Ein Fahrer - sechs Tage (4)

Leif, der Halbzeitmeister

Sechs Tage lang rasen die Radprofis durch die ÖVB-Arena. Wie geht es den Fahrern dabei? Wie verbringen sie ihre Stunden abseits der Bahn? Der WESER-KURIER begleitet Leif Lampater durch die Sixdays.
11.01.2017, 20:32
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Alexandra Knief Nico Schnurr
Leif, der Halbzeitmeister

Der WESER-KURIER begleitet Leif Lampater bei den Sixdays 2017 in Bremen.

WESER-KURIER-Grafik

Sechs Tage lang rasen die Radprofis durch die ÖVB-Arena, oder besser: sechs Nächte. Tausende Menschen sehen ihnen dabei zu, aber kaum einer weiß: Wie geht es den Fahrern in dieser Zeit? Wie verbringen sie ihre Stunden abseits der Bahn? Was treibt sie an, was bedrückt sie?

Der WESER-KURIER begleitet Leif Lampater durch die Sixdays; der 34-Jährige ist Publikumsliebling und einer der erfahrensten Profis des Bremer Fahrerfeldes. Er konnte die Sixdays schon zwei Mal für sich entscheiden (2009 gemeinsam mit Erik Zabel und 2014 gemeinsam mit Wim Stroetinga). Auch in diesem Jahr zählt Leif Lampater zu den Favoriten.

12.00 Uhr: Hat Leif Lampater nicht gerade eben noch in der Koje gelegen - und nun liegt er hier schon wieder? Die Nacht war kurz. Es wurde tatsächlich fast drei Uhr, bis Lampater endlich zur Ruhe kam. "Aber ich habe sehr gut geschlafen", sagt er und sieht wirklich frisch aus.

In der Halle brodelt schon wieder das Leben. Die Ränge füllen sich, die U23-Fahrer haben gerade ihre zweite Etappe gefahren, ihr Rennen damit beendet, und die Frauen haben ihre ersten Wettbewerbe hinter sich, als sich auch Lampater wieder bereit machen muss. Fällt das schwer, wenn draußen vor der Halle bestes Winterwetter mit strahlendem Sonnenschein herrscht und er in die Dunkelheit der Halle abtauchen muss? "Na ja", sagt er, "so ist es eben. Aber nachher werde ich noch einen Spaziergang machen." Dann allerdings wird es schon wieder dunkel sein. Bis halb sechs läuft heute das Rennen. Irgendwie schon komisch, dort zu arbeiten, wo Tag und Nacht kaum zu unterscheiden sind.

Was Lampater vielleicht auch gut schlafen ließ: Er und sein Partner Wim Stroetinga gingen als Erstplatzierte ins Bett. Aber der 34-Jährige relativiert den Zwischenstand sofort: "Mit Blick auf die Punkte sehe ich uns eigentlich als Zweite." Ein Punkt fehlt den Konkurrenten Kalz/Keisse, um eine Bonusrunde zu bekommen und an Lampater/Stroetinga vorbeizuziehen. Das wird wohl schnell passieren. "Egal", sagt Lampater, "wir werden weiter attackiert werden von der Konkurrenz - und wir werden sie weiter attackieren." Drei anstrengende Tage sind rum, drei harte Tage liegen noch vor ihm.

Endlich wieder telefonieren

16.10 Uhr: Leif Lampater sitzt in seiner Koje und schwitzt. Abgekämpft sieht er aus, aber auch zufrieden. Gerade hat er mit seinem Partner Wim Stroetinga die Kleine Jagd gewonnen. Spät, sehr spät im Rennen haben sie einen Rundengewinn herausgefahren und damit zu den Teams aufgeschlossen, die ihre Konkurrenten im Kampf um den Gesamtsieg sind. Und dann hat Stroetinga alle anderen auch noch im Sprint besiegt. "Das war schon mal ein Zeichen", sagt Lampater.

Wie es jetzt weitergeht? "Die Beine gehen gut", sagt Lampater. "Man muss sehen." Er weiß, wieviele Überraschungen ein Sechstage-Rennen bieten kann. Eines jedenfalls steht fest: "Zu früh will ich nicht die Spitze übernehmen. Die ist dann schwer zu verteidigen." Denn die Topteams liegen eng beisammen.

Heute Abend hat Lampater sowieso erst mal frei. Es ist der einzige Abend bei den Bremer Sixdays, an dem nicht gefahren wird. Was er macht? "Mit meiner Familie, mit meiner Tochter telefonieren. Das ist zuletzt ein bisschen kurz gekommen." Später dann: was essen gehen, irgendwann zwischen neun und zehn. Nicht zu früh jedenfalls. Er will ja im Rhythmus bleiben.

Am Montagvormittag wird Lampater Gast beim Tag der Schulen sein. Er wird den Schülern etwas aus seinem Leben als Radsportler erzählen. Und? Wird er ihnen, falls sie fragen, diesen Beruf guten Gewissens empfehlen können? "Er ist ein schweres Brot", sagt Lampater. "Du musst diesen Sport lieben. Dann kann sich das entwickeln." Planen kann man das ja nicht: Sechstage-Profi zu werden. "Ist ja nicht gerade ein Ausbildungsberuf."

Tag 1 Tag 2 Tag 3

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+