Ausschreitungen bei Jugendspielen sind in Delmenhorst und Oldenburg-Land nicht bekannt / Lob für „Eltern-Zone“ Mit dem nötigen Abstand

Delmenhorst·Landkreis Oldenburg. Mehrere aufgebrachte Eltern stürmen auf den Fußballplatz, protestieren lautstark und gehen aufeinander los – ein Jugend-Spiel in Essen, das am vergangenen Wochenende abgebrochen wurde, sorgt derzeit bundesweit für Schlagzeilen. Wohlgemerkt: Es handelte sich um eine E-Jugend-Partie, die Spieler waren also maximal zehn Jahre alt.
19.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Mit dem nötigen Abstand
Von Christoph Bähr

Mehrere aufgebrachte Eltern stürmen auf den Fußballplatz, protestieren lautstark und gehen aufeinander los – ein Jugend-Spiel in Essen, das am vergangenen Wochenende abgebrochen wurde, sorgt derzeit bundesweit für Schlagzeilen. Wohlgemerkt: Es handelte sich um eine E-Jugend-Partie, die Spieler waren also maximal zehn Jahre alt. Gelesen hat auch Jochen Reil von diesem Vorfall. Der Jugendausschuss-Vorsitzende des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst ist froh, dass er Derartiges bisher stets aus der Ferne betrachten konnte. „Zumindest seitdem ich im Amt bin, ist so etwas bei uns nicht vorgefallen. Gott sei Dank haben wir in dem Bereich keine Probleme“, sagt Reil.

Dass bei Jugendspielen mal ein Zuschauer verbal unangenehm auffällt, lasse sich nie ganz verhindern. „Ausschreitungen gab es bei uns im Kreis aber nie, schon gar nicht bei den Kleinen“, betont Reil. Jens Hiller hat in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung beobachtet: „Es ist besser geworden. Einzelne Verrückte sieht man leider immer mal“, sagt der Jugendleiter des TuS Heidkrug.

Seit dem vergangenen Jahr gibt es bei Jugendspielen im Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst sogenannte Eltern-Zonen, die sich in mehreren Metern Abstand zur Seitenlinie befinden sollen. Der Name täuscht, denn in diesen Zonen sollen sich nicht nur die Eltern, sondern alle Zuschauer aufhalten. „Sie sind sicherlich nicht der Hauptgrund dafür, dass hier nichts passiert, aber die Eltern-Zonen sind in jedem Fall sinnvoll“, findet Martin Stendal, Jugend-Obmann des VfL Wildeshausen. „Wenn die Kinder nicht ständig Rufe von der Seite hören, können sie sich besser auf das konzentrieren, was ihnen Spaß macht: das Fußballspielen.“ Für den Unparteiischen sei es ebenfalls eine Erleichterung, wenn die Zuschauer nicht direkt an der Linie stehen, sagt Harald Theile, der Schiedsrichterausschuss-Vorsitzende des Fußballkreises.

Überall gibt es die „Eltern-Zonen“ trotzdem nicht. „Wir empfehlen es nur, es kann aber nicht immer klappen. Auf manchen Anlagen fehlen die baulichen Voraussetzungen“, schildert Jochen Reil. Am Bürgerkampweg beim TuS Heidkrug stehen die Zuschauer bei Spielen auf dem Großfeld ohnehin hinter der Bande. Bei Partien auf dem Kleinfeld seien die Trainer angehalten, Zonen für die Zuschauer mit Hütchen abzustecken, sagt Hiller. Der Heidkruger Jugendleiter weiß, wie wichtig klare Grenzen sind, denn Eltern, die es mit dem Ehrgeiz übertreiben, kennt er nur zu gut.

„Die heben ihre Kinder auf Höhen, die denen nicht gut tun“, findet Hiller und nennt ein Beispiel: Erst kürzlich sei ein C-Jugendlicher auf Wunsch seiner Eltern zum VfL Oldenburg abgewandert, sei dort jedoch kaum zum Einsatz gekommen. „Dabei will der Junge doch nur Fußballspielen“, verdeutlicht der Jugendleiter. Von dem Spielabbruch in Essen hat Hiller gehört. „Da tun einem die Kinder leid“, unterstreicht er. Als Vereinsvertreter stehe man bei solchen Vorfällen hilflos da. „Eigentlich kann man die Leute nur rauswerfen, genauso wie einzelne Trainer, die sich nicht benehmen können“, sagt Hiller. Mit Sanktionen reagierte beispielsweise auch der Delmenhorster TB, als ein Betreuer im vergangenen Jahr bei einem G-Jugend-Spiel die Schiedsrichterin beleidigte. Der Mann darf seitdem nicht mehr als Betreuer fungieren und sollte die vom Sportgericht verhängte 500-Euro-Strafe selbst bezahlen.

Wichtig sei es, gerade bei den ganz kleinen Fußballern den Druck rauszunehmen, findet Jochen Reil. Bei den Bambini gibt es daher keinen Ligabetrieb, sondern Spielnachmittage. In der F-Jugend werden zwar Punktspiele ausgetragen, die Tabellen aber nicht veröffentlicht. Geplant ist in diesen Altersklassen zudem eine sogenannte „Fair-Play-Liga“, wie sie der Masterplan des Deutschen Fußball-Bundes vorsieht. Demnach gibt es keinen Schiedsrichter mehr, sondern die Kinder entscheiden in strittigen Situationen selbst. In Bremen wird dies seit Jahresbeginn gestestet, der Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst verschickte kürzlich ein Schreiben an die Vereine und stellt ihnen nun frei, diese Spielform ohne Schiedsrichter auszuprobieren. „Anderswo soll es funktionieren. Ich bin offen dafür“, sagt Martin Stendal vom VfL Wildeshausen. Der Fußballkreis setzt bei den Jüngsten ohnehin noch keine Unparteiischen an, die Spiele mit Schiedsrichtern zu besetzen ist Aufgabe der Klubs.

Für den Jugendausschuss-Vorsitzenden Reil ist die „Fair-Play-Liga“ der nächste Schritt der Entwicklung. Er zeigt sich optimistisch, dass der Versuch gelingt. „Bei uns im Kreis ist im Jugendbereich momentan alles im grünen Bereich, da kann das auch klappen. Wir haben schließlich viele gute Ehrenamtliche, die mitziehen.“

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