Neugründung des SV Atlas Delmenhorst Misstrauen gegenüber SV Atlas wächst

Delmenhorst. Der SV Atlas Delmenhorst ist wieder da, und die Fußballszene der Stadt verändert sich in vielerlei Hinsicht massiv. Speziell im Nachwuchsbereich tut sich einiges, denn der neu gegründete Traditionsverein will viel Jugendarbeit betreiben.
27.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Misstrauen gegenüber SV Atlas wächst
Von Christoph Bähr

Delmenhorst. Viele Fußballfans bejubeln die Neugründung des SV Atlas Delmenhorst, im sozialen Internet-Netzwerk Facebook überbieten sich SVA-Anhänger im Posten von alten Fotos aus glorreichen Zeiten.

Die Verantwortlichen einiger anderer Vereine aus der Stadt können die Begeisterung über die Rückkehr des Traditionsklubs allerdings nicht teilen und befürchten, dass ihre Fußballer massenweise abwandern könnten. Der TuS Heidkrug reagierte daher gestern mit drastischen Mitteln: Er schloss Manfred Imhoff, den 2. Vorsitzenden des SV Atlas, Thomas Hecht, den neuen E-Jugend-Trainer des SVA, und dessen Frau Sonja aus. Sie sollen dem TuS, in dem alle schon lange Mitglied waren, geschadet und Spieler abgeworben haben.

"Wenn Trainer gehen, ist es schade. Wenn komplette Mannschaften wechseln, ist es sehr merkwürdig. Da wird Einfluss auf Spieler und Eltern genommen", sagt Christoph Ernst, der stellvertretende Vorsitzende des TuS Heidkrug. Hintergrund: Die E-Junioren-Mannschaft des SV Atlas für die kommende Saison in der 1. Kreisklasse besteht aus 13 Fußballern, neun davon stammen aus der aktuellen Heidkruger F-Jugend. Auch Coach Hecht und Co-Trainer Serkan Gök wechseln zum SVA. "Wegen Unstimmigkeiten mit der Heidkruger Jugendleitung wollte ich zum 30. Juni als Trainer komplett aufhören. Erst dann kam die Anfrage vom SV Atlas und ich habe zugesagt", schildert Hecht, der betont: "Ich habe keine Spieler abgeworben, die Eltern sind an mich herangetreten." Auch Hechts Ehefrau Sonja wechselt zum SV Atlas. Die ehemalige Heidkruger Jugendtrainerin wird dort zunächst ebenfalls die E-Jugend betreuen, soll aber bald eine andere Mannschaft übernehmen.

Bereits vor den E-Junioren hatte auch das vierte Herrenteam des TuS geschlossen den Weg vom Bürgerkampweg zum SV Atlas angetreten. "Wir haben einen großen Schwund im Jugend- und Herrenbereich. Dem Verein gehen Gelder verloren, weil massiv gegen uns gearbeitet wird", beschreibt Ernst die aktuelle Entwicklung aus Heidkruger Sicht. Das Vertrauensverhältnis zu Imhoff und Hecht sei beschädigt, und der Gesamtvorstand habe fast einstimmig für den Vereinsausschluss der beiden votiert. Manfred Imhoff kann die Entscheidung nicht nachvollziehen: "Ich war fast 40 Jahre Mitglied im TuS Heidkrug. Warum sollte ich den Verein zerstören wollen? Dass jetzt keiner mit geredet hat und ich per Post ausgeschlossen werde, ist eine Frechheit." Auch Imhoff betont, dass er niemanden abgeworben habe. "Die anderen Vereine sollten sich hinterfragen, warum ihre Spieler weggehen. Als reiner Fußballverein hat der SV Atlas eben ganz andere Möglichkeiten."

Neue C-Mädchen-Mannschaft

Diese Möglichkeiten will seit Kurzem auch Eckhard Jaschinski nutzen, der kürzlich als Jugendleiter des TV Jahn Delmenhorst zunächst zurückgetreten und dann entlassen worden war (wir berichteten). Zusammen mit Erhard Borrmann übernimmt er die Jugendleitung beim SV Atlas und wird Trainer der C-Mädchen – der zweiten Jugendmannschaft, die der neugegründete Klub nach aktuellem Stand für die kommende Saison meldet. Die Spielerinnen für das Kreisligateam sollen größtenteils vom TV Jahn kommen und ihrem Coach Jaschinski zum SVA folgen. Auch dabei handele es sich jedoch nicht um eine Abwerbung, betont Borrmann. "Die Mädchen wechseln freiwillig, weil sie weiter mit ihrem Trainer zusammenarbeiten möchten", sagt Borrmann. Laut Knut Hinrichs, dem Fußball-Abteilungsleiter des TV Jahn, wollen bislang allerdings nur vier C-Jugend-Fußballerinnen den Klub verlassen. "Alle anderen wollen bleiben, weil sie bei uns die Perspektive haben, in der B-Jugend-Bezirksliga antreten zu können. Wir haben in der kommenden Saison also definitiv eine spielfähige C-Mädchen-Mannschaft zur Verfügung", betont Hinrichs.

Zum SV Atlas will sich der Jahn-Fußballchef nicht weiter äußern. Unübersehbar ist aber, dass die Neugründung des früheren Delmenhorster Vorzeigevereins die Verhältnisse in der Stadt gehörig durcheinander gebracht hat. So ist der Atlas-Jugendkoordinator Borrmann aktuell etwa ein gefragter Mann: "Wir haben einen viel größeren Zulauf als gedacht, denn der SVA ist einfach Kult. Ich muss darauf achten, dass im Nachwuchsbereich nicht zu schnell zu viel passiert." Schließlich fange er bei null an: "Trikots, Bälle und andere Materialien für die Jugendabteilung, alles muss gekauft werden. Das geht nur durch Sponsoren, die Mitgliedsbeiträge reichen dafür nicht aus", berichtet Borrmann. Einen Sponsor für die Nachwuchsfußballer habe er bereits gefunden, weitere sollen folgen. Möglichst bald soll es dann auch eine A-Jugend-Mannschaft beim SV Atlas geben. Die Verantwortlichen der Konkurrenzvereine dürften solche Ankündigungen mit Misstrauen aufnehmen. "Ich hoffe nicht, dass die ganze Entwicklung weiter ausartet", sagt Heidkrugs Christoph Ernst mit Blick auf den SVA.

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