Dietke Meyer hat großen Anteil daran, dass die DM in den Landkreis kam – und musste dann zuschauen Mit mehr als nur einer Träne im Auge

Thedinghausen. Eigentlich war alles ganz anders geplant. Im vergangenen Jahr hatte Dietke Meyer ihre Teamkolleginnen vor dem Saisonauftakt in der Korbball-Bundesliga eingeschworen.
11.05.2015, 00:00
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Mit mehr als nur einer Träne im Auge
Von Malte Bürger

Eigentlich war alles ganz anders geplant. Im vergangenen Jahr hatte Dietke Meyer ihre Teamkolleginnen vor dem Saisonauftakt in der Korbball-Bundesliga eingeschworen. „Ich habe ihnen gesagt, dass wir die Deutsche Meisterschaft nach Thedinghausen holen, wenn wir vier Punkte am ersten Spieltag einfahren“, erzählt die 29-Jährige. Gesagt, getan. Die Mannschaft erledigte die Aufgabe, Dietke Meyer überzeugte anschließend Spartenleiterin Elke Dahme, die Bewerbung und das folgende Mammutprogramm tatsächlich in Angriff zu nehmen. „Ich spiele inzwischen seit 14 Jahren in der ersten Mannschaft des TSV Thedinghausen“, sagt Dietke Meyer, während ihre Augen ein wenig glasig werden, „und es war immer mein Traum, bei einer Deutschen Meisterschaft in eigener Halle zu spielen“. Doch daraus wurde nichts: Im vergangenen April riss sie sich im Training das Kreuzband, am Wochenende blieb ihr so notgedrungen nur die Zuschauerrolle.

Die Anteilnahme sei überwältigend, sagt Dietke Meyer. „Dadurch, dass ich so lange spiele, kenne ich im Norden natürlich viele Leute, die mit Korbball zu tun haben. Jetzt sind sie alle auf mich zugekommen und haben bedauert, dass ausgerechnet ich jetzt nicht mitspielen kann.“ Die Thedinghauserin ist nämlich nicht einfach eine Korbballspielerin. Nein, sie lebt diesen Sport. Sie ist Kapitänin ihrer Mannschaft und Antreiberin, wenn es auf dem Feld mal nicht so gut läuft. Und dann klappte es tatsächlich zum allerersten Mal in der Vereinsgeschichte mit der Qualifikation, die DM-Teilnahme vor eigenem Anhang war eingetütet. Und dann kam ausgerechnet diese blöde Verletzung, die doch normalerweise überwiegend Fußballer reihenweise ausschaltet. „Ich bin wahrscheinlich im Kreis die Erste, die sich so verletzt hat“, erzählt sie mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. Das Lachen hat sie nicht verloren – und das ehrt sie. Aber es ist ihr anzusehen, dass es ihr im Moment nicht ganz so leicht fällt.

Noch im März hatte sie einen Skiurlaub absolviert, aufgrund der Bedenken mancher Spielerinnen hatte sie diesen sogar streichen wollen. Wegen der Verletzungsgefahr. Die letzte Abfahrt ließ sie dann bereits aus und berichtete direkt per Handy, dass kein Grund zur Sorge mehr bestehe. Dann kam das erste Training, ein harmloses Spielchen. Und mitten im Lauf bleibt Dietke Meyer ohne Fremdeinwirkung im Boden hängen. Feierabend. Vor knapp vier Wochen wurde operiert, nun sind zwei Krücken ihr ständiger Begleiter. „Die Schmerzen im Knie sind kein Problem – seit der OP habe ich keine“, erzählt sie. „Viel schlimmer ist, dass ich nicht spielen kann. Das tut richtig weh.“ Und wieder schleichen sich Tränen in ihre Augen, während sie diese Worte sagt. „Am Samstag ging es noch, aber jetzt bin ich fast nur am Heulen.“

Zwischen den Partien fegt die 29-Jährige trotz ihrer Gehhilfen durch die Halle und ist da, wenn ihr Rat gebraucht wird. „Es ist unglaublich, was hier geleistet wird“, sagt sie. „Ganz Thedinghausen steht hinter der DM und packt mit an. Die Feuerwehr hat beispielsweise den kompletten Park-Service übernommen.“ Viele der Helfer hat Dietke Meyer zusammengetrommelt – wegen ihrer guten Kontakte. Und natürlich aus Liebe zum Korbball. So ist es nicht verwunderlich, dass sie sich die Partien ihres Teams nicht entgehen lässt und neben Coach Wolfgang Candler auf der Bank sitzt. Oder besser steht. Sitzen geht nicht. Dafür ist sie viel zu sehr im Spiel gefangen.

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