Erstmals im Halbfinale „Traum“: Marias Wimbledon-Märchen geht mit Sieg über Niemeier weiter

Tatjana Maria gewinnt das deutsche Wimbledon-Viertelfinale in einem Drei-Satz-Krimi gegen Jule Niemeier. Die 34-Jährige ist nur noch zwei Siege vom Sensationstriumph entfernt.
05.07.2022, 18:10
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Tatjana Maria bejubelte ihr nächstes Wimbledon-Märchen mit Freudentränen in den Augen und dachte gerührt an die Geburt ihrer zweiten Tochter vor erst 15 Monaten. Jule Niemeier formte zum Abschied nach einer innigen Umarmung mit der Siegerin im deutschen Viertelfinale mit ihren Händen ein Herz. An einem deutschen Tennis-Feiertag mit großen Emotionen setzte die 34 Jahre alte Maria ihren beeindruckenden Lauf fort und beendete den großen Traum ihrer zwölf Jahre jüngeren Gegnerin. Die zweifache Mutter gewann am Dienstag in 2:17 Stunden einen Krimi mit 4:6, 6:2, 7:5 und erreichte erstmals in ihrer Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier das Halbfinale. Nur zwei Siege fehlen ihr noch zum Sensationstitel.

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„Ich habe überall Gänsehaut. Es war so ein schweres Match gegen Jule“, schwärmte Maria unter dem Jubel der Zuschauer. „Heute haben wir Deutschland wirklich stolz gemacht.“ Die lange Umarmung am Netz nach ihrem Sieg war dabei auch Zeichen des gegenseitigen Respekts. „Ich hätte sie am liebsten gar nicht mehr losgelassen“, sagte Maria lachend bei Sky. „Sie war super, sie hat sich wirklich für mich gefreut. Wir können stolz sein, dass wir so ein Match gespielt haben für Deutschland.“

Maria kassiert für ihren Erfolg umgerechnet 622 000 Euro und trifft nun auf die Siegerin der Partie zwischen der Weltranglisten-Zweiten Ons Jabeur aus Tunesien und Marie Bouzkova aus Tschechien. Sie ist nach den früheren Siegerinnen Steffi Graf und Angelique Kerber sowie Sabine Lisicki, Julia Görges und Bettina Bunge die erst sechste deutsche Halbfinalistin in der Geschichte des Profi-Tennis in Wimbledon. „Es ist ein Traum, das mit meiner Familie und meinen zwei kleinen Töchter zu leben“, sagte Maria und erinnerte an die Geburt von Cecilia Anfang April 2021. „Vor gut einem Jahr habe ich entbunden. Es ist verrückt.“

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Einige Schritte hinter ihrer Bundesliga-Kollegin des TC Bredeney aus Essen ging Maria vor Spielbeginn auf Court 1, beide mit konzentriertem Blick. Lächelnd posierten sie beim gemeinsamen Foto am Netz. Beim letzten Schluck aus der Wasserflasche auf der Bank klopfte Niemeier auf die Handtücher an ihrer Seite, grinste in Richtung ihres Anhangs und erwischte einen Traumstart.

Mit ihrer kräftigen Vorhand setzte sie Maria früh unter Druck und nahm der Gegnerin direkt den Aufschlag ab. Als beste Returnspielerin des bisherigen Turniers hatte Niemeier schon zuvor in mehr als der Hälfte der Fälle ein Break geschafft.

Mit Angriffslust attackierte auch Maria am Netz und kämpfte sich langsam in die Partie. Die 34-Jährige hatte auch vor dem Match auf ihre normale Wimbledon-Routine gesetzt: Um halb neun stand zunächst das Training für die achtjährige Tochter Charlotte an, bevor sich Maria mit ihrem Ehemann und Trainer Charles-Edouard selbst warm spielte. „Ich habe meine zwei Kinder, diese Ablenkung tut mir gut. Alles ist normal bei uns, nichts hat sich geändert“, sagte sie kurz vor dem Spiel bei Sky und berichtete von einem entspannten Verhältnis zu ihrer Kontrahentin: „Wir gehen auf den Platz, wollen beide gewinnen und werden alles geben. Und danach ist auch wieder okay.“

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Beide Spielerinnen blieben im weiteren Verlauf des ersten Durchgangs stabil bei eigenem Aufschlag. Niemeier sicherte sich nach nur 43 Minuten durch einen Returnfehler von Maria den Auftaktsatz.

Niemeier blieb dran. Vier Breakbälle erarbeitete sich der Fan von Borussia Dortmund im ersten Aufschlagspiel Marias - und schaffte per perfekt platziertem Rückhand-Passierball das 1:0. Mehrfach hatte sich Dauerläuferin Maria in diesem Turnier aus ausweglosen Situationen befreit und zeigte erneut ihr Kämpferherz. Per Volley im Knien schaffte sie den Ausgleich, ihr Mann auf der Tribüne jubelte. Auch unterstützt von mehreren Doppelfehlern und leichten Patzern Niemeiers übernahm Maria das Kommando, führte schnell 4:1. Der Satzball geriet spektakulär: Niemeier schlug den Ball im Rückwärtslaufen durch die Beine, Maria verwandelte per Volley eiskalt.

Es wurde ein Krimi. Niemeier breakte im entscheidenden Satz zum 3:2, blieb aber zu passiv und musste nach einem leichten Volleyfehler das 4:4 hinnehmen. Plötzlich war Maria wieder obenauf, zwei Punkte fehlten zum Matchgewinn, Niemeier blieb nervenstark und trieb das Publikum an. Nach einem unfassbar umkämpften Ball beim Stand von 5:5 mit besserem Ende für Maria erhoben sich zahlreiche Fans - und bejubelten wenig später die Siegerin.

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