Formel 1

Legende Senna - «Du brachtest Licht in mein Herz»

São Paulo. Leicht erhöht liegt das Grab inmitten eines großen Rasens auf dem Friedhof in Morumbi, einem Nobelviertel der brasilianischen Millionenstadt São Paulo. Auf einer kleinen Bronzeplatte im Boden steht der Name «Ayrton Senna da Silva» und «Nichts kann mich von Gottes Liebe trennen».
21.03.2010, 09:50
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Legende Senna - «Du brachtest Licht in mein Herz»

Grab

dpa

São Paulo. Leicht erhöht liegt das Grab inmitten eines großen Rasens auf dem Friedhof in Morumbi, einem Nobelviertel der brasilianischen Millionenstadt São Paulo. Auf einer kleinen Bronzeplatte im Boden steht der Name «Ayrton Senna da Silva» und «Nichts kann mich von Gottes Liebe trennen».

Es finden sich darauf auch der Sterbetag (01.05.1994) und das Geburtsdatum (21.03.1960). Der dreifache Formel-1-Weltmeister wäre am 21. März 50 Jahre alt geworden. In Brasilien ist er Legende. Jetzt ist der Name Senna wieder in der Formel-1-Welt anzutreffen: Ayrtons Neffe Bruno (26) fährt für das Hispania Racing Team.

«Jeden Tag kommen Menschen zu seinem Grab und am Geburtstag und Sterbetag sind es immer ziemlich viele», sagt der Friedhofswärter. «Dann ist der Parkplatz überfüllt.» Bis zur letzten Ruhestätte Sennas sind es gerade mal 150 Meter vom Haupteingang. Sein Unfalltod hatte Brasilien vor 16 Jahren in Schockstarre versetzt. Das öffentliche Leben erlahmte, als der damals 34-jährige Sunnyboy Senna beim Großen Preis von San Marino in Imola spektakulär verunglückte. Trotz versuchter Vollbremsung raste der Williams-Renault-Pilot mit 217 km/h in die Betonmauer der Tamburello-Kurve. Er starb im Krankenhaus.

Der damalige brasilianische Präsident Itamar Franco ordnete nach Sennas Tod eine dreitägige Staatstrauer an. Etwa drei Millionen Menschen säumten die Straßen, als der Trauerzug mit Reitereskorte und Ehrengarde durch São Paulo, Sennas Heimatstadt, zog. Er war für viele Anhänger der «Formel-1-König» schlechthin. Mit seinem Charisma begeisterte er nicht nur Landsleute, sondern Motorsportfans weltweit. Er holte drei WM-Titel (1988, 1990, 1991), fuhr bei 41 Grand-Prix- Rennen aufs Siegerpodest und startete 65 Mal aus der Pole-Position. Mit seinem Erzrivalen Alain Prost aus Frankreich lieferte er sich legendäre Gefechte. Beide schenkten sich nichts, weder in den Schlagzeilen der Gazetten noch auf der Piste.

In Brasilien tragen unzählige Straßen, Autobahnen, Tunnel und Plätze im ganzen Land den Namen des Rennfahrer-Idols. «Ayrton ist in den Herzen der Brasilianer präsent durch die Werte, die er vertrat, im Leben und auf der Piste: Motivation, Hingebung, Bestimmtheit, Vertrauen und Perfektion», sagte seine Schwester Viviane kürzlich. Sie ist Vorsitzende des nur wenige Monate nach dem Tod ihres Bruders gegründeten «Instituto Ayrton Senna», das sich in Brasilien für die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Für die Brasilianer sei ihr Bruder der Archetyp des Märchenhelden gewesen, der gegen den Drachen kämpft. «Er kam aus einem Dritte-Welt- Land mit kleinsten Aussichten auf die Formel 1. Aber er kämpfte und gewann in einem der ureigensten Felder der ersten Welt: der Hochtechnologie», sagte Viviane der dpa.

Ihr Sohn Bruno gab beim Grand Prix von Bahrain in Sachir am 14. März sein Debüt in der Königsklasse. Zwar schied er in der 19. Runde mit Motorschaden aus. Aber der 26-Jährige hat sich auf den steinigen Formel-1-Weg gemacht, auf dem einst auch sein Onkel unterwegs war. Berühmte Namen sind für Nachkommen nicht immer hilfreich, denn die Erwartungen sind enorm. «Ehrlich gesagt, versuche ich, nicht daran zu denken», sagte Bruno Senna in Sachir. «Ich will an meiner eigenen Laufbahn arbeiten, obwohl ich sicher weiß: Ich wäre nicht hier, wenn es ihn (Ayrton) nicht gegeben hätte.»

Ayrton Senna beeinflusste nicht nur das Leben seines Neffen, sondern das unzähliger Menschen auf der ganzen Welt, die ihm auch 16 Jahre nach seinem Tod die Treue halten. Dazu gehört auch Helga aus Salzburg, die am 20. Januar 2010 einen durch Klarsichtfolie geschützten DIN-A-4-Zettel auf dem Grab hinterließ. «Ayrton, Du fehlst mir, Sempre (Immer) Ayrton, ich werde Dich nie vergessen», schrieb sie, obwohl sie ihr Idol nie persönlich kennenlernte. Ein polnischer Fan hinterließ auf Englisch eine Botschaft: «Siege weiter... Dort ... Im Himmel» und der Senna-Anhänger Matthias glaubt fest an ein Wiedersehen im nächsten Leben: «Ich freue mich darauf, denn Du brachtest das Licht in mein Herz!» (dpa)

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