Hoffnungen der Bundesliga (2): Markus Kauczinski will Ingolstadt verändern Mann mit Stil

Ingolstadt. Als Markus Kauczinski noch Trainer beim Karlsruher SC war, hat er einmal seine in der Branche eher seltene Fähigkeit zur Selbstironie gezeigt. In einem Interview mit spox.
05.08.2016, 00:00
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Von Maik Rosner

Ingolstadt. Als Markus Kauczinski noch Trainer beim Karlsruher SC war, hat er einmal seine in der Branche eher seltene Fähigkeit zur Selbstironie gezeigt. In einem Interview mit spox.com im April war das, und es ging um einem Beitrag des Fußballmagazins „11Freunde“, das Kauczinski mit den Worten „geile Frise, geiler Style, geiler Typ“ beschrieben hatte. „Bei der Frisur bin ich mir nicht sicher, die Haare gehen ja auch langsam aus“, sagte Kauczinski dazu.

Ansonsten? Passt er zum Klischee? Obwohl er aus Gelsenkirchen stamme, sei er weder der Kumpel aus dem Ruhrgebiet noch der Malocher und sehe sich selbst „eher als Gefühlsmensch“. Und außerdem sei ein Mensch in seiner Vielseitigkeit nicht mit wenigen Schlagworten zu beschreiben. „Für die einen bin ich ein geiler Typ, für die anderen eine Nervensäge“, sagte Kauczinski. Er selbst verortet sich irgendwo dazwischen, und zwar mit einigen Facetten.

So differenziert, wie der 46-Jährige denkt, will er nun auch beim FC Ingolstadt seine Ideen vom Fußball lehren. Nach 15 Jahren beim KSC hat er in diesem Sommer bei den Oberbayern die Nachfolge des Österreichers Ralph Hasenhüttl angetreten, der sich nach Platz elf in der Premierensaison in der Bundesliga zu RB Leipzig verabschiedete. Den erfolgreichen Pressing-Stil des Kollegen lobt Kauczinski immer wieder ausdrücklich. Doch zu erkennen ist auch, dass er mehr Ballbesitz wagen und flexibler spielen
lassen will.

Der neue FCI-Trainer sagt es so: „Die Mannschaft war im vergangenen Jahr sehr erfolgreich mit einer gewissen Spielweise. Von daher ist die Idee schon, dass man den Kern des Ganzen beibehält. Aber natürlich bin ich ein anderer Trainer und es gibt auch Potenzial, Dinge zu verändern.“ Oder so: „Wir wollen aktiv sein, den Gegner nach wie vor unter Druck setzen. Aber mit Sicherheit werden wir uns Alternativen überlegen. Ich glaube, dass es schon angebracht ist, flexibel sein zu können.“ Nicht in die Fußstapfen des Vorgängers will er treten, sondern eigene hinterlassen, das ist die Botschaft.

Da trifft es sich gut, dass zu Kauczinskis alten Bekannten beim FCI der Schlüsselspieler Pascal Groß gehört. Schon beim KSC hatte der Mittelfeldakteur mit dem Fußballlehrer zu tun, und Groß hat schon einmal Gefallen bekundet für die neuen Ideen, die nun eingebracht werden. „Jeder Fußballer hat gerne den Ball“, sagt Groß.

Das dürfte besonders für ihn, den technisch versierten Kicker gelten, der nach dem Aufstieg in die Bundesliga auch positions- und stilbedingt nicht mehr so markant in Erscheinung treten konnte wie noch zuvor in der zweiten Liga. Damals waren ihm sieben Tore und 22 Vorlagen geglückt. In Liga eins schwanden Spielanteile, viele lang geschlagene Bälle flogen über Groß hinweg, nur ein Tor und sechs Vorlagen kamen zusammen. Wenn nun das spielerische Element wieder mehr Gewicht erhält und sich
der Ballbesitz erhöht, könnte Groß mit seinen Fähigkeiten profitieren. Auch als Schütze von Standards, eine Spezialität des 25-Jährigen.

Für seine Vertragsverlängerung bis 2019 habe Kauczinskis Verpflichtung eine „wichtige Rolle“ gespielt. „Ich wollte ein Zeichen setzen, dass ich an unseren Verein glaube“, sagt Groß, „ich will hier als Leistungsträger weiter wachsen.“ Durch Kauczinskis Impulse sieht er dafür gute Voraussetzungen. Wie offenbar auch Kapitän Marvin Matip und der mit zwölf Toren beste Torschütze der Vorsaison, Moritz Hartmann, zugleich dienstältester Profi der Ingolstädter. Beide Leistungsträger verlängerten ebenfalls.

Allerdings muss der FCI die Abgänge der wichtigen Stützen Ramazan Özcan (Torwart, Bayer Leverkusen) und Benjamin Hübner (Innenverteidiger, TSG Hoffenheim) verkraften. Von den Zugängen ist Sonny Kittel der bekannteste. Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler und ehemalige Juniorennationalspieler kam von Eintracht Frankfurt und hofft, dass er anders als in der Vergangenheit von schweren Verletzungen verschont bleibt. Dann könnten sich seine Fähigkeiten mit denen von Groß gut ergänzen.

Kauczinski ist froh, dass er sie anleiten darf. Und dass Leistungsträger wie Groß „daran glauben, dass der Weg noch nicht vorbei und in der Mannschaft noch viel Potenzial steckt“. Dieses auszureizen sieht Kauczinski als seine Aufgabe an, um „gemeinsam den nächsten Schritt“ zu vollziehen, wie er es ausdrückt. Er findet, dass er als Erstliga-Neuling mit eigenen Ideen gut zu dieser Herausforderung passt. Und vielleicht auch als unaufgeregter Typ, der darüber lachen kann, dass ihm die Haare langsam ausgehen.

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