Werder-Fußballerinnen "Mädchen wollen manchmal diskutieren"

Manfred Winkler ist Co-Trainer bei Werders Fußballerinnen - eine Aufgabe, von der einige Kollegen nichts halten.
29.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Seit rund 30 Jahren ist er fester Bestandteil der Bremer Trainerszene: Manfred Winkler (65) saß bei diversen Vereinen auf der Bank, ehe er 1999 bei Werder Bremen anheuerte. Dort betreute er eine Reihe von Teams (U 18, Werder III, Werder II), als Trainer oder als Co-Trainer. Seit 2013 assistiert Winkler Chadia Freyhat beim Frauenteam. Mit Stefan Freye sprach er über seine Erfahrungen.

Herr Winkler, Sie waren zwischen 1995 und 1997 bereits Trainer der Frauenmannschaft des Polizei SV, arbeiteten danach aber ausschließlich mit Herrenteams. Warum folgte dann die Rückkehr zum Frauenfußball?

Manfred Winkler: Ich hatte Birte Brüggemann (Werders Abteilungsleiterin Frauenfußball; Anm. der Red.) beim Polizei SV trainiert. Sie hat mich gefragt, ob wir nicht wieder zusammenarbeiten wollen. Mich hat sehr interessiert, wie sich der Frauenfußball entwickelt hat. Es gibt inzwischen ganz andere Trainingsmethoden, und der Leistungsgedanke hat viel stärker Einzug in den Frauenfußball gehalten. Früher war es für die meisten Spielerinnen reines Hobby.

Sie haben vor allem gute Erfahrungen mit dem Wechsel ins Frauenteam gemacht?

Es war zuerst ein bisschen komisch, denn manchmal habe ich Dinge gesagt wie: Reißt euch zusammen, Jungs! (lacht). Aber ich habe der Mannschaft sofort angemerkt, dass sie Lust hat und den Willen, etwas zu lernen. Wir haben uns sehr entwickelt, im technischen und im taktischen Bereich.

Wo machen Sie die größten Unterschiede in der Arbeit mit Frauen und Männern aus?

Sicher im athletischen Bereich. Da muss man bei den Frauen eher darauf achten, wie weit man gehen kann. Manchmal wollen die Mädchen auch mehr diskutieren: Wieso machen wir das? Was bringt das? Und aus der Zeit beim Polizei SV wusste ich bereits, dass die Ansprache eine andere sein muss. Derbe Aussprüche kommen bei Frauen nicht so gut an, da sind sie ein paar Tage beleidigt.

Sie sind allein unter Frauen, auch der Rest des Trainerteams ist weiblich.

Das war zuerst etwas komisch. Gerade auf Auswärtsfahrten, wenn der Busfahrer und ich die einzigen Männer waren. Mittlerweile ist es ganz normal für alle Beteiligten.

Was bedeutet es für Sie, dass Ihnen mit Chadia Freyhat eine Frau vorgesetzt ist?

Viele Trainerkollegen haben mich damals gefragt: Warum tust du dir das an? Wir kommen aber hervorragend miteinander aus und sind ein Team. Ich bin jedenfalls ganz zufrieden mit dieser Zusammenarbeit. Wir respektieren uns, und Chadia bekommt es bei der Bundeswehr ja mit vielen Männern zu tun – sie weiß, wie ich ticke.

Würden Sie sagen, der Frauenfußball wird noch immer etwas belächelt?

Belächelt nicht. Ich höre immer wieder, dass die Kollegen überrascht sind von der Entwicklung der Mannschaft. Es gibt ja auch keinen Grund, den Frauenfußball zu belächeln. Gerade in der Vorbereitung haben wir zuletzt viel Laufarbeit gemacht. Die Mädels sind immer noch mit Freude dabei, wenn wir dann ein Abschlussspiel machen, und können gar nicht aufhören. Da habe ich mit so manchem männlichen Fußballer ganz andere Dinge erlebt.

Werder überwintert in der zweiten Liga als Dritter mit einem Spiel und vier Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Lübars. Wie beurteilen Sie den Saisonverlauf?

Bis jetzt lief es eigentlich sehr gut, bis auf die letzten beiden Spiele (2:5 in Bochum, 2:0 gegen Kiel, Anm. der Red.). In Bochum gab’s einige unglückliche Entscheidungen. Aber wir haben aus diesem Spiel gelernt, dass wir uns auch wehren müssen. Nicht zufrieden bin ich mit den vielen Gegentoren. Wir sind nicht in der Lage, ein 1:0 über die Zeit zu bringen. Dabei werden die Gegentore selten herausgespielt, sondern fallen nach individuellen Fehlern.

Was ist noch drin für die Mannschaft in dieser Spielzeit?

Unser Ziel ist der Aufstieg. Es ist ja eigentlich nur ein Punkt, der uns von Lübars trennt. Wenn wir den Auftakt in Cloppenburg gewinnen, geht es zum Tabellenführer. Aber selbst wenn wir dieses Spiel nicht für uns entscheiden sollten, ist noch alles drin. In der Rückrunde kommt mit Maren Wallenhorst eine weitere erfahrene Spielerin zurück, und außerdem sind wir in den vergangenen Jahren nach der Winterpause immer stärker gewesen. Wenn es einigermaßen läuft, sehe ich kein Problem. Die Mannschaft ist heiß und leistungsbereit.

Und wenn der Aufstieg gelingen sollte, sitzen Sie in der Bundesliga auf der Bank?

Das weiß ich noch nicht. Dann muss man noch mehr investieren, und ich bin ja eigentlich in einem Alter, in dem man langsam aufhören sollte. Mal sehen.

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