Tour de France

Lennard Kämna holt den 40. Platz im Gesamtklassement

Der 22-jährige Lennard Kämna aus Fischerhude holt sich im Endklassement der Tour de France den 40. Platz. Mit dieser Leistung ist er nun eine feste Größe im Radsport-Geschäft.
28.07.2019, 22:03
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Lennard Kämna holt den 40. Platz im Gesamtklassement
Von Mathias Sonnenberg
Lennard Kämna holt den 40. Platz im Gesamtklassement

Lennard Kämna fuhr bei seiner Premiere eine starke Tour de France.

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Das Willkommensgeschenk in der Heimat hat Lennard Kämna schon in Auftrag gegeben. Eine fettige Pizza soll es bitteschön sein, wenn er nach drei Wochen Tour de France jetzt wieder nach Bremen zurückkehrt. Die hat er sich aber auch verdient, denn diese drei Wochen in Frankreich werden womöglich sein Leben nicht gleich auf den Kopf stellen, aber doch gehörig verändern. Denn dieser Kämna, 22 Jahre jung, in Fischerhude aufgewachsen, in Cottbus ausgebildet und jetzt in Bremen lebend, ist nun eine feste Größe im Radsport-Geschäft.

„Für mich ist er eigentlich die größte Überraschung bei der Tour“, sagt Hans-Peter Jakst, der für den WESER-KURIER täglich Kämnas Leistungen analysierte und einordnete. Auf der Schlussetappe am Sonntag fuhr Kämna auf den 128. Rang. Das bedeutet für das End­klassement einen starken 40. Platz. Im Kampf um das weiße Trikot, des besten Nachwuchsfahrers also, landete er schließlich auf dem siebten Rang.

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Jakst ahnt, warum Kämnas Tour-Premiere so gut gelaufen ist. „Er hat vor der Tour de Suisse im Juni eine Pause eingelegt. War auf Mallorca, hat Urlaub gemacht und sich entspannt. Diese Auszeit hat ihm gut getan.“ Bei der Tour de Suisse überzeugten sich die Verantwortlichen vom Rennstall Sunweb von Kämnas Form – und nominierten ihn für die Tour de France, das begehrteste Radrennen der Welt. Die Aufgabe war klar: Für Michael Matthews Tempo machen, damit der eine Etappe gewinnt. „Er sollte für den Chef arbeiten“, sagt Jakst, „und das hat er sehr gut gemacht.“ Denn Kämna fuhr praktisch ständig im Spitzenfeld mit. Jakst: „Ich habe noch die Szene vor Augen, wie er auf einer Etappe eineinhalb Kilometer vor dem Ziel aus der Gruppe ausscherte, obwohl er einen guten Eindruck machte.“ Aber für Kämna ging es nicht um gute Plätze, sondern um seinen Chef.

Erst als ihn die Sunweb-Bosse ohne Team-Aufgabe fahren ließen, zeigte er seine Stärken bis zum Schluss – mit einem vierten und sechsten Rang. Was Jakst besonders erstaunte: „Lennard ist im Laufe der Tour immer besser geworden. Und wenn er nach einer Etappe ein Fernseh-Interview gab, sah er schon wieder fit aus. Er kann offenbar sehr schnell regenerieren, das spricht für einen optimalen Fitness-Zustand.“ Deshalb hätte Jakst gerne gesehen, wie Kämna als Chef des Sunweb-Teams abgeschnitten hätte. „Bei der Arbeit für Matthews hat er ja schon ein paar Körner verbraucht. Und ist trotzdem am Ende ganz vorne mitgefahren. Es wäre spannend gewesen zu erleben, wie er als Kapitän auf Ergebnis gefahren wäre.“

Kämna könnte bleiben, wenn die Rahmenbedingungen stimmen

Vielleicht im nächsten Jahr. Kämnas Vertrag bei Sunweb läuft am Jahresende aus, „er wird sicher ein paar gute Angebote bekommen“, glaubt Jakst. Aber er könne sich vorstellen, dass Kämna trotzdem bei seinem Rennstall bleibt. „Er ist ein gerader Junge. Sunweb hat zu ihm gehalten, als es ihm 2018 nicht gut ging. Ich halte es für möglich, dass Lennard deshalb bleibt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wichtig ist immer, dass man sich als Fahrer bei seinem Team wohl fühlt.“

Jetzt aber wird Kämna die nächsten Wochen nutzen, um noch etwas Geld zu verdienen. Denn auf den Rundstreckenrennen werden traditionell die Fahrer verpflichtet, die bei der Tour einen guten Eindruck hinterlassen haben – und zu denen zählt Kämna definitiv. „Bei diesen Rennen wollen die Leute den Tour-Fahrern zujubeln. Das ist immer eine schöne Sache. Und ein bisschen Geld gibt es auch noch“, sagt Jakst. Denn bei diesen Rennen seien die Fahrer nicht für ihr Team unterwegs, sondern als Privatfahrer.

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Hans-Peter Jakst (65) fuhr als Bremer 1980 bei der Tour de France und belegte den 62. Platz im Endklassement. Für den WESER-­KURIER analysierte er die Leistungen von Lennard Kämna bei der diesjährigen Tour.

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