Wie Paul Hollwedel als Tennislehrer in Camyuva den Borussen-Trainer kennenlernte Mit "Kloppo" in der Türkei per Du

Bornreihe. T-Shirt und kurze Hose kann er jetzt getrost einmotten. Als Paul Hollwedel vor einer Woche von der sommerlichen türkischen Riviera ins nass-kalte Niedersachsen heimkehrte, musste er sich erst akklimatisieren. Das Mittelmeer in Camyuva (bei Kemer), wo er ein halbes Jahr als Tennislehrer in einer Robinson-Club-Anlage gearbeitet hatte, war doppelt so warm wie hier die Luft. Akklimatisieren muss sich der 21-Jährige erst recht in anderer Hinsicht: Bevor es ihn in den Süden zog, war er Fußballer beim SV Blau-Weiß Bornreihe. Und genau dort möchte er baldmöglichst wieder zum Team gehören.
15.10.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Thomas Müller

Bornreihe. T-Shirt und kurze Hose kann er jetzt getrost einmotten. Als Paul Hollwedel vor einer Woche von der sommerlichen türkischen Riviera ins nass-kalte Niedersachsen heimkehrte, musste er sich erst akklimatisieren. Das Mittelmeer in Camyuva (bei Kemer), wo er ein halbes Jahr als Tennislehrer in einer Robinson-Club-Anlage gearbeitet hatte, war doppelt so warm wie hier die Luft. Akklimatisieren muss sich der 21-Jährige erst recht in anderer Hinsicht: Bevor es ihn in den Süden zog, war er Fußballer beim SV Blau-Weiß Bornreihe. Und genau dort möchte er baldmöglichst wieder zum Team gehören.

Dass er den Job als Tennislehrer bekam, war auch durch Hollwedels Tennis-Vergangenheit begünstigt. Nach der Schule machte er ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Niedersächsischen Tennisverband, arbeitete in einer Tennisschule, machte seinen Trainerschein. Weil er keinen Studienplatz bekam - Hollwedel möchte Sportmanagement oder Sport und Politik auf Lehramt studieren -, fand er den Gedanken eines längeren Auslandsaufenthalts ganz charmant. Während es Freunde wie Marvin Mainz von seinem früheren Klub FC Worpswede nach Australien zog, "googelte" er sich durchs Internet, wurde beim Robinson-Club fündig.

Als Abteilungsleiter begonnen

Das Casting verlief schnell und erfolgreich. Sogar als Abteilungsleiter durfte er gleich in der Fünf-Sterne-Anlage in Camyuva beginnen. "Obwohl ich keinerlei Erfahrungen hatte. Ich bin einfach drauf los", muss Hollwedel heute ein wenig schmunzeln. In der Türkei waren ihm in der Hochsaison sogar noch zwei weitere Tennislehrer unterstellt nebst Platzwart und einer Dame an der Bar. Wobei sich seine Aktivitäten nicht allein auf Tennisstunden beschränkten. Hollwedel beschreibt sein "Multi-Tasking" so: "Ich habe auch zweimal die Woche gekocht und in Shows mitgespielt. Das ist bei Robinson so." Sports-and-Fun-Club heißt das bei dem Unternehmen.

Weil man sich unter den "Robinsons" duzt, kam Hollwedel leicht in Kontakt mit anderen Menschen. Auch mit Promis wie Claudia Pechstein, Birgit Prinz oder der deutschen Hockey-Nationalmannschaft. Ex-Fußball-Profis wie Marko Rehmer, Christian Schulz oder Lothar Sippel begegnete Hollwedel ebenfalls. Die unterrichteten in einer Fußballschule. "Ich habe ein bisschen mitgeholfen", erzählt Hollwedel. Jürgen Klopp, den Meistertrainer von Borussia Dortmund, traf er als Privat-Menschen. "Das war noch vor Beginn der neuen Saison. 'Kloppo' war für zehn oder zwölf Tage da mit seiner Frau und einer Gruppe von Freunden. Ganz entspannt, total nett. Erst wollte ich nicht, aber später habe ich mir doch ein Autogramm von ihm geholt. Obwohl ich Werder-Fan bin."

"Bornreihe kannte er nicht"

Am Anfang habe Klopp noch gesagt, dass er von Fußball nichts mehr hören könne. "Aber zwei Tage vor seiner Abreise konnte man merken: Es juckt wieder bei ihm. Da hatte er wieder Lust auf Fußball und die Mannschaft." Klar, dass "Kloppo" nicht entgangen war, dass er es im Fall Hollwedel mit einem ambitionierten Amateur-Fußballer zu tun hat. "Er hat mich mal beim Spielen beobachtet und gefragt, ob ich schon mal höher gespielt hätte. Da habe ich ihm dann ein bisschen erzählt." Hatte der Borussen-Coach schon mal 'was von Worpswede oder Bornreihe gehört? "Mit dem Ort Worpswede konnte er schon etwas anfangen. Aber Bornreihe? Nee, kannte er nicht. Habe ich ihm aber auch nicht übel genommen."

Tennisstunden nahm der BVB-Trainer freilich nicht bei Paul Hollwedel, der den Dortmunder aber genau beobachten konnte: "Seine Vorhand ist stärker als die Rückhand. Wie bei den meisten Fußballern, die Tennis spielen. Aber er hat schon ein ganz gutes Ballgefühl und Talent."

Unterm Strich kommt Hollwedel zu dem Fazit: "Es war jetzt nicht nur Urlaub in der Türkei. Aber sicherlich einer der schönsten Arbeitsplätze der Welt." Ansonsten hat er immer Kontakt gehalten zur norddeutschen Heimat und sich natürlich auch informiert, wie sein alter Verein FC Worpswede und der SV Blau-Weiß Bornreihe im Rennen liegen. "Nach dem Hagen-Spiel habe ich gleich eine SMS bekommen", wusste der 21-Jährige alsbald, dass die Moorteufel da einen 2:0-Sieg gelandet hatten.

Den aktuellen Erfolg der Bornreiher letzten Sonntag gegen Moisburg erlebte er übrigens wieder live mit. Natürlich nur als Zuschauer. Die Partie seiner "alten" Worpsweder gegen den FC Ostereistedt/Rhade hatte er bis zur Pause verfolgt, um dann nach Bornreihe zu fahren und dort die Aufholjagd der Blau-Weißen noch zu sehen.

Kommende Woche steht Hollwedels ganz persönliche Aufholjagd an; dann möchte er wieder ins Training einsteigen - und muss sich erst einmal ganz hinten anstellen: "Ich kann da jetzt keine Ansprüche stellen. Die Jungs spielen ohnehin einen guten Ball. Auch ohne Libero." Den "letzten Mann" im Bornreiher Team hatte er vor einem Jahr noch gespielt. Doch es hat sich mittlerweile ja viel geändert. "Ich habe 'Joni' schon gesagt, dass sie wieder auf ein System mit Libero umstellen müssen", meinte Hollwedel - natürlich im Spaß - seinem Freund Jonathan Klimmek gegenüber. Dann vielleicht eine Chance als Sechser vor der Abwehr? "Auf der Position ist Bornreihe so gut besetzt, dass ich mich eher in der Vierer-Kette sehe."

Also abwarten. Für seinen Trainer Matthias Ruländer ist ohnehin alles offen: "Paul hat ja fast sieben Monate nicht gespielt. Ich habe ihn kaum gesehen. Er muss erst mal kommen, dann sehen wir weiter." Wie fit ist Hollwedel überhaupt für eine baldige Rückkehr? "Auch wenn es schwer zu glauben ist - das Essen in der Türkei war schließlich sehr gut -: Ich habe unheimlich viel Sport gemacht, über die Saison acht Kilo abgenommen und fühle mich fitter als vorher."

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