Hoffnungen der Bundesliga (15): Nationalspieler Jonas Hector lässt den 1. FC Köln an bessere Zeiten glauben

Maximal vernünftig

Köln. Eine kleine Spitze konnte Jörg Schmadtke sich nicht verkneifen, als er sich am vorigen Sonnabend einen Moment des Triumphs gönnte. „Einige meckern ja rum, dass wir zu wenige Spieler verpflichtet hätten, aber ganz untätig war ich nicht”, sagte der Sportdirektor des 1.
18.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Theweleit
Maximal vernünftig

Schön hier: Jonas Hector hat sich ohne Ausstiegsklausel bis 2021 an den 1. FC Köln gebunden – obwohl er von größeren Klubs umworben war.

imago sportfotodienst, imago/Eduard Bopp

Köln. Eine kleine Spitze konnte Jörg Schmadtke sich nicht verkneifen, als er sich am vorigen Sonnabend einen Moment des Triumphs gönnte. „Einige meckern ja rum, dass wir zu wenige Spieler verpflichtet hätten, aber ganz untätig war ich nicht”, sagte der Sportdirektor des 1. FC Köln am Ende seines Auftrittes bei der offiziellen Saisoneröffnung – und verkündete dann unter dem Jubel des Anhangs: „Damit nicht der Eindruck entsteht, wir seien vollkommen untätig, haben wir die Verträge mit Jonas Hector und Leonardo Bittencourt bis 2021 verlängert.” Dann verschwand Schmadtke und ließ die Leute allein mit ihrem Glück. Denn natürlich war den Anwesenden klar, dass Hectors Entschluss, sich ohne Ausstiegsklausel für fünf weitere Jahre an den FC zu binden, eine kleine Sensation ist.

Seit der EM gibt es immer wieder ernst zu nehmende Avancen an den deutschen Nationalspieler, selbst nach der Erneuerung des Kontraktes berichtete die „Daily Mail“, der FC Chelsea sei bereit, 23 Millionen Euro für Hector zu bezahlen. Zuvor hatte schon der FC Barcelona sein Interesse hinterlegt, das berichteten jedenfalls spanische Medien, und weder Hector noch Schmadtke haben diesen Nachrichten widersprochen. Der bodenständige Saarländer aber entschied sich für Köln, wo er seinen Stammplatz sicher hat und an dessen Zukunft er ganz offenbar glaubt. „Ich bin total gerne Teil dieser Mannschaft und fühle mich hier einfach wohl. Für mich passt alles, deswegen ist eine Vertragsverlängerung ja ein logischer Schritt”, erklärte Hector, der nicht nur fußballerisch, sondern auch mit seinem Charakter eine perfekte Symbolfigur für den FC der Gegenwart ist: besonnen, leistungsstark, beharrlich und geradezu erschreckend realistisch in der Selbsteinschätzung.

Denn den Verlockungen vom Gipfel des Weltfußballs hätten nicht viele Kollegen widerstanden. Aber Hector ahnt wohl, dass er besser nach Köln passt, wo die Champions League zwar kein Thema ist, wo man aber vorsichtig neue Zielsetzungen entwirft. In den beiden ersten Bundesliga-Jahren unter dem Trainer Peter Stöger ging es noch allein um den Verbleib in der Liga, nun haben die Spieler in Kleingruppen an der Formulierung neuer Ambitionen gearbeitet.

Einerseits will die Mannschaft ihrem Publikum nach vielen eher grauen Heimspielnachmittagen der Vorsaison ein wenig mehr Offensivspektakel bieten. Zum anderen wolle man „die letzte Saison bestätigen, das heißt Platz neun halten, verteidigen, eventuell sogar verbessern, wenn alles passt”, verkündete Kapitän Matthias Lehmann nach vollendeter Gruppenarbeit. Wobei natürlich viele Kölner hoffen, dass die Politik des besonnenen Fortschritts, die der Klub verfolgt, eines Tages mit einem Sensationsjahr belohnt wird. Ähnlich aufgestellte Konkurrenten wie Augsburg, Berlin oder Mainz haben das schließlich auch schon hinbekommen. Irgendwann ergebe sich diese Chance, „und wenn das Momentum da ist, muss man es nutzen”, sagte Stöger vor einigen Tagen.

Verteidiger Dominik Heintz glaubt sogar, dass der Sprung in die Europa League schon in der vorigen Saison möglich gewesen wäre, wenn die Kölner nicht unter so vielen gravierenden Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zu leiden gehabt hätten. Und Stöger findet, dass seine Mannschaft personell „insgesamt besser aufgestellt” sei als in der vorigen Saison. Zwar haben den Klub mit Kevin Vogt (Hoffenheim) und Yannick Gerhardt (Wolfsburg) zwei Spieler verlassen, die recht häufig zum Einsatz kamen, aber mit Artjoms Rudnevs (vom Hamburger SV), Marco Höger (Schalke), Konstantin Rausch (Darmstadt) und Sehrou Guirassy (OSC Lille) wurde der Kader ebenso schlüssig wie behutsam aufgefrischt. Besonders Rudnevs hinterließ in der Vorbereitung einen hervorragenden Eindruck als Sturmpartner von Anthony Modeste.

Die ganz großen Millionensummen haben die Kölner mit ihren Transfers allerdings nicht bewegt; Einnahmen von 14,5 Millionen Euro stehen Ausgaben von gerade mal 5,2 Millionen Euro gegenüber. Das ist nicht viel für einen Klub, der gerade erstmals über 100 Millionen Euro Umsatz gemacht hat. Aber für kleinere oder mittelgroße Bundesligisten wie den 1. FC Köln sei es „gefährlich”, den Wahnsinn mitzumachen, der auf dem Transfermarkt ausgebrochen ist, sagte Schmadtke, der jenseits des Tagesgeschäfts immer noch damit beschäftigt ist, den Schuldenberg von weiterhin knapp 20 Millionen Euro aus der finsteren Ära des Ex-Präsidenten Wolfgang Overath abzutragen.

Dieser Weg der maximalen Vernunft mag der lokalen Mentalität widersprechen, aber die Anerkennung, die die Fans für die Veränderungen der vergangenen Jahre bekommen haben, hat Stolz erzeugt. Das ist ein wichtiger Faktor in dieser Stadt.

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