SV Atlas Delmenhorst

Lernen vom Besten

Marlo Siech ist im Sommer zu dem Fußball-Oberligisten gewechselt. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten hat er sich als Innenverteidiger in der Startelf etabliert. Dabei hilft ihm auch sein Vorbild.
19.01.2018, 16:47
Lesedauer: 4 Min
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Von Nico Nadig

Delmenhorst. Sportler unterscheiden sich in vielem, eines haben sie aber alle gemein: Vor wichtigen Momenten suchen sie nochmals nach dem Extra-Kick, der das Adrenalin und die Motivation in ungeahnte Höhen schießen lässt. Teamkollegen pushen sich gegenseitig, bis sie nicht mehr ruhig sitzen können. Dagegen hört manch einer ein ganz bestimmtes Lied, während wiederum andere sich ein Video anschauen. So wie eben Marlo Siech. Der Innenverteidiger des Fußball-Oberligisten SV Atlas Delmenhorst schnappt sich vor wichtigen Partien durchaus mal sein Handy und klickt Szenenzusammenschnitte von Sergio Ramos an – für Siech ist der Abwehr-Spieler von Real Madrid so etwas wie ein Vorbild. „Ich schaue mir immer wieder Videos von ihm an, eben auch mal vor wichtigen Partien zur Motivation. Außerdem bin ich ein richtiger Real-Fan“, erzählt der 20-Jährige.

Wann immer er die Möglichkeit hat, verfolgt er die Partien der „Königlichen“. Und obwohl der Kader der wohl berühmtesten Fußball-Mannschaft der Welt mit zig Top-Stars gespickt ist, richtet sich Siechs Augenmerk immer wieder auf Ramos. Er beobachtet seine Spielweise genau und versucht, den Stil des Spaniers teilweise zu imitieren. Schließlich sieht sich der Atlas-Akteur noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. „Verbessern kann man immer alles“, betont der 20-Jährige. Zu rütteln gibt es an dieser Aussage zweifelsohne nichts, dass der Sommerneuzugang des SVA in der ersten Saisonhälfte jedoch bereits einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, ist auch nicht abzustreiten. Als Neuer kämpfte er zu Beginn noch mit einigen Anlaufschwierigkeiten, mittlerweile sieht und spürt man davon aber nichts mehr. Siech: „Ich saß die ersten zwei Partien auf der Bank, dann bin ich reingekommen. Unser Trainer Jürgen Hahn hat mir dann das Vertrauen geschenkt.“ Und offensichtlich machte sich das bezahlt, denn der 1,92 Meter große Abwehr-Hüne ist seit dem dritten Spieltag eigentlich nicht mehr aus der Startaustellung wegzudenken. Er steigerte sich stetig und wusste vor allem mit seiner Zweikampfstärke zu überzeugen. Beispiel gefällig? Im Heimspiel gegen den FC Wunstorf hatte der gegnerische Stürmer mehr oder weniger freie Bahn, es roch nach einem Gegentor. Marlo Siech kam allerdings noch angesprintet, packte die Grätsche aus und trennte seinen Gegenspieler fair vom Ball. Eine Szene, die nicht nur die Trainerbank des SVA zu Applaus animierte, sondern auch die Fans. „Daran erinnere ich mich auch noch“, erzählt Siech lachend.

In puncto Zweikämpfhärte, Stellungs- und Eröffnungsspiel hat er beim SV Atlas bereits den nächsten Schritt gemacht. In einem anderen Bereich kann er sich dagegen noch etwas von seinem Vorbild Sergio Ramos abschauen: Während der Real-Star, der immerhin fast zehn Zentimeter kleiner als Siech ist, bei ruhenden Bällen Torgefahr ausstrahlt, offenbart der SVA-Spieler dort Schwächen. „Defensiv gehören Kopfbälle zu meinen Stärken, offensiv können sie aber noch besser werden. Das liegt manchmal aber auch an unserer Aufstellung. Ich ziehe meistens zwei Spieler auf den ersten Pfosten. Nichtsdestotrotz kann ich das verbessern“, gesteht Siech.

Überraschenderweise strahlte er bei seinem vorherigen Verein, dem VfB Oldenburg, durchaus Torgefahr aus – allerdings lief er dort auch oft als Sechser oder Achter auf. Er stand für die VfB-Reserve in der Bezirksliga auf dem Platz, der Sprung in der Regionalliga-Kader glückte ihm zwar, ein Einsatz blieb ihm jedoch verwehrt. Apropos Positionen: In seiner Jugend spielte Siech auf dem rechten Flügel, als er aber immer weiter wuchs, wurde er zum Verteidiger umgeschult. Siech: „Ich war damals klein und eher der Flügelflitzer.“ Mittlerweile fühlt er sich als Innenverteidiger aber am wohlsten, seine Stärken kommen dort einfach am besten zur Geltung. Zugegeben, die Anhänger des SVA haben den 20-Jährigen auch noch auf keiner anderen Position erlebt.

Die spielten übrigens auch eine Rolle, als er sich für die Blau-Gelben entschied. „Für mich war klar, dass ich zu Atlas gehe, wenn es klappt. Die Perspektive, die Fans und die familiäre Atmosphäre haben mich überzeugt“, erzählt Siech, der in Delmenhorst sein Fachabitur macht. Außerdem kannte er SVA-Stürmer Thore Sikken und erkundigte sich bei ihm – beide spielten in ihrer Jugend gemeinsam für die U19 des JFV Nordwest. Seine Entscheidung pro Atlas fällte er dabei bereits vor dem Aufstieg in die Oberliga. „Ich wäre auch in der Landesliga für den SVA aufgelaufen. Aber ich habe mich natürlich über den Aufstieg gefreut. Ich war damals im Urlaub, mein Vater hat mich aber immer informiert. Überhaupt unterstützen mich meine Eltern sehr“, berichtet der Innenverteidiger.

Die Oberliga soll derweil nicht das Ende seiner Reise sein. Er möchte höher hinaus, den Traum vom Profifußballer hat er noch nicht gänzlich begraben. Wenngleich ihm die Zeit ein wenig davonläuft, das weiß er selbst. „Ich möchte schnell den Sprung in die Regionalliga schaffen. Die Chance gesehen zu werden, ist dort höher. Bis ich 22 oder 23 Jahre alt bin, versuche ich es. Danach konzentriere ich mich auf meine Ausbildung“, berichtet Siech über seine Pläne. Dass er sich passende Angebote also durchaus anhört, wissen die Verantwortlichen der Blau-Gelben. Einen Wechsel forcieren möchte der 20-Jährige jedoch nicht. Ihm wäre es wesentlich lieber, mit dem SVA den Aufstieg zu packen. „Ich fühle mich wohl hier. Die Trainer sagen ja auch, dass es so scheint, als wäre ich schon immer hier gewesen“, sagt er.

Dass er sich wohlfühlt, hat man auf dem Platz gesehen – bis zu seiner Verletzung zum Ende der ersten Halbserie. Mit dem Rückrunden-Auftakt wird er aber wieder fit sein. „Ich glaube nicht, dass wir etwas mit dem Abstieg zu tun haben werden. Die Liga ist eine Wundertüte, jeder kann jeden schlagen. Mit einer Serie landet man schnell oben. Die Fans können uns pushen“, meint Siech. Er möchte seinen Teil zu einer erfolgreichen Saison beitragen und zumindest einen eigenen Treffer für den SVA bejubeln. Gegentore sollen ohnehin so wenige wie möglich fallen. „Ich hasse die einfach", betont Siech. Außerdem möchte er sich weiterentwickeln. Und dafür wird er auch wieder Spiele von Real Madrid verfolgen und weiter versuchen, sich etwas vom Stil von Sergio Ramos anzueignen. Schließlich gilt der Spanier als Sprachrohr und Anführer. Das muss Siech noch lernen: „Auf dem Platz will ich lauter werden, also mehr kommunizieren. Das kommt aber auch mit der Zeit.“

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