Mit dem 2:1-Sieg in Ingolstadt gewinnt der FC Bayern seinen vierten Ligatitel in Folge Meister der Gesten

Ingolstadt. Pep Guardiola ging es nun vor allem um Gesten, rund eine Stunde nach seinem dritten Meistertitel mit dem FC Bayern und dem vierten des Vereins in Folge. Doch nicht diese erstmals in der Liga-Geschichte aufgestellte Serie hatte für den Trainer herausgehobene Bedeutung.
08.05.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maik Rosner

Pep Guardiola ging es nun vor allem um Gesten, rund eine Stunde nach seinem dritten Meistertitel mit dem FC Bayern und dem vierten des Vereins in Folge. Doch nicht diese erstmals in der Liga-Geschichte aufgestellte Serie hatte für den Trainer herausgehobene Bedeutung. Sondern vielmehr, nach der routinierten Kurzfeier auf dem Rasen weithin vernehmbar seinen Dank zu zeigen für all jene, die daran beteiligt waren.

Viele Komplimente hatte der Katalane nach dem 2:1 (2:1)-Sieg beim FC Ingolstadt bereits aneinandergereiht, angefangen gar für seinen ebenfalls emotional angefassten Ingolstädter Kollegen Ralph Hasenhüttl, für den es das letzte Heimspiel im Sportpark war, weil er in der kommenden Saison das Traineramt bei RB Leipzig übernehmen wird. Guardiola setzte seine Rede voller Komplimente fort, für den FC Bayern, die Spieler, Fans und ebenso für Borussia Dortmund, die die Münchner so beharrlich gefordert hatte. Seine ihm aber wichtigste Geste hatte sich Guardiola für den Schluss aufgehoben, vier Tage nach dem dritten Aus im Halbfinale der Champions League in seinem dritten und letzten Amtsjahr.

„Ich möchte diesen Titel mit Jupp Heynckes teilen“, sagte der 45-Jährige feierlich über seinen Vorgänger, von dem er 2013 das Traineramt übernommen hatte – nach dessen Triple, das ihm in seiner Münchner Zeit verwehrt bleiben wird. „Wir haben etwas Besonderes geschafft. Es ist mir eine Ehre, diesen Titel mit Jupp Heynckes gemeinsam erreicht zu haben. Ich hoffe, bevor ich nach England gehe, kann ich ihn sehen und mit ihm feiern“, sagte Guardiola und rief: „Jupp, das ist für dich!“

Längst hatte sich die Atmosphäre an jene einer Preisverleihung angenähert; an bewegte Menschen und deren blumige Dankesreden, die zuweilen zum Fremdschämen verleiten. Doch im wenig glamourösen Presseraum des FCI dominierten vermutlich echte Gefühle. Wahrscheinlich bei Guardiola, dem es erkennbar wichtig ist, sich mit Anstand und Größe zu verabschieden. Und ebenso bei Hasenhüttl, der schon nach dem Abpfiff auf dem Platz geweint hatte und nach seinem Statement erneut anfing zu schluchzen.

Zuvor hatte er zu Guardiolas Gesten gesagt: „Du bist nicht nur ein Riesen-Trainer, sondern auch unglaublich bescheiden. So zu sprechen zeigt, was für ein Mensch du bist.“ Guardiola lächelte berührt, vielleicht auch, weil er derartige Komplimente aus den eigenen Reihen gerade ein bisschen vermisst. Er sagte: „Vielen Dank.“ Mit geschlossenen Augen hätte man sich spätestens jetzt in einem prachtvollen Saal mit einem roten Teppich und vielen feinen Roben wähnen können – und sich manchmal vielleicht auch ein ganz bisschen fremdschämen können bei so viel pathetischen Lobhudeleien.

Vor den großen Worten und Gesten der beiden scheidenden Trainer waren Robert Lewandowskis Saisontore 28 und 29 (15./Foulelfmeter und 32. Minute) zu bestaunen gewesen sowie Ingolstadts Treffer durch Moritz Hartmann (42./Foulelfmeter). Und zudem ein ähnlich mühevolles Spiel für den Meister wie jenes beim ersten Vergleich in der Hinrunde, als der FC Bayern in München zwar 2:0 gewonnen hatte, dabei aber einige Turbulenzen überstehen musste.

Das galt auch diesmal, weil Ingolstadt weiterhin jenen mutigen Pressingstil pflegte, der Hasenhüttls Mannschaft in dieser Saison ausgezeichnet hat. Der Aufsteiger sei „in überragender Manier dringeblieben“, sagte Bayerns Thomas Müller anerkennend über den ungefährdeten Klassenverbleib. Und der FCI hätte wegen der erstaunlich vielen Torchancen durchaus mehr Ertrag erzielen können in diesem oberbayerischen Vergleich, den Xabi Alonso mit einem tollen Schnittstellenpass vor Lewandowskis 2:0 bereichert hatte, ehe er sich eine Rippenprellung zuzog und ausgewechselt werden musste.

Begonnen hatte Hasenhüttls Abschiedsspiel in Ingolstadt mit Pfiffen gegen ihn. „Lieber Rangnicks Hofnarr als König der Schanzer?“, stand auf einem Plakat der FCI-Fans. Viele Zuschauer brachten aber auch Verständnis für seinen Standortwechsel zu den finanziell wesentlich potenteren Leipzigern auf, die sich mittelfristig als Widersacher des FC Bayern etablieren wollen. Mit dem FC Ingolstadt hat Hasenhüttl diese Rolle zumindest schon in zwei Spielen beachtlich ausgefüllt. Fast so gut wie der BVB. „Die Dortmunder wussten gar nicht, wie sehr sie uns genervt haben“, sagte Müller nach der „schwierigsten Meisterschaft“.

Am 21. Mai im Berliner Pokalfinale werden die Dortmunder Einfluss darauf nehmen, wie der Abschied von Guardiola ausfällt. „Ein Riesenkompliment“ sprach Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem Trainer nebst Mannschaft zwar aus. „Dieser Titel wird die Wunde ein bisschen schließen“, sagte er über das Aus in der Champions League, und über Guardiola: „Drei Mal hintereinander Meister zu werden, darauf darf man stolz sein.“ Doch mit der Bewertung der Saison bitte er doch noch zu warten. Ein roter Teppich wäre einem nun nicht in den Sinn gekommen.

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