Australian Open Murray lebt den Traum - Die 17 als Glückszahl?

Melbourne. Mancher feiert seine Siege mit dem Ali-Shuffle und dreht Pirouetten auf dem Platz. Andere ballen die Becker-Faust und schreien ihre Freude lauthals heraus. Wieder andere lassen sich siegestrunken auf den Rücken fallen oder küssen den Boden.
29.01.2010, 11:11
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Melbourne. Mancher feiert seine Siege mit dem Ali-Shuffle und dreht Pirouetten auf dem Platz. Andere ballen die Becker-Faust und schreien ihre Freude lauthals heraus. Wieder andere lassen sich siegestrunken auf den Rücken fallen oder küssen den Boden.

Andy Murray dagegen sah aus wie ein geprügelter Hund, als er von seinem Weg ins erste Australian-Open-Finale berichtete. Während ihm die Schlagzeilen daheim einen «genialen Stil» («Telegraph») und eine «beeindruckende Leistung» («Guardian») im Halbfinale gegen den Kroaten Marin Cilic bescheinigten, sagte der 22-Jährige mit bestem britischen Understatement: «Ja, ich bin froh, es überstanden zu haben.»

Die Anspannung wollte so kurz nach dem in vier Sätzen gewonnenen Vorschlussrunden-Match nicht weichen. Dabei fühlte sich Murray körperlich in bester Verfassung, hatte er in den bisherigen Spielen doch durchaus Kraft sparen können, weil er bis auf das Match gegen Cilic nie mehr als drei Sätze benötigt hatte. «Eines kann ich versprechen», meinte er denn auch, «fürs Finale bin ich frisch und topfit - geistig und körperlich.»

Murray dachte zurück an die US Open 2008. In seinem ersten Grand-Slam-Finale, das er gegen Roger Federer in drei glatten Sätzen verlor, war er übernervös gewesen und zudem «hatte ich vorher drei Matches an drei Tagen bestritten», erklärte er. «Alles war so neu für mich und alles so schnell gegangen.» Die Nerven werden diesmal nicht das Problem sein im Endspiel, und auch nicht die fehlende Kraft. «Ich bin froh, dass ich jetzt zwei Tage frei habe», sagte er.

«Murray hält den Traum am Leben», titelte die «Times» und meinte dies in doppeltem Sinne. Denn natürlich will der beste Tennisprofi Großbritanniens den ersten Grand-Slam-Titel für sich holen. «Aber ich will ihn auch gewinnen für die Leute um mich herum, für meine Familie und natürlich für das britische Tennis.» Seit Jahrzehnten schon warten die Briten auf einen neuen Fred Perry. Der legendäre Spieler war der letzte Brite, der 1934 in Australien gewonnen hat. John Lloyd hatte es 1977 ins Finale geschafft.

Dass Murray an dieser Last zerbrechen könnte, kann nur glauben, wer den Hype um den jungen Tennisprofi in Wimbledon nicht kennt. Sogar ohne Karten für den Center Court tummeln sich dort Tausende auf dem sogenannten Murray-Mountain, wenn der Lokalmatador aufschlägt. Schon Wochen vor Turnierbeginn beginnt die Hatz, aber Murray steckt dies locker weg. «Es ist eben so, damit muss ich zurechtkommen.»

In Melbourne ist es vergleichsweise ruhig um den Briten, der von jeher betont, ein Schotte zu sein. Von daher könnte man sogar sagen, dass er der erste Tennisprofi seines Heimatlandes ist, der im Melbourne Park um den mit knapp zwei Millionen Dollar entlohnten Titel spielt. «Man spürt den Druck hier fast gar nicht», meinte Murray und noch immer hellte sich seine Miene nicht auf. «Hier lese ich keine Zeitungen und auch im Fernsehen kommt nichts über mich. Himmlisch; es ist wirklich ganz anders als in Wimbledon.»

Das ist gut so für die Nummer vier der Tennis-Welt, die mit einem Turniersieg wieder Platz zwei der Weltrangliste einnehmen würde. Denn Wimbledon 2009, speziell das Halbfinale gegen Andy Roddick, hängt dem steilen Aufsteiger noch nach. «Ich hatte die Chance, ins Finale zu kommen. Es war ganz, ganz knapp.» Melbourne soll nun ein Wendepunkt sein und der Ort seines erstes Major-Triumphes. Das Orakel sagt, die Chancen stehen nicht schlecht bei seinem 17. Grand-Slam-Auftritt. Denn auch Rekord-Champion Roger Federer brauchte 17 Anläufe, bis er 2003 in Wimbledon seine erste Grand-Slam-Krone aufsetzten konnte. (dpa)

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