Zlatko Junuzovic ist auf dem Weg zurück in die Startelf und soll Werders Probleme in der Offensive beheben

Mit viel Hoffnung beladen

Bremen. Was genau er sich dabei gedacht hat, weiß wohl nur Zlatko Junuzovic selbst. Beim Testspiel gegen den SV Meppen waren noch wenige Minuten zu spielen.
08.10.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Mit viel Hoffnung beladen
Von Christoph Bähr
Mit viel Hoffnung beladen

Immer für ein Kunststück gut: Zlatko Junuzovic kann mit dem Ball umgehen.

nordphoto / Ewert, nordphoto

Bremen. Was genau er sich dabei gedacht hat, weiß wohl nur Zlatko Junuzovic selbst. Beim Testspiel gegen den SV Meppen waren noch wenige Minuten zu spielen. Durch das Tor von Jerôme Gondorf zum 3:3 hatte Werder gerade das Schlimmste verhindert. Da überkam den Kapitän wohl das Gefühl, den Fans an einem aus Bremer Sicht enttäuschenden Abend noch etwas bieten zu müssen. Junuzovic ließ den Ball in der eigenen Hälfte unter Bedrängnis vom Fuß in die Luft prallen und beförderte ihn per Fallrückzieher zum Mitspieler. Für das Spiel hatte die ungewöhnliche Szene keine weitere Bedeutung, aber sie machte eines deutlich: An Selbstvertrauen mangelt es dem 30-Jährigen trotz langer Verletzungspause offensichtlich nicht.

Und starke Schultern braucht der eher schmächtige Junuzovic jetzt, denn die Erwartungen sind groß. Es sieht gerade düster aus in der grün-weißen Welt, und die jüngsten Auftritte der Mannschaft lassen eine schnelle Besserung eher unwahrscheinlich erscheinen. Die Fans suchen daher verzweifelt nach Gründen dafür, dass die Durststrecke der Bremer bald endet. Klar, Niklas Moisander hat nach seiner langen Verletzungspause schon wieder zwei ordentliche Spiele absolviert. Lamine Sané hielt in Meppen eine Halbzeit lang durch. Beide sind allerdings Abwehrspieler, und die Defensive funktioniert bisher verhältnismäßig gut. Es krankt vor allem am Spiel nach vorne, und deshalb ist Junuzovic nach seinem vielversprechenden Comeback im Nordderby beim HSV zum Hoffnungsträger geworden.

Die Wunschliste ist lang. Der Kapitän soll neue Ideen für das zumeist einfallslose Offensivspiel entwickeln. Mehr Tempo ins Umschaltspiel bringen. Torgefahr ausstrahlen. Für mehr Gefahr bei Standards sorgen. Dabei ist Junuzovic noch nicht einmal hundertprozentig fit. Optimal fühle sich die Achillessehne noch nicht wieder an, sagte er nach seinem rund 30-minütigen Einsatz in Hamburg. In Meppen hielt der österreichische Nationalspieler schon 45 Minuten durch. Nachdem er im Zweikampf einen Tritt abbekommen hatte, blieb Junuzovic zehn Minuten vor dem Ende am Boden liegen und fasste sich an den verletzten linken Fuß. Eine Schrecksekunde für alle Bremer, doch der Kapitän konnte weitermachen.

„Juno braucht jetzt Spiele und Spielkondition. Es war wichtig für ihn, gegen Meppen zu spielen“, unterstrich Alexander Nouri. Ob der Kapitän beim nächsten Heimspiel gegen Mönchengladbach ein Kandidat für die Startelf ist, wollte der Trainer nicht sagen. Vorstellbar ist das durchaus. Einen Typen wie Junuzovic hat Werder nämlich nur einmal im Kader. Nouri bezeichnete ihn als „Verbindungsspieler und Umschaltspieler mit vielen Tempowechseln“. In Hamburg war die Lücke zwischen Mittelfeld und Angriff viel zu groß. Erst mit Junuzovic, der den Ball forderte und 87 Prozent seiner Zuspiele zum Mitspieler brachte, funktionierte das Passspiel in die Spitze besser.

Werder braucht den Verbindungsspieler Junuzovic dringend, damit das 3-1-4-2-System funktioniert. Max Kruse, der sich gerne aus dem Angriff zurückfallen lässt und das Spiel ankurbelt, ist verletzt. Thomas Delaney kommt eher aus der Tiefe. Florian Kainz, der Junuzovic auf der rechten Achter-Position vertreten sollte, zeigte zwar gute Ansätze, fühlt sich aber auf dem Flügel wohler. Zudem verfügt Kainz im Gegenpressing nicht annähernd über Junuzovics Qualitäten. Nach Ballverlusten schaltet der Werder-Kapitän blitzschnell um. In Meppen bereitete er Ousman Mannehs Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 vor, indem er den Ball am gegnerischen Strafraum eroberte. „Man hat gesehen, wie wichtig Juno im Gegenpressing für uns ist“, unterstrich Nouri.

Wie der Trainer den Kapitän gegen Gladbach einplanen könnte, zeigte das Spiel in Meppen ebenfalls. Da agierte Junuzovic als rechter Achter. Die linke Achter-Position ist für Thomas Delaney reserviert, und beide könnten sich gut ergänzen. Junuzovic hat seine Stärken eher in der Offensive, während Delaney für defensive Stabilität sorgen kann. Zudem ist Junuzovic zwar Kapitän, ein klassischer Anführer, an dem sich eine Mannschaft in Krisen aufrichten kann, ist er allerdings nicht. Diese Rolle kann eher der extrovertierte Delaney ausfüllen.

Junuzovic selbst gibt genauso wie Nouri noch keine Prognose darüber ab, wann er bereit für die Rückkehr in die Startelf ist. Er dürfte sich aber auch deshalb schnell wieder zeigen wollen, weil sein Vertrag bei Werder am Ende der Spielzeit ausläuft. Mögliche Wechsel zu Trabzonspor und Orlando City zerschlugen sich vor der Saison. Werders Angebot, seinen Kontrakt zu verringerten Bezügen zu verlängern, lehnte Junuzovic ab. Einen neuen Stand gibt es nicht. Dass Sportchef Frank Baumann den Österreicher halten möchte, ist bekannt.

Junuzovic selbst hat immer betont, sich in Bremen wohlzufühlen, sagte zu seiner Zukunft zuletzt jedoch nichts mehr. Er will sich erst einmal auf das Sportliche konzentrieren, und wie so oft in den fünfeinhalb Jahren, die er nun in Bremen spielt, heißt die Realität Abstiegskampf. Das gehe natürlich an die Nerven, sagt Junuzovic. Er sieht aber auch einen Vorteil darin, dass Werder nicht zum ersten Mal im Tabellenkeller steht: „Wir kennen die Situation seit Jahren und wissen, wie wir sie drehen können.“ Es liegt nun auch am Kapitän, ob seine Worte in die Tat umgesetzt werden.

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