Deutsche Hallen-Meisterschaft

Max fehlt das Fluggefühl

Mit großen Hoffnungen war Mareike Max zur Hallen-DM nach Leipzig gereist, doch dann das: Der Werder-Hochspringerin fehlte das Fluggefühl – sie übersprang lediglich 1,70 Meter und schied frühzeitig aus.
17.02.2019, 19:51
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Max fehlt das Fluggefühl
Von Olaf Dorow
Max fehlt das Fluggefühl

Die Brücke passt nicht: Werders Hochspringerin Mareike Max scheiterte in Leipzig bereits an 1,75 Meter.

Ralf Görlitz

Leipzig. Gute anderthalb Stunden dauerte der Hochsprung-Wettkampf von Leipzig. Für Mareike Max war er jedoch bereits nach einer Viertelstunde vorbei. Sie war ausgeschieden, bevor die spätere Siegerin überhaupt in den Wettkampf eingegriffen hatte. Die spätere Siegerin dieser Deutschen Hallen-Meisterschaften hatte in der Arena Leipzig für euphorischen Jubel bei dieser Sonntagveranstaltung gesorgt. 1,96 Meter hatte Imke Onnen, die für Hannover 96 antritt, überquert. So hoch war sie noch nie gekommen in der Halle.

Für die Werder-Athletin Mareike Max endeten die Titelkämpfe in Sachsen komplett konträr: So schlecht hatte sie noch nie abgeschnitten bei einer Meisterschaft. Sie gilt als Wettkampftyp, als Meisterschaftsspringerin. Sie hat trotz ihrer erst 20 Jahre schon sehr erfolgreiche Meisterschaften bestritten, national wie international. Doch am Sonntag ging kaum etwas. Sie überflog ihre Anfangshöhe von 1,70 Meter im zweiten Versuch und scheiterte dreimal an 1,75 Meter. Damit landete sie im Feld der 13 Hochspringerinnen auf dem letzten, auf dem dann geteilten zwölften Platz.

„Ich bin gar nicht so großartig enttäuscht“, sagte sie anschließend. Was nicht mit einer Ist-doch-egal-Trallala-Reaktion zu verwechseln wäre. Dass diese Winter-Saison nicht ihre Winter-Saison werden würde, hatte sich längst angedeutet. Seit Längerem plagt sie sich mit zunehmenden Fußbeschwerden herum, es ist der rechte Problemfuß, der nach der Sommer-Saison ein drittes Mal operiert werden soll. Ein Probetraining hatte sie am Sonnabend nach einigen Koordinationsübungen abbrechen müssen. Und als sie am Sonntag beim Einspringen Matte und Latte entgegenlief, hatte sich der Schmerz im Sprunggelenk auch wieder gemeldet.

Im Wettkampf war dann zwar genügend Adrenalin im Körper, da habe sie den Fußschmerz komplett ausblenden können, sagt Mareike Max. Der Wettkampf wurde aber nix. Fuß hin oder her, sie wolle das nicht alles auf das Fußproblem schieben. Wie sehr es, wenn auch nur indirekt, ein anderes, ein größeres Problem beeinflusst hat, kann ohnehin niemand sagen. Das größere Problem: der Flug über die Latte. „Ich habe meine Sprünge auf der Videoleinwand gesehen“, sagt Mareike Max, „über der Latte breche ich total ein.“ Die sogenannte Brücke. 2016 habe sie die am besten gehalten, erzählt die Springerin, da hatte sie 1,85 Meter überquert. Aber in dieser Saison klappt das mit der Brücke überhaupt nicht. „Das nervt mich mehr als der Fuß“, gibt Mareike Max zu. Sie springe ab, „und dann lande ich sofort“, sagt sie. Kein Fluggefühl stellt sich ein, ein Gefühl für eine gute Brücke über der Latte schon mal gar nicht.

„Das ist superfrustrierend“, sagt sie. Weil sie an dem Verhalten in der Luft, von dem sie ja wisse, dass sie es anders machen müsste, nichts ändern könne. Sport, so viel Spaß er jemandem wie Mareike Max auch macht, kann sehr frustrierend sein. Dem Körper zu sagen, dass er bitteschön endlich mal eine gute Brücke machen soll, funktioniert halt nicht im Sport. Im Sport geht viel über den Willen, und vieles geht trotz größter Willensanstrengung trotzdem nicht.

Es spricht für den Sportsgeist von Mareike Max, dass sie sich nach ihrem frühen Aus im Leipziger Wettkampf nicht als Trauerkloß an den Rand gesetzt hat. „Ich musste mich kurz sammeln, aber dann konnte ich den Wettkampf genießen“, sagt sie. Sie feuerte die anderen Springerinnen an, sie machte mit beim rhythmischen Klatschen des Publikums, mit dem das Publikum auch ihre Versuche begleitet hatte. Ganz dicht dran durfte sie nach circa der Hälfte des Wettkampfes allerdings nicht mehr sein. Gemeinsam mit weiteren ausgeschiedenen Hochspringerinnen musste sie den Innenraum der Arena verlassen. Das sei ihr so noch nicht passiert, erzählt sie. Normalerweise zähle sie ja zu den letzten Athletinnen, die sich noch im Wettbewerb befinden.

Nun hat Mareike Max beim lange vorbereiteten Höhepunkt der Winter-Saison die Erfahrung einer deutlichen Niederlage machen müssen. Mental ist sie allemal stark genug, damit umzugehen, das darf man getrost annehmen. Inwieweit ihr Körper ihr wie erhofft folgt in der im März beginnenden Vorbereitung auf die Sommer-Saison, muss sich dann zeigen.

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Zur Sache

Linne läuft persönliche Bestzeit

Er wurde zum Bremer Lichtblick bei der Deutschen Meisterschaft in Leipzig. Werder-Sprinter Fabian Linne stellte sein großes Talent unter Beweis – und mit 21,40 Sekunden im Vorlauf über 200 Meter eine neue Hallen-Bestzeit auf. Damit hatte sich der 18-jährige Abiturient für die Finalläufe qualifiziert, die als Zeitläufe ausgetragen wurden. Im Finale rannte der Schützling von Werder-Trainer Andriy Wornat 21,51 Sekunden, das bedeutete am Ende Rang sieben. „In der zweiten Kurve bin ich im Finale aus dem Rhythmus gekommen, sonst wäre es vielleicht noch schneller als 21,4 geworden“, sagte Fabian Linne. „Man kann noch so viel verbessern“, sagte Trainer Wornat, der seinem Athleten dennoch zu einer enormen Leistungssteigerung gratulieren konnte. Werders 200-Meter-Läuferin Sandra Dinkeldein blieb in 25,05 Sekunden deutlich über ihrer Bestzeit.

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