Ein Fahrer - Sechs Tage (Tag 3)

"Leif ist Live": Schwere Beine

Sechs Tage lang rasen die Radprofis durch die ÖVB-Arena. Wie geht es den Fahrern dabei? Wie verbringen sie ihre Stunden abseits der Bahn? Der WESER-KURIER begleitet Leif Lampater durch die Sixdays.
11.01.2017, 20:27
Lesedauer: 4 Min
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Von Alexandra Knief Nico Schnurr
"Leif ist Live": Schwere Beine

Der WESER-KURIER begleitet Leif Lampater durch die Sixdays.

WESER-KURIER-Grafik

Sechs Tage lang rasen die Radprofis durch die ÖVB-Arena, oder besser: sechs Nächte. Tausende Menschen sehen ihnen dabei zu, aber kaum einer weiß: Wie geht es den Fahrern in dieser Zeit? Wie verbringen sie ihre Stunden abseits der Bahn? Was treibt sie an, was bedrückt sie?

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Der WESER-KURIER begleitet Leif Lampater durch die Sixdays; der 34-Jährige ist Publikumsliebling und einer der erfahrensten Profis des Bremer Fahrerfeldes. Er konnte die Sixdays schon zwei Mal für sich entscheiden (2009 gemeinsam mit Erik Zabel und 2014 gemeinsam mit Wim Stroetinga). Auch in diesem Jahr zählt Leif Lampater zu den Favoriten.

Zu viel gewollt

11.00 Uhr: Der Anblick auf Leif Lampaters Teller ist bekannt: Tomaten, Lachs, Mozzarella, Brötchen und dazu wieder ein großes Omelett. Er wirkt noch ein wenig verschlafen. Das ist nicht verwunderlich, denn sein Tag endete wieder einmal erst spät in der Nacht und nach mehreren Stunden auf dem Fahrrad. Das Aufstehen sei ihm heute schon ein wenig schwer gefallen, die Beine seien etwas schwer.

Auch am Freitag ist es Lampater nicht gelungen, sich auf den ersten Platz in der Gesamtwertung vorzuarbeiten, was er natürlich "sehr ärgerlich" findet. Er und sein Partner stehen noch immer auf dem zweiten Platz. Dabei sah es gerade bei der Großen Jagd am Freitagabend zwischenzeitlich sehr gut aus. "Wir wollten aber zu viel", sagt Lampater. Kurz vor Schluss rutschte das Team mit der Nummer 1 noch auf den dritten Platz des Rennens. "Die Jagd war sehr schwer", sagt Lampater. "Bei vielen Teams merkte man, dass es hinten raus schwer wurde."

Und heute wird es noch einmal besonders anstrengend. Die Zeit zum Ausruhen in der Mittagszeit fällt weg: In der Halle warten zahlreiche Kinder beim Kidsday darauf, ihn und die anderen Profis fahren zu sehen.

Höllenlärm beim Kidsday

17.00 Uhr: Jetzt sind die Kinder schon seit einer Stunde wieder weg. "Es war saulaut", sagt Lampater, der nach dem Getöse zwischen 12 und 16 Uhr erst einmal etwas gegessen hat. Tausende von Klatschpappen und die Anfeuerungsrufe der jungen Fans sorgten zeitweise für einen Höllenlärm. So ganz viel Zeit bleibt Lampater nun nicht mehr, bis er wieder in den Sattel steigt. Apropos Sattel: Der 34-Jährige hatte eben während des Dernyrennens Glück - und bewies natürlich auch das notwendige Geschick -, um den Bruch seiner Sattelstütze unfallfrei zu überstehen. "Es ist alles okay", sagt er, "und ich hoffe, dass ich damit das Thema Materialschaden für diese Sixdays abhaken kann." Bei hohem Tempo war der Sattel wegen des Bruchs der Stütze nach vorne weggeklappt, Lampater musste das Rennen im Stehen zu Ende bringen. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können! Ein Sturz Lampaters oder auf der Bahn umherfliegendes Material von seinem Rad hätten böse Folgen auch für die Kollegen haben können.

Um halb neun werden die Profis heute vor der längsten Nacht der Sixdays erneut vorgestellt. Nicht viel Zeit, um zu regenerieren. So nutzte Lampater während des Kidsdays den Auftritt der Youtube-Stars Moritz Garth und Julia Beautx, um sich massieren zu lassen. Schöner Nebeneffekt: Auf der Massagebank war es deutlich ruhiger als in der ÖVB-Arena. Pflege für den Körper und Schonung für die Ohren.

Ein bisschen, vielleicht eine Stunde, werde er gleich noch ruhen, sagt Lampater, dann geht's weiter. Ach ja, ein anderer Termin steht auch noch an: Das tägliche Telefonat mit Töchterchen Lea, das heute zur Mittagszeit wegen des Kidsdays ausfallen musste. Auch morgen muss Papa Lampater dieses ihm so wichtige Gespräch verschieben, denn zur Mittagszeit sind die Profis beim Familiensonntag schon wieder auf der Bahn. Nach einer langen Nacht...

Mickie rockt - Leif ruht

23.45 Uhr: Leif Lampaters Koje in der Haake-Beck-Kurve ist so groß wie eine Liege eben groß ist - aber sie ist wenigstens sein Reich. Ein paar Meter entfernt drängen sich die Fans von Mickie Krause im Innenraum, die Tribünen sind brechend voll. Lampater findet's klasse. "Eine gute Abwechslung", sagt er, auch wenn er heute nicht rauskommt aus der Koje, um Krause zu sehen. Das Programm ist ja so wie am Freitag - und da hat Lampater auch ein bisschen zugeschaut.

Jetzt, da der Tag fast zu Ende ist, nicht aber das Rennen, versucht Lampater, sich wenigstens ein bisschen zu erholen. Zufrieden wirkt er, denn im Augenblick liegt er mit seinem Partner Wim Stroetinga in Führung. Das Duo hat am Abend die Kleine Jagd gewonnen - mit einer Runde Vorsprung vor den bis dahin führenden Marcel Kalz und Iljo Keisse. "Die Nacht ist aber noch nicht zu Ende", sagt Lampater. Gut möglich, dass sich Kalz und Keisse mit Überschreiten der 200-Punkte-Grenze noch eine weitere Bonusrunde sichern und damit die Führung zurück holen. Wichtiger aber ist, dass Lampater jetzt, am dritten Tag, spürt, dass er und Stroetinga die Form haben, ihren Triumph von 2014 zu wiederholen.

Es wird wohl nicht vor 3 Uhr sein, dass Lampater zum Schlafen kommt. Das Rennen läuft bis nach halb zwei, dann muss der Profi erst mal runterkommen und auf jeden Fall noch etwas essen. Und um kurz nach halb elf spätestens ist die Nacht für Lampater vorbei - dann geht's schon wieder aufs Rad. Was für ein Pensum!

Körperlich fühlt sich Lampater wohl. Und seine Laune ist auch gut. Vielleicht ja deshalb, weil er vorhin noch mit Lea telefoniert hat. Bald ist die Zweijährige die Große im Hause Lampater: Für Ende Februar/Anfang März kündigt sich nämlich zum zweiten Mal Nachwuchs an. In absehbarer Zeit muss Lampater in Doppelschichten telefonieren, sofern er denn noch weiter als Sixdays-Profi durch die Lande tingelt. Wie lange er das noch macht? Ein Ende, so sagt er, ist nicht mehr unendlich weit weg, aber zum Glück gibt's auch noch keinen Termin für einen Rücktritt. Bremen kann sich wohl auch 2018 auf den Rosenheimer freuen.

Während Mickie Krause noch vom Engel singt, der ihn geküsst hat, sitzt Lampater schon wieder im Sattel. Der Sänger hat Feierabend, für die Profis geht's weiter mit der Großen Jagd über 45 Minuten. Gelegenheit zum Kurzauftritt für einen guten alten Bekannten in Bremen: Ex-Werder-Torwart und Neu-Wrestler Tim Wiese schickt die Profis auf die Reise.

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