Aufstiegsrunde zur 2. Faustball-Bundesliga Missglückte Generalprobe

Wir wollen an diesem Sonnabend unbedingt eine angemessene Reaktion auf die klare Niederlage vom Wochenende zeigen", meinte LTV-Mannschaftsführer Julian Aust vor dem Heimevent in Lemwerder.
22.02.2019, 16:41
Lesedauer: 5 Min
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Von Olaf Schnell
Die Generalprobe für die Aufstiegsrunde zur 2. Faustball-Bundesliga Nord der Herren an diesem Sonnabend ging für den Lemwerder TV mächtig in die Hose. Nach dem 3:2-Arbeitssieg gegen den Wardenburger TV gab es anschließend in der Regionalliga Niedersachsen eine hochverdiente 0:3-Niederlage gegen den SV Düdenbüttel. Haben Sie inzwischen diese schlechte Heimvorstellung verdaut?

Julian Aust: Unser Auftreten beschäftigt mich tatsächlich immer noch sehr. Aber auch nicht erst seit dem letzten Heimspieltag. Die Mannschaft agiert mindestens die gesamte Rückrunde weit hinter Ihren Möglichkeiten und wirkt im Auftreten zu lässig und nicht konzentriert und konsequent genug. Gegen Wardenburg konnte man das Ruder noch rumreißen, das Spiel gegen Düdenbüttel grenzte dann aber schon an Selbstaufgabe. Am meisten beschäftigt mich aber, wie ich dazu beitragen kann, dass das Team schnell sein Selbstvertrauen zurückerlangen und mit der nötigen Portion Spaß auch wieder in die Erfolgsspur zurückkehren kann.

Warum hat es Ihrer Meinung nach beim Saisonfinale gegen Wardenburg und Düdenbüttel nicht funktioniert?

Viele Eigenschaften, die wir zu Beginn der Saison gezeigt haben, sind momentan wie weggefegt. Im Defensiv-Verhalten agieren wir viel zu statisch, versuchen oft gar nicht mehr an stark geschlagene Bälle des Gegners zu gelangen. Aber auch einfache Bälle rutschen uns über die Arme. Aus dem Rückschlag heraus sind wir zwar nach wie vor eines der stärksten Teams in der Liga, aus der Angabe heraus aber umso schwächer. Immer wenn wir in die Defensive geraten und die Angabe haben, wirken wir recht plan- und ideenlos und können uns nicht befreien. Taktische Anweisungen, etwa das Anspielen des gegnerischen Schlagmanns, werden zudem einfach nicht umgesetzt. Dies wäre gegen Düdenbüttel aber eine Notwendigkeit gewesen, um das Spiel ausgeglichener gestalten zu können.

Und an diesem Sonnabend müssen Sie ausgerechnet noch einmal gegen den Angstgegner Düdenbüttel ran. Kann das überhaupt klappen?

Wir wollen an diesem Sonnabend unbedingt eine angemessene Reaktion auf die klare Niederlage vom Wochenende zeigen. Und das heißt vor allem, als Team wieder näher zusammenzurücken, leidenschaftlich zu verteidigen und im Angriff unsere Stärken auszuspielen. Wichtig wird sein, die vorgegebene Taktik konsequent von Anfang bis zum Ende umzusetzen und den Gegner in die Defensive zu drängen, dabei aber die Eigenfehler-Quote so gering wie möglich zu halten. Dann wird auch ein Team wie Düdenbüttel Fehler machen. So einfach wie am letzten Spieltag dürfen wir es ihnen aber nicht wieder machen.

Als zweiten Gegner erwarten Sie den rheinischen Vertreter TV Wahlscheid. Haben Sie sich schon schlau gefragt, wie stark dieses Team ist?

Tatsächlich ist uns die gegnerische Mannschaft noch nicht bekannt, wir freuen uns aber sie kennenzulernen. Auch über die rheinische Verbandsliga wissen wir nicht viel, der TV Wahlscheid hat die Liga aber als Dritter mit einer recht ähnlichen Punkteausbeute wie wir in der Regionalliga beendet.

Da Düdenbüttel wohl zu stark ist, läuft alles wohl auf ein Aufstiegs-Endspiel gegen Wahlscheid hin, oder?

Wir haben großen Respekt vor der Leistung der Düdenbütteler. Sie sind als Liga-Neuling Meister geworden und gehen mit Sicherheit als Favorit ins Rennen um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Aber als chancenlos sehe ich uns überhaupt nicht. Wenn wir an uns glauben und mit der vernünftigen Mischung aus taktischer Konsequenz, Kampfgeist und Freude am Spiel an diese Partie herangehen, ist auch Düdenbüttel zu schlagen. Trotzdem möchte ich auch keinen zu hohen Druck für unser Team aufbauen. Ist der Gegner stärker als wir, so ist es auch okay mal ein Spiel zu verlieren. Die Frage ist dann nur, wie man es verliert – und welche Reaktionen man zeigt.

Man muss schon Angst haben, dass die beiden Spiele vor heimischer Kulisse sich für Ihre Mannschaft eher beklemmend, als befreiend auswirken, oder?

Normalerweise spielen wir sehr gerne vor heimischer Kulisse. Ein Heimspieltag ist immer ein tolles Event und wir hoffen, dass wir am Sonnabend wieder viele Zuschauer begrüßen dürfen. Die Liga ist nun vorbei und die Aufstiegsspiele sind in gewisser Weise ein Bonus, ein Finalspieltag, an dem wir noch einmal alles geben und uns gut präsentieren wollen.

Kommt der Aufstieg in die 2. Hallen-Bundesliga Nord vielleicht noch eine Saison zu früh?

Zu Beginn der Regionalliga-Saison war ich selbst überrascht, wie gut wir gestartet sind. Es hat einfach vieles gestimmt, auch wenn noch lange nicht alles perfekt war. Mit solchen Leistungen könnten wir uns ruhig trauen, eine Klasse höher zu starten. Keine Frage, sportlich müssen wir noch viel stabiler und konstanter werden, um in einer 2. Bundesliga zu bestehen. Keiner darf sich im Spiel Ruhepausen gönnen und muss voll fokussiert bleiben. Aber ein Aufstieg wäre sicher auch eine tolle Erfahrung für die Jungs und ein großer Erfolg für unseren Verein. Ganz wichtig: Die Welt geht auch nicht unter, sollte es an diesem Sonnabend nicht reichen. All diese Erfahrungen bringen uns immer weiter voran, da bin ich mir sicher.

Zuletzt wurde bei Ihnen personell auch viel rotiert. Wird sich dieses nun auch in der Aufstiegsrunde fortsetzen?

Ich denke, wir werden unter der Woche eine Tendenz sehen, mit welchem Team wir in den beiden Finalbegegnungen spielen werden. Grundsätzlich sind wir aber eine Mannschaft mit einem recht großen Kader und haben uns bewusst dazu entschieden, jedem seine Einsatzzeiten zu geben. Wir rotieren tatsächlich deutlich mehr als unsere Gegner und das kann sich natürlich auch mal negativ auf unseren Spielfluss auswirken. Für die Zukunft müssen wir aber verstärkt daran arbeiten, die Spielpraxis der Spieler auch außerhalb der Liga zu erhöhen. Die 2. Liga wäre mit Sicherheit nicht der Ort, um permanent zu experimentieren.

Wurde in Sachen Team-Vorbereitung in dieser Woche bei Ihnen irgendetwas anders gemacht?

Wir haben in dieser Woche zweimal trainiert und dabei den Fokus auf die Basics im Faustball-Sport gelegt, um vor allem wieder eine gewisse Lockerheit zu erlangen. Neben vielen Gesprächen mit unserem Übungsleiter Marco Weigt, wurde besonders die Spieleröffnung aus der Angabe heraus geübt. Hier sehen wir einen der Schlüssel zum Erfolg für die Aufstiegsspiele.

Da der Fußball-Bundesligist SV Werder Bremen an diesem Sonnabend nicht im Einsatz ist, könnte man durchaus mit einer vollen Hütte in der Ernst-Rodiek-Halle rechnen. Warum sollen möglichst viele Zuschauer zur Aufstiegsrunde kommen?

Man kann davon ausgehen, dass man hier Faustball auf einem tollen Niveau geboten bekommt. Die drei Mannschaften werden alles geben, um die beiden begehrten Aufstiegsplätze zu erreichen. Spannung ist da garantiert und mit Sicherheit auch wieder eine tolle Stimmung. Auf jeden Fall wird es wieder eine starke Werbung für den Faustball-Sport in unserer Region sein.

In welcher Spielklasse spielt die erste Herren-Mannschaft des Lemwerder TV in der nächsten Hallensaison?

(lacht) Der LTV wird auch in der kommenden Hallen-Saison in einer der höchsten Spielklassen im Faustball vertreten sein.

Das Gespräch führte Olaf Schnell.

Info

Zur Person

Julian Aust (29)

begann als Sechsjähriger beim Blumenthaler TV mit dem Faustball-Sport. Seit vier Jahren spielt der Mannschaftsführer nun schon beim Lemwerder TV und peilt nun mit dem Team den Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord an.

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Zur Sache

In Bestbesetzung

„Bislang können wir megastolz auf unser junges Faustball-Team sein, dass sich als Neuling in der Regionalliga so prima präsentiert hat, auch wenn das allerletzte Spiel gegen den Staffelsieger Düdenbüttel eher der Kategorie schwach zuzuordnen war“, meinte der LTV-Trainer Uwe Kienast, der auf seine Stammformation bauen kann. Nur Abwehrspieler Patrick Suhren kommt etwas später (Meisterschule). „In der Aufstiegsrunde kommt es auf die Tagesform an. Ich traue unserem Team alles zu – auch einen Aufstieg. Sie sind alle heiß, wir wollen aber in unserer eigenen Halle nicht hitzig auftreten, sondern diszipliniert spielen“, so Uwe Kienast.

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