dass ihre Heimat in diesem Jahr mit einem weiblichen Fußball-Team vertreten ist. „Es war eine harte Entscheidung“, sagt sie. Der One Nation Cup und Durban, das ist eine lange Geschichte. Bereits bei der Premiere 2006 in Bremen war eine Mannschaft dabei gewesen, 2008 wurde das Turnier sogar in Durban ausgetragen, und auch in den vergangenen Jahren nahmen die Fußball-Talente aus Südafrika regelmäßig an der Veranstaltung teil. Jedes Mal mit einer ziemlich guten männlichen Auswahl, natürlich betreut von Lona Benya.

Der Sport bringt Struktur ins Leben

Als Organisator Ulli Barde, der alte Bekannte aus Bremen, nun meinte, Durban solle doch ruhig mal mit den Mädchen antreten, schien der Konflikt vorprogrammiert. „Aber wir wussten, sie verstehen, dass nun die Mädchen dran sind und nicht die starken Jungs“, erzählt Lona Benya.

Sie ist hartnäckig, wenn es um ihre Mädchen geht. „Wir können ihnen mit dem Fußball zeigen: Macht etwas Vernünftiges, es lohnt sich“, so Benya. Das regelmäßige Training, die Teilhabe an einer Mannschaft würde Struktur ins Leben bringen, und das sei besonders wichtig in einer Stadt mit „einer astronomisch hohen Schwangerschaftsrate.“ Auch die Eltern, arm und oft skeptisch angesichts der sportlichen Ambitionen ihrer Kinder, ließen sich überzeugen. Lona Benya: „Je erfolgreicher sie im Sport sind, desto besser sind sie in der Schule.“ Die Sportlehrerin, angestellt bei der Stadt Durban, weiß deshalb, wie wichtig der Trip nach Bremen ist.

Ihre Mädchen bereiteten sich in der Heimat rund sieben Monate auf den One Nation Cup in Bremen vor. Seit Mai trainierten sie täglich, und einmal durften sie sogar im WM-Stadion ihrer Heimatstadt antreten. Nun zählen sie zu den ganz wenigen Menschen ihrer Townships, die ins Ausland reisen können. „Viele von ihnen haben am Wochenende erstmals den Flughafen gesehen“, so Benya. Auch die Politik erkannte sehr schnell, welche Bedeutung die Teilnahme am One Nation Cup diesmal besitzt. Obwohl sich die Parteien gerade im Wahlkampf befinden, waren sich der regierende ANC und die Opposition einig – die Flugreise wird durch die Stadt Durban finanziert. Gleich vier Politiker machten sich sogar mit auf den Weg nach Bremen, um sich in der Partnerstadt über die sportlichen Strukturen zu informieren.

Erfahrungen sammeln

Lona Benya und ihre Mannschaft erfuhren dagegen, was Schule in Bremen bedeutet. Bereits am Dienstag, noch vor dem ersten Spiel, waren sie zu Gast in der Oberschule Im Park, ihrer Partnerschule. „Das ist schon ganz anders als bei uns“, erklärt Benya. Allein das Zahlenverhältnis hat sie beeindruckt, so viele Lehrkräfte und so wenig Schüler. In Durban würden bis zu 2000 Kinder von zehn Lehrern unterrichtet. Aber das zählt ja auch zu den Aufgaben des One Nation Cups: Neue Erfahrungen machen und Erfahrungen austauschen. „Du musst Fußball spielen, um nach Bremen zu kommen. Aber wenn du in Bremen bist, spielt der Fußball nicht mehr eine so große Rolle“, sagt Lona Benya lachend.

Es ginge weniger um Punkte und Tore, sondern um Menschlichkeit. Noch im Bus zum Rathaus habe sie ihrem Team erklärt, dass das große Thema des ONC die Verständigkeit zwischen den Kulturen ist. „Ein solches Turnier kann die Welt verändern“, sagt Lona Benya. Für die Welt ihrer Mädchen gilt dies bereits.

Deutsche Teams jeweils in den Halbfinals Die Gruppenphase des One Nation Cups in der Pauliner Marsch ist abgeschlossen, und die Halbfinalisten des U15-Fußballturniers stehen fest. An diesem Freitag gehen bei den Jungen die Spiele Deutschland gegen Japan (11.30 Uhr) und Israel gegen Russland (16 Uhr) über die Bühne. Die Vorschlussrunde bei den Mädchen bilden die Duelle USA gegen China (13 Uhr) und Deutschland gegen Südafrika (14.30 Uhr). Die weiblichen Gruppenspiele hatten es am Schlusstag noch einmal in sich. Während Deutschland nach einem über weite Strecken ausgeglichenen Spiel am Ende deutlich mit 3:0 gegen die USA gewann, lieferten sich die Teams aus China und Südafrika eine bis zum Schluss packende Partie. Erst in den letzten Minuten trafen die Asiatinnen per Foulelfmeter, sicherten sich den Gruppensieg und gingen dem Topfavoriten Deutschland damit im Halbfinale aus dem Weg. In das Duell mit dem Werder-Nachwuchs muss bei den Jungs das Team aus Japan. Es verlor das letzte Gruppenspiel nämlich knapp mit 1:2 gegen Russland und verpasste den Gruppensieg. Den sicherten sich die Russen, die gegen den Zweiten der anderen Deutschland-Gruppe antreten müssen. Die Israelis hatten dabei keine Mühe, sich mit einem lockeren 5:0-Erfolg über Neuseeland in die Runde der letzten vier Teams zu schießen.
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