Leichtathletik

Michelmanns Momentum

Bestmarke, Landesspitze, Bundesspitze - trotz muskulärer Probleme hat der Asendorfer Athlet, Leon Michelmann, bei den M14-Landesmeisterschaften im Hochsprung eine bravouröse Leistung hingelegt.
14.09.2020, 11:38
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Von Niklas Golitschek
Michelmanns Momentum

Hoch, höher, Leon Michelmann: Bei den Landesmeisterschaften überquerte er im Hochsprung 1,84 Meter.

Niklas Golitschek

Hannover. Die Latte lag auf einer Höhe von 1,84 Metern. Leon Michelmann (TSV Asendorf) stand zu diesem Zeitpunkt am Sonnabendnachmittag bereits als M14-Landesmeister im Hochsprung fest. Doch im Erika-Fisch-Stadion wollte er es sich und den Anwesenden noch einmal beweisen. Mit bester Laune, voller Konzentration und größter Körperspannung nahm er Anlauf – und scheiterte. Die Sprunghöhe sah zwar vielversprechend aus, doch hatte er den Querbalken da schon mit dem Ellenbogen abgeräumt.

Gerade pünktlich hatten es noch die Eltern in die niedersächsische Landeshauptstadt geschafft, nachdem Leons Schwester Lynn noch an einem Wettkampf teilgenommen hatte. Wegen des Hygienekonzepts durften sie jedoch nicht aus nächster Nähe verfolgen, wie ihr Sohn versuchte, sich zu neuen Höchstleistungen anzuspornen. Hinter Zaun und Busch fanden sie eine Lücke und fieberten aus sicherer Entfernung mit.

Näher dran stand Michelmanns Trainerin Ute Schröder – selbst einst Hochspringerin. Fast synchron wippte sie in der Schrittfolge des Anlaufs mit. „Ich kann jeden Schritt nachvollziehen“, erzählte sie. Beim Hochsprung gelinge ihr das besser als in jeder anderen Disziplin. Doch nicht nur die Augen der Trainerin und der Eltern waren auf Michelmann gerichtet. Fast das gesamte Publikum schaute zu, wie er alleine den Wettkampf zu Ende brachte; viel mehr Programm gab es zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr zu sehen.

Mit kühlem Kopf ließ Michelmann den DJ darum bitten, noch einmal die Elektronikmusik aufzulegen, mit der er bereits die 1,81 Meter im zweiten Versuch übersprungen hatte. Er riss die Arme nach oben, klatschte – und das Erika-Fisch-Stadion klatschte mit ihm. Doch wieder fiel die Latte, dieses Mal durch das Gesäß. Ein Versuch blieb ihm noch.

Der dritte Versuch sitzt

Also der gleiche Ablauf noch einmal. Und es klappte. Sowie Michelmann seinen Erfolg realisierte, ballte er Siegerfaust in Richtung seiner Trainerin und ließ unter Applaus des Publikums einen Jubelschrei los, wie schon beim gültigen Versuch zuvor. Um sechs Zentimeter hatte er seine bisherige Bestleistung getoppt. Laut Schröder dürfte das auch die Kadernorm und sogar die M15-Quali-Norm für die Deutschen Meisterschaften der U16 gewesen sein. Fast wären sogar die 1,87 Meter geglückt, doch das wäre schon fast zu viel des Guten gewesen.

Der Sieger sprudelte vor Euphorie. Eine solche Wettkampf-Atmosphäre hatte er noch nicht erlebt. „Die Musik hat mir richtig Auftrieb gegeben“, erzählte Michelmann. Dass alle mit ihm mitfieberten und klatschten, habe er auch noch fast auf keinem Wettkampf gehabt – dieses Momentum wusste er zu nutzen. Fazit: „Das war einfach mega geil.“

Mit einer solchen Leistungsexplosion war wahrlich nicht zu rechnen gewesen. Seit Monaten quält sich das Asendorfer Talent mit muskulären Problemen. Diesen musste er zuvor auch beim Weitsprung noch Tribut zollen. 5,50 Meter bedeuteten dafür zwar eine passable Leistung. Den Titel verteidigte er damit jedoch nicht. Nach einem starken Auftritt von Mika Pikutzki (TuS Bad Essen) mit drei persönlichen Bestleistungen und einer Siegerweite von 5,68 Meter musste er sich geschlagen geben. Das hatte noch an ihm genagt. „Ich bin gehumpelt und konnte nicht richtig abspringen“, sagte er da noch geknickt. Mit seinem ersten Versuch wären ihm vielleicht an die 5,80 Meter geglückt, der war allerdings ungültig. „Das ist am frustrierendsten: Ich weiß, ich könnte weiter – kann aber nicht“, sagte er.

Schröder ist begeistert

Doch eben diesen Frust schien er anschließend im Hochsprung runterzuschlucken, zu kanalisieren und in positive Energie umzuwandeln. Auch Trainerin Ute Schröder zeigte sich ganz begeistert. „Ich habe selten so einen tollen Wettkampf von Leon gesehen. Er war konzentriert und kämpferisch trotz der muskulären Probleme“, schwärmte sie. Von der Atmosphäre im Stadion habe er sich das Adrenalin rausgezogen und eine positive Lockerheit ausgestrahlt.

Auch bundesweit überragend

Dass Michelmann am Sonntag im Kugelstoß dann mit 10,42 Metern deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb – geschenkt. Was bleibt, ist dieser grandiose Auftritt im Hochsprung. Dieser bedeutet auch in der NLV-Jahresbestenliste für die Altersklassen M14 und M15 mit Abstand den ersten Platz. Bundesweit rangiert Michelmann damit auf Platz zwei – gleichauf mit Ole Herlemann (LG Lippe Süd). Zusätzliche Sympathiepunkte sammelte er bei den Ausrichtern, als er sich anschließend persönlich für musikalische und akustische Unterstützung bedankte.

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