Der Bremer Karateka Wolf-Dieter Wichmann ist mit dem neunten Dan ausgezeichnet worden

Mehr geht nicht

Bremen. Man kennt solche Ehrungen von der Verleihung des „Bambi“ oder der „Goldenen Kamera“: Gegen Ende der Fernseh-Gala wird zuweilen ein Künstler auch noch für sein Lebenswerk ausgezeichnet, als Anerkennung für viele erfolgreiche Jahrzehnte im Dienste der Kunst. Weniger bekannt ist: So etwas gibt es auch im Sport.
12.12.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Heinz Fricke
Mehr geht nicht

Zum Fliegen brauchen die meisten 68-Jährigen technische Hilfe. Rolf-Dieter Wichmann nicht.

Frank Thomas Koch

Bremen. Man kennt solche Ehrungen von der Verleihung des „Bambi“ oder der „Goldenen Kamera“: Gegen Ende der Fernseh-Gala wird zuweilen ein Künstler auch noch für sein Lebenswerk ausgezeichnet, als Anerkennung für viele erfolgreiche Jahrzehnte im Dienste der Kunst. Weniger bekannt ist: So etwas gibt es auch im Sport. Der Bremer Karate-Kämpfer Wolf-Dieter Wichmann kann es bestätigen, denn ihm wurde Ende November auf der Hauptversammlung des deutschen Karate-Bundes der neunte Dan-Grad verliehen. Das ist eine weltweit höchst seltene Ehrung, der – im Gegensatz zu allen anderen Dan-Auszeichnungen – keine Prüfung mehr vorausgeht. „Damit wurde letztlich die überragende Lebensleistung von Wolf-Dieter in unserem Sport gewürdigt“, sagt Reiner Zimbalski, der es beurteilen kann: Er ist seit etlichen Jahren Präsident des Bremer Karate-Bundes, war im November 2014 Organisationschef der viel gelobten Karate-Weltmeisterschaft in Bremen. Er hat vor einigen Monaten die Ehrung beantragt; sie wurde von der Bundesversammlung nahezu einhellig bestätigt.

Wolf-Dieter Wichmann ist im Deutschen Karate-Bund damit eins von nur zwei Mitgliedern, die auf diese Weise ausgezeichnet wurden: Bernd Milner, Stilrichtungs-Referent des Karate-Bundes, besitzt ebenfalls den neunten Dan. Damit haben beide die höchste Ehrungsstufe erreicht, die in ihrem Sport zu Lebzeiten möglich ist. Denn es gibt zwar auch noch einen zehten Dan. „Aber der wird nur nach dem Tode verliehen“, erklärt Wichmann.

Davon sollte der Bremer jedoch noch weit entfernt sein. Denn er ist zwar 68 Jahre alt, aber unverändert aktiv. Gleich dreimal die Woche steht er im Dojo, unterrichtet seine Schüler im Bremer Budo-Club gleich an drei verschiedenen Schauplätzen in der ursprünglichsten Form der asiatischen Kampfkunst. Bei Wichmann wird die traditionelle Form des Karate gelehrt, ohne Körperkontakt. Sie firmiert unter dem Begriff Shotokan-Karate. „Bei den Meisterschaften tragen die Kämpfer heute Faustschutz, man bremst die Schläge nicht in letzter Sekunde ab wie bei uns“, belehrt Wichmann.

Kaum einer seiner Schüler nimmt an Wettkämpfen teil; Training und Vervollkommnung der Technik stehen im Vordergrund. Doch der Verzicht auf Siege und Preise ist für sie kein Problem. „Wir brauchen keine Pokale„, sagt einer seiner Schützlinge. “Unser Erfolg ist es, dass wir zu Karate gefunden haben.“

Eigentlich wollte Wolf-Dieter Wichmann Sportlehrer werden. Die Voraussetzungen dafür schuf er mit einem exzellenten Examen an der Sporthochschule in Köln. Nebenbei turnte Wichmann viel, doch das passte angesichts seines Wachstums bis auf heute 1,83 Meter irgendwann nicht mehr. Später versuchte Wichmann sich durchaus erfolgreich im Schwimmen und Fechten. Heute spielt Wichmann noch einmal in der Woche Tennis, und zwar recht ordentlich. Eine Skilehrer-Prüfung hat er auch mal abgelegt.

Doch der entscheidende Tag für Wolf-Dieter Wichmann war der Tag, an dem ein Freund ihn zum Karate mitnahm. Von diesem Tag an war Wichmanns sportlicher Lebensweg vorgezeichnet. „Die gesamte Disziplin, die Geisteshaltung, der Respekt untereinander – das alles hat mich sofort fasziniert“, erinnert er sich. Schon drei Jahre später stand Wichmann erstmals in der Karate-Nationalmannschaft, deren Kapitän er später viele Jahre lang war. Und die Erfolge häuften sich: Drei Vizeweltmeisterschaften (1975, 1977 und 1980) mit der deutschen Mannschaft stehen ganz oben in seiner Bilanz. „Verloren haben wir immer nur gegen die Japaner“, erzählt er.

Wichmanns Wettkampfzeit liegt inzwischen etliche Jahre zurück, eine Autorität in der Karate-Welt ist er aber immer noch. Das zeigt sich nahezu wöchentlich, denn Wichmann ist nach wie vor zu Lehrgängen und Vorträgen im gesamten Bundesgebiet unterwegs. „Wolf-Dieter ist das Beste, was einem Karate-Schüler passieren kann“, sagt Erik Roßbander, profilierter Schauspieler und Regisseur der Bremer Shakespeare-Company. Und außerdem Vorsitzender des Wichmann-Vereins Budokan Bremen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+