Fußball-Kreisliga

Meister und Absteiger gesucht

Am Wochenende beginnt die Rückrunde mit ersten Nachholspielen. Und einige Vereine haben in der Pause ordentlich aufgerüstet, um ihre Ziele doch noch zu erreichen.
14.02.2018, 17:19
Lesedauer: 4 Min
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Von Ralf Kilian

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. Ob die Fußball-Kreisliga wirklich wie geplant an diesem Wochenende mit den ersten Nachholpartien in die Restserie starten kann, ist aufgrund der Wetter- und Platzbedingungen eher unsicher. Zwei der vier geplanten Begegnungen sind schon wieder verschoben worden, momentan stehen nur noch die Derbys Atlas II gegen Jahn (Sonnabend, 13 Uhr) und Ippener gegen Harpstedt (Sonntag, 14 Uhr) auf dem Plan. Wahrscheinlicher als die Austragung der Spiele ist nach Meinung der meisten Kreisligisten die Rückkehr des FC Hude in die Bezirksliga. Auch wenn der Spitzenreiter nicht gerade alle Gegner an die Wand gespielt hat, stellte die Mannschaft von Trainer Lars Möhlenbrock doch gefühlt die deutlich stabilste Formation. Weitaus spannender könnte sich der Abstiegskampf gestalten, weil der Vorletzte aus Ahlhorn auf dem Transfermarkt gleich viermal zugeschlagen hat und das Feld von hinten aufrollen will.

Die Zweifel am FC Hude sind auch deshalb so klein, weil den Verfolgern die notwendige Konstanz abgeht. Zwar hat der TuS Heidkrug nur sechs Punkte Rückstand, die man mit einem Sieg in einem zusätzlichen Nachholspiel halbieren könnte. Aber nicht nur nach Meinung seines Trainers Selim Karaca hat der Tabellenzweite besonders im ersten Saisondrittel über seinen Möglichkeiten gespielt und die Gegner mit elf Siegen vom Start weg überrannt. Vor der Winterpause gelangen dem TuS nur zwei Punkte aus vier Partien. Trotzdem formuliert Karaca zu Recht das Ziel, „so lange wie möglich oben dabei bleiben“ zu wollen.

Etwas mehr darf es traditionell in Ippener sein. Der Acht-Punkte-Rückstand auf Hude ist eine Menge Holz, der nur signifikant reduziert werden kann, wenn beim TSV endlich mal Ruhe einkehrt. Mit dem erzwungenen Abschied von Coach Chawkat El-Hourani und der Übernahme des früheren Co-Trainers Mohamed Chahrour gingen auch zahlreiche Spielerwechsel einher. Immerhin fünf Abgänge – darunter Stammspieler wie Torwart Jens Dekarski und Stürmer Zinar Sevimli – versucht der neue Teammanager Ergün Günal durch ein halbes Dutzend Neulinge zu kompensieren. Ob daraus schnell eine Mannschaft wird, entscheidet maßgeblich über den Verlauf der Rückrunde.

Enger zusammenrücken – das ist die Devise, die auch Wardenburgs Übungsleiter Sören Heeren postuliert. Die vier Abgänge in Richtung Ahlhorn reduzieren zwar den Kader, aber bis auf Dennis Beckmann verliert der VfR keine Leistungsträger. Wenn das Verletzungspech einen Bogen um Wardenburg macht, ist zumindest Rang zwei noch drin.

Ähnliches gilt für den Harpstedter TB, der bald wieder auf Nils Klaassen bauen und zudem mit Mel Siegenthaler und Christoph Mädler starke Rückkehrer integrieren kann. Doch für ganz oben wird es trotz zweier Nachholspiele bei 13 Zählern Rückstand wohl nicht mehr reichen. Neben dem Vorsprung sprechen weitere gewichtige Faktoren für den FC Hude. Zum einen muss der Tabellenführer bei acht Heimspielen nur noch sechs Partien auf fremden Plätzen bestreiten. Zudem steht der Kunstrasen vor der Fertigstellung und wird dann – vermutlich im April – einen weiteren Vorteil bieten. Ungefähr zeitgleich plant Trainer Lars Möhlenbrock mit der Rückkehr der langzeitverletzten Cüneyt Yildiz, Ole Schöneboom und Leon Wiebezek. Besonders die beiden Erstgenannten waren in den vorangegangenen zwei Spielzeiten absolute Leistungsträger, ihre Rückkehr könnte einen weiteren, vielleicht den entscheidenden Schub geben.

So ist Hude in fast allen Belangen führend, wird aber in puncto Verletzungssorgen vom Delmenhorster TB deutlich übertroffen. Was bei den Schützlingen von André Tiedemann im Verlauf der Hinrunde alles gerissen und gebrochen ist, lässt sich auch mit dem Begriff „Seuche“ nur unzureichend beschreiben. Zwischenzeitlich befand sich eine komplette Elf im Krankenstand, wesentlich besser ist es auch nach der Pause nicht geworden. Immerhin sollten Abwehrchef Lukas Benthien und Torjäger Daniel Fastenau neben einigen anderen bald wieder einsteigen können, um dafür zu sorgen, dass alle Akteure „in jedem Spiel an die Leistungsgrenze gehen, um irgendwie über dem Strich zu stehen“, wie Tiedemann fordert.

Ähnlich prekär ist die personelle Situation beim Schlusslicht SV Achternmeer. Jetzt will auch noch Mittelfeldregisseur Daniel Niemann (nebenbei mit schmalen vier Treffern bester Torschütze) kürzertreten. Mit Deniz Akman konnte Trainer Robin Hofmann zwar den langjährigen Torjäger zurückholen, aber nach zuletzt fünf Pleiten mit 5:20 Toren braucht es einen wahren Kraftakt, um den Abstieg zu vermeiden.

Vielleicht mit dem Ahlhorner SV als Vorbild: Coach Jörg Beckmann hat außer seinem Sohn Dennis noch drei weitere Spieler von seinem ehemaligen Verein aus Wardenburg losgeeist und zudem das Trainerteam verstärkt. Damit soll die Aufholjagd gelingen, die der von vielen als Absteiger Nummer eins gehandelte TV Munderloh schon Mitte der Hinrunde gestartet hat. Beim TV Jahn hofft man, die Probleme auf der Torwartposition mit Dustin Kletta und Marc Höfken reparieren zu können. In der Hinterhand haben die Violetten noch Torwarttrainer Mario Lucka, der sich zweimal zwischen die Pfosten stellte und an sechs Punkten beteiligt war.

Neben den Realisten aus Berne lautet auch in Huntlosen (schon 24 Punkte) und Großenkneten (22) das Ziel weiter Klassenerhalt – klare Fälle von Understatement. Die in der Hinrunde besonders auswärts enttäuschenden Ganderkeseer wollen ihre Heimstärke gerne auch mal auf fremden Plätzen zeigen, der TV Dötlingen sollte mit seinem stabilen Kader den einstelligen Platz verteidigen können.

Interessant wird wieder die Rolle der Atlas-Reserve sein, die abhängig vom Kader unberechenbar ist. Los geht es für Atlas II gleich mit drei Derbys gegen Jahn, den DTB und Heidkrug. Auch der FC Hude will die Mission Aufstieg gegen einen Lokalrivalen fortsetzen. Am Freitag, 23. Februar, geht es nach Munderloh. Spätestens dann hoffen die Kreisligisten auf zuverlässige Bedingungen, um ihre unterschiedlichen Ziele verwirklichen zu können.

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