Hinrunden-Analyse: Brinkum pendelt in der Fußball-Bremen-Liga zwischen Hoffen und Bangen, guten und durchschnittlichen Leistungen Monate des Umbruchs

Brinkum. Die Saison hatte noch gar nicht begonnen, da wäre sie für den Brinkumer SV beinahe schon wieder vorbei gewesen. Mit neuem Trainer (Kristian Arambasic) und einer runderneuerten Mannschaft (13 Neuzugänge) war der Fußball-Bremen-Ligist im vergangenen Sommer angetreten, um die zuvor geholte Vizemeisterschaft zu betätigen.
21.12.2015, 00:00
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Monate des Umbruchs
Von Jens Hoffmann

Die Saison hatte noch gar nicht begonnen, da wäre sie für den Brinkumer SV beinahe schon wieder vorbei gewesen. Mit neuem Trainer (Kristian Arambasic) und einer runderneuerten Mannschaft (13 Neuzugänge) war der Fußball-Bremen-Ligist im vergangenen Sommer angetreten, um die zuvor geholte Vizemeisterschaft zu betätigen. Doch daraus schien nichts zu werden. Weil die Brinkumer das Fußballjahr 2014/15 ohne ihre zuvor abgemeldete 2. Herren beendet hatten, verweigerte der Bremer Fußball-Verband (BFV) die Zulassung für die neue Bremen-Liga-Saison. Der Schock saß tief, die Verantwortlichen um Manager Frank Kunzendorf und Spartenleiter Jörg Bender versuchte alles, um das Schicksal noch abzuwenden. Mit Erfolg. Zugute kam den Verantwortlichen, dass der entscheidende Passus in den BFV-Regularien nicht eindeutig formuliert war. Die Brinkumer betrachteten ihre Alt-Herren-Mannschaft als zweites Herrenteam, der BFV argumentierte dagegen. Am Ende entschied das Verbandssportgericht im Sinne der Brinkumer. Die Erleichterung war riesig.

Aber das Thema hatte über Wochen Offizielle wie Spieler in Atem gehalten und belastete – ganz offen oder nur unterschwellig – die Vorbereitung. Deshalb stapelte Arambasic zum Saisonstart, der eine Woche später, als ursprünglich angedacht, erfolgte, tief. Sehr tief. Von der Meisterschaft wollte er nichts mehr wissen. Der Bremer SV sei Favorit, sagte er, Brinkum nur Außenseiter. „Nach dem ganzen Hin und Her werden wir nur schwer in die Saison finden“, prognostizierte er zudem und lag damit richtig. Erster Spieltag, erste Punktverluste. Gegen den SV Grohn reichte es auf eigenem Platz nur zu einem 1:1. Ein bisschen sinnbildlich war diese erste Partie bereits für das, was danach kommen sollte. Die Brinkumer waren ihren Gegnern in der Regel überlegen, besaßen mehr Spielteile, mehr Torgelegenheiten und zeigten die durchdachteren Kombinationen. So weit, so gut. Allerdings brannten sie in der Summe nicht mehr ein solches Offensivfeuerwerk ab wie noch in der Spielzeit zuvor. Die Überlegenheit hatte ihre Grenzen. Die Leistungen pendelten zwischen gut und durchschnittlich, waren selten herausragend. Der Kader, der sich zu nahezu gleichen Teilen aus etablierten Stammkräften und ambitionierten Neuzugängen zusammensetzte, musste erst zueinanderfinden. Kristian Arambasic, der ehrgeizige A-Lizenz-Inhaber, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, als Trainer gerne wieder höherklassig (Regionalliga?) anzugreifen, musste die verschiedenen personellen Mosaiksteine zu einer Einheit formen. Die Aufgabe glich einem anspruchsvollen Puzzlespiel. Und es liegt in der Natur der Sache, dass man ab und an versucht, ein unpassendes Teil einzusetzen.

Mitunter waren es einzelne Akteure, die unter ihren Möglichkeiten blieben, manchmal war es aber auch die Spielweise, die nicht zum Gegner passte. Beispiel: Blumenthaler SV. Beim aktuellen Spitzenreiter machten die Brinkumer eigentlich sehr viel richtig, traten engagiert und leidenschaftlich auf. Doch bei so viel Kampf beraubten sie sich in manchen Situationen ihre fußballerischen Qualitäten, spielten lange und auf Zufall ausgelegte Bälle nach vorne, was vollkommen untypisch für ihren Spielstil ist. Die Konsequenz: Blumenthal gewann mit 2:1 und hielt die Brinkumer auf Distanz.

Es blieb nicht die einzige Enttäuschung. Die 1:2-Niederlage beim TuS Schwachhausen war beispielsweise nicht eingeplant. Dafür zeigte sich Kristian Arambasic zum Jahresende mit dem 2:2 gegen Werder III mehr als einverstanden, weil die Gastgeber in diesen 90 Minuten durchdacht kombinierten, Kampf und taktische Finesse bündelten. Einziger Wermutstropfen: Es sprang kein Sieg heraus. Den hatte es dafür zuvor bei der SG Aumund-Vegesack (2:0), Arambasic’ Ex-Verein, gegeben. Noch so ein überzeugender Auftritt des BSV.

Gegen technisch unterlegene Teams wechselten sich deutliche Erfolge (8:1 bei Vatan Sport, 4:0 in Habenhausen) mit ziemlich wackligen (1:0 beim ESC Geestemünde, 2:1 gegen FC Union 60) ab. Die Brinkumer befinden sich weiterhin auf der Suche nach der eigenen Konstanz. Und auf der Suche nach der perfekten Formation. Zu der sollte eigentlich auch ein Herman Mulweme zählen, der mit der Empfehlung von 80 Oberliga-Einsätzen zum BSV gekommen war. Doch die Zusammenarbeit fruchtete nicht. Der kantige Angreifer, eine klassische Nummer neun, fand nie den rechten Zugang und hat sich bereits wieder verabschiedet. Auch der Regionalliga-erfahrene Robert Littmann steht bestenfalls noch für den absoluten Notfall zur Verfügung. Der zentrale Abwehrmann Esin Demirkapi fällt währenddessen ein weiteres Mal verletzt aus, nachdem er sich nach seinem zweiten Kreuzbandriss so verheißungsvoll herangekämpft hatte. Auch ein Daniel Block, in der Vorsaison einer der herausragenden Mittelfeldspieler, wartet noch auf sein Comeback.

Dafür haben die Brinkumer zur Rückrunde einen weiteren Defensivspezialisten verpflichtet: Mirkan Pakkan, zuletzt beim Bremen-Liga-Rivalen Vatan Sport aktiv. Mit Alexander Schlobohm wird im Januar zudem ein zweiter Torjäger (nach Marcel Dörgeloh) zurückerwartet. Er weilte einige Zeit in den USA, muss nach seiner Rückkehr allerdings an der Leiste operiert werden. Schlobohm, der vor zwei Jahren noch zur Wahl als Bremer Amateurfußballer des Jahres stand (damals für die SG Findorff), ist ein Quasi-Neuzugang.

Kristian Arambasic wird also auch im neuen Jahr am Personalkarussell drehen. Möglichkeiten hat er ja. Wobei seine eigene Zukunft auch noch nicht hundertprozentig geklärt ist. Dass es Kontakte zum Regionalligisten BSV Rehden gab, bestreitet er nicht, dass ihm von Vereinsseite bei einem höherklassigen Angebot keine Steine in den Weg gelegt würden, auch nicht. Doch der Coach, der am gestrigen Sonntag mit seinem Team beim Amateur-Hallenturnier in der Bremer ÖVB-Arena beschäftigt war (siehe Hauptsport), betont einzig den Ist-Zustand: „Ich konzentriere mich ganz auf den Brinkumer SV“, sagt er.

Deshalb habe er für die Wintervorbereitung zwei Testpartien klar gemacht, in denen sich seine Mannschaft vorzüglich beweisen könne: am 15. Januar beim TSV Havelse und tags darauf bei Eintracht Braunschweig II – beides Teams aus der Regionalliga Nord.

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