Ira Marth gefällt es, beim Großfeld-Regionalligisten TSV Lesum-Burgdamm in einer gemischten Mannschaft Floorball zu spielen Manchmal fliegen die Jungs über die Bande

Lesum. Auch wenn der Floorball in seinem ursprünglichen Namen Unihockey explizit darauf hingewiesen hatte, dass es sich um einen Unisex-Sport handelt, also um einen solchen, den beide Geschlechter gleichermaßen ausführen können, so sind die Männer zumindest in den höheren Großfeld-Ligen weitestgehend unter sich. Der TSV Lesum-Burgdamm verfügt mit Ira Marth und Lara Borsdorf aber über zwei Spielerinnen, die in der Großfeld-Regionalliga auflaufen.
21.01.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Lesum. Auch wenn der Floorball in seinem ursprünglichen Namen Unihockey explizit darauf hingewiesen hatte, dass es sich um einen Unisex-Sport handelt, also um einen solchen, den beide Geschlechter gleichermaßen ausführen können, so sind die Männer zumindest in den höheren Großfeld-Ligen weitestgehend unter sich. Der TSV Lesum-Burgdamm verfügt mit Ira Marth und Lara Borsdorf aber über zwei Spielerinnen, die in der Großfeld-Regionalliga auflaufen.

Durch eine langwierige Knieverletzung von Lara Borsdorf vertrat Ira Marth ihre Farben jedoch einige Zeit als einziges weibliches Mitglied. Die 17-Jährige genießt ihren Status unter lauter Männern in vollen Zügen. „Die Jungs finden es super, wenn sie weibliche Mitspieler haben. Ich werde gerade außerhalb des Platzes auf Händen getragen“, versichert die Schülerin.

Gerade ein ganz spezieller Akteur trägt sie besonders auf Händen: Ihr Freund und Mitspieler Lasse Johannsen. Auf dem Feld gebe es bei den überwiegend männlichen Gegenspielern zwei Kategorien. Eine Gruppe nehme keinerlei Rücksicht auf das Geschlecht der Spieler, betont Marth. Diese würden sie genauso gegen eine Bande checken, wie sie es mit männlichen Konkurrenten auch machen würden. „Die schubsen mich auch schon mal gegen die Bande und laufen weiter als wäre nichts gewesen“, beschreibt die Youngsterin. Andere Gegenspieler nähmen dagegen Rücksicht auf einen weiblichen Widerpart. Diesen Vorteil mache sich Ira Marth aber nur allzu gerne zunutze: „Dann lasse ich meinen Gegenspieler auch mal über die Bande fliegen.“

Ihre Floorball-Karriere begann die in Ritterhude wohnhafte Sportlerin mit zwölf Jahren. Eine Freundin hatte sie mit zum Training bei der TuSG Ritterhude genommen. „Der Sport hat mir auch gleich gefallen“, erinnert sich Ira Marth. Nachdem sich das Ritterhuder Team wieder aufgelöst hatte, legte sie zunächst eine Pause von einem Jahr ein. Dann lotste sie ihre Mitschülerin Lara Borsdorf zum TSV Lesum-Burgdamm. Für diesen Verein läuft sie inzwischen seit etwa eineinhalb Jahren auf. In der Nachwuchs-Formation belegt sie stets einen Platz im guten Mittelfeld der Kleinfeld-Verbandsliga der Jungen. Mittlerweile wirkt sie aber eben auch in der Großfeld-Regionalliga der Erwachsenen mit. Dabei hatten die Nordbremer den Aufstieg in die Regionalliga eigentlich um ein einziges Tor verpasst. Doch weil zu wenige Teams für die Verbandsliga gemeldet worden waren, wurden die beiden Ligen kurzerhand zur Jamasi-Regionalliga Nordwest zusammengelegt. Aber auch wenn es sich hierbei um eine Regionalliga der Herren handelt, dürfen eben auch Lara Borsdorf und Ira Marth mitspielen. Am Training nimmt mit Kim Bollwinkel auch noch ab und zu eine dritte junge Frau teil.

In der Regionalliga ist aber erst einmal kein Platz im Spitzenfeld drin. „In der Regionalliga befinden sich ein paar gute Teams, die viel mehr trainieren als wir und den Sieg auch noch wesentlich mehr möchten“, berichtet die Gymnasiastin. Die Nordbremer dürften aber dennoch stark genug sein, um zumindest den Klassenerhalt zu realisieren. „Viel mehr werden wir wohl aber auch nicht reißen. Wir wollen uns erst einmal nur in der Regionalliga behaupten“, sagt Ira Marth. Der Angriff auf die 2. Bundesliga sei zumindest vorerst kein Thema.

In zahlreichen Mannschaften findet gerade ein Generationswechsel statt. „Viele schon etwas ältere Herren haben keine Lust mehr zu spielen. Dafür rücken aber wir jungen Spieler nach“, erklärt Marth. Auch beim TSV Lesum habe gerade ein starker Verjüngungsprozess stattgefunden. Die meisten seien zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Am liebsten läuft Ira Marth auf der Verteidiger-Position auf. „Da fühle ich mich am wohlsten. Aber bei uns wechseln die Positionen sowieso häufig. Ständig sprinten wir das Feld rauf und runter. Deshalb wird man auch innerhalb von nur zwei oder drei Sekunden vom Abwehrspieler zum Stürmer“, teilt die Ritterhuderin mit. Während der Einstieg in den Sport den meisten leicht falle, so brauche man aber schon ein paar Jahre, um den Sport auch so richtig gut hinzubekommen, sagt Ira Marth. Floorball gefalle ihr auch besser als zum Beispiel Feldhockey. „Mal davon abgesehen, dass ich gar nicht wüsste, welcher Mannschaft ich mich da anschließen könnte, würde mich beim Feldhockey stören, nur eine Auslegerseite beim Schläger zu haben. Beim Floorball hat man da eine ganz andere Kontrolle über den Ball“, erklärt die junge Sportlerin.

Eishockey könne sie zudem nur außerhalb Bremen-Nords ausüben. „Das wäre mir auch zu weit. Ich fahre ja jetzt schon immer 30 Minuten mit dem Fahrrad zum Training“, gibt Marth zu bedenken. Viel Zeit für andere Hobbys bleibe ihr bei drei- bis viermal Training in der Woche nicht. „Ich spiele zwischendurch noch Klavier, aber nur für mich selbst“, sagt die 17-Jährige. Aber auch ihr Freund Lasse Johannsen, den sie beim Floorball kennenlernte, solle nicht zu kurz kommen. Ansonsten nähmen aber auch die Abi­turvorbereitungen viel Zeit in Anspruch. Marth besucht das berufliche Gymnasium des Schulzentrums an der Alwin-Lonke-Straße und hat Gestaltung und Mathematik als Leistungsfächer. „Sport und Kunst wären mir zwar lieber gewesen. Das ging aber nicht“, sagt die Zwölftklässlerin. Auf eine reine Frauen-Mannschaft im Floorball wie die des TV Lilienthal habe Ira Marth übrigens keine Lust: „Ich finde es besser, mit Jungs zu spielen.“

„Ich werde gerade außerhalb des Platzes auf Händen getragen.“ Ira Marth
„Wir wollen uns erst einmal nur in der Regionalliga behaupten.“ Ira Marth
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