HSG Schwanewede/Neuenkirchen "Mir schwebt ein Neuaufbau vor"

Schwandewede. Sieben Wochen ist es her, dass Thomas Bohlmann den Trainerjob bei den Landesliga-Handballerinnen der HSG Schwanewede/Neuenkirchen übernahm. Ungeplant frühzeitig.
25.04.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Sieben Wochen ist es her, dass Thomas Bohlmann den Trainerjob bei den Landesliga-Handballerinnen der HSG Schwanewede/Neuenkirchen übernahm. Ungeplant frühzeitig, da sein Vorgänger Dean Schmidt im Abstiegskampf das Handtuch geworfen hatte, um die „Schwäne“ zu retten. Nach 3:5 Punkten mit dem Team spricht der neue HSG-Coach mit unserem Mitarbeiter Olaf Kowalzik über die Zukunftsaussichten.

Herr Bohlmann, bei Ihrer Amtsübernahme in Schwanewede hatten Sie auf den Slomka-Effekt gehofft. Jetzt steht der Trainer des HSV in der Fußball-Bundesliga immer noch auf einem Abstiegsplatz und mitten in der Krise. Ist das für Sie als Trainer der „Schwäne“ in der Handball-Landesliga ein schlechtes Omen?

Nein, natürlich nicht. Wir hatten nur in einigen Spielen etwas Pech gehabt und daher leider nicht alle möglichen Punkte eingefahren.

Die Osterpause kam Ihnen jetzt bestimmt gelegen?

Die war geradezu genial. Dass wir dann auch noch unser letztes Spiel vor der Pause gewinnen und den Schwung und die Motivation mitnehmen konnten, ist optimal. Jetzt hatte ich die Zeit, um Konditionstraining zu machen und Sachen anzusprechen und zu trainieren, ohne dass uns gleich wieder das nächste Spiel im Nacken sitzt.

Wie konnte es so weit kommen, dass die Mannschaft nach dem Oberliga-Abstieg eine Etage tiefer gleich wieder um den Klassenerhalt kämpft?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nicht, was da nicht gestimmt hat. Ich habe auch keine Trainingseinheit gesehen, um das kommentieren zu können.

Wo sind aktuell die größten Baustellen?

Im Angriff. Die Lücken und Chancen werden nicht richtig erkannt, daher vergeben wir auch viele gute Möglichkeiten, um Tore zu werfen. Das liegt auch daran, dass meinem Team nach den Niederlagen das nötige Selbstbewusstsein ein wenig fehlt.

Was konnten Sie bislang bewegen?

Wir spielen jetzt in der Abwehr variabler und haben neue Formationen einstudiert. Dadurch sind wir in der Lage, auf den Gegner individueller reagieren zu können.

Ihr erstes Fazit nach Ihrer siebenwöchigen Amtszeit?

Am Anfang war es für mich schwierig, da ein beliebter Trainer gegangen war und mich in der Mannschaft nur die wenigsten Spielerinnen kannten. Wir sind aber in der kurzen Zeit toll zusammengewachsen. Die Stimmung zwischen dem Team und dem Trainerstab ist klasse, das passt.

Kam der Rücktritt ihres Vorgängers Dean Schmidt gerade noch zur rechten Zeit?

Es ist für mich schwierig, das zu beurteilen. Ich glaube, dass es vom Zeitfaktor her besser gewesen wäre, wenn er den Schritt schon zur Weihnachtspause vollzogen hätte. Dann hätte ich mehr Zeit gehabt, das Team kennenzulernen und ein Trainingslager einzurichten. So musste ich gleich mit einem Spiel starten. Und in vier bis sechs Spielen kann ich eine Mannschaft natürlich nicht mehr groß umkrempeln.

Sie sind zwei Spieltage vor dem Saisonende Viertletzter, wohin soll die Reise noch gehen?

Wir müssen versuchen, noch einen Platz höher zu klettern. Nur dann sind wir auch wirklich sicher.

Sie spielen noch zu Hause gegen den Sechsten Bassum/Twistringen und zum Abschluss beim Fünften, TSV Altenwalde. Für wie lösbar halten Sie diese Aufgaben?

Es sind beides schwere Gegner. Unser Glück ist es jedoch, dass Bassum auswärts nicht so stark ist, darin liegt im ersten Spiel zu Hause unsere Chance. Gegen Altenwalde hatten wir das Hinspiel mit 26:23 gewonnen, mittlerweile soll sich der TSV aber mit einer neuen Spielerin verstärkt haben, die ein ganz neues Tempo ins Spiel bringt. Außerdem ist es in Altenwalde immer schwer, zu spielen. Unser Vorteil könnte dort jedoch sein, dass Altenwalde schon gesichert ist und damit zum Saisonabschluss vielleicht schon in Partystimmung ist. Das könnte unsere Chance sein.

Sie stecken in einer höchst schwierigen Lage: Die Top Vier Ihrer Liga wollen oder dürfen – da Reserven ihrer Oberliga-Vertretungen – nicht aufsteigen. Außerdem steigen drei Teams aus der Kreisoberliga in die Landesliga auf. Jetzt hat auch noch Morsum angekündigt, sich auf jeden Fall in die Landesliga zurückziehen zu wollen. Damit wären Sie auf dem neunten Platz plötzlich raus aus dem Landesliga-Spiel...

Das stimmt. Sollte Morsum aber sportlich grundsätzlich die Oberliga halten und nur durch den Rückzug in die Landesliga runterkommen, müssten wir das mit der Staffelleitung diskutieren. Die Oberliga der Männer wurde ja auch gerade erst in dieser Saison extra deshalb aufgestockt, weil sich der VfL Edewecht aus der dritten Liga dorthin zurückgezogen hatte.

Wie sieht die Zukunft Ihrer Mannschaft aus?

Das hängt von der Spielklasse ab. Mir liegen momentan die Zusagen von drei Rückraumspielerinnen vor, die aber nur für die Landesliga gelten. Und ich weiß zurzeit noch nicht, was mit meiner Mannschaft passiert, wenn wir doch in die Kreisoberliga absteigen sollten. Da müssten wir uns alle noch einmal zusammensetzen und uns darüber unterhalten.

Ihre Vision vom Team?

Mir schwebt ein kompletter Neuaufbau vor. Verstärkt mit den drei Neuzugängen im Rückraum sollten wir in der kommenden Landesliga-Saison einen gesicherten Mittelfeldplatz anstreben. Dann sollten wir uns auf den einzelnen Positionen Stück für Stück gezielt verstärken und verjüngen. Das geht aber nicht binnen eines Jahres. Dafür muss man schon zwei, drei Jahre kalkulieren.

Ihre Tochter Jessica spielt beim unmittelbaren Tabellennachbarn SG Findorff, die sie bei nur einem Punkt Rückstand noch überholen können. Was wäre bei Ihnen zu Hause los, wenn Sie noch an den Findorfferinnen vorbeiziehen würden und dafür Ihre Tochter absteigen müsste?

Nichts. Über Handball wird bei uns zu Hause nicht viel geredet. Ab und zu necke ich sie zwar kurz damit, doch darauf reagiert sie entspannt. Aber um Findorff einzuholen, müssten wir schon die beiden verbleibenden Spiele gewinnen. Es sei denn, die SG Findorff verliert ihr nächstes Auswärtsspiel beim Tabellenletzten SG Bremen-Ost. Dort ist es ja auch nicht ganz einfach zu spielen.

Außerdem trainieren Sie auch noch Ihre Tochter Jasmin. Inwieweit gibt es da Spannungsfelder zwischen Ihnen, Ihrer Tochter und Ihrem Team?

Keine. Meine Töchter waren es schon viele Jahre beim SV Werder gewohnt, mich als Trainer zu haben. Auch die Mannschaften konnten damit gut umgehen.

Jetzt dürften aber gerade die Spieleinsätze von Jasmin im Schwaneweder Team naturgemäß besonders beäugt werden?

(lacht) Das können meine Spielerinnen auch, da Jasmin zurzeit nicht viel spielt. Ich trenne aber auch strikt das Familiäre und das Sportliche. Das ist eine Sache, die eine Mannschaft lernen muss, aber auch ebenso schnell rauskriegt. Meine Spielerinnen in Schwanewede/Neuenkirchen haben das schnell mitbekommen, dass ich Jasmin bestimmt nicht anders behandele als sie.

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