Faktor Heimspiel Mythos Heimvorteil

Welchen Einfluss hat die gewohnte Atmosphäre und das bekannte Spielfeld auf die Ergebnisse im Amateursport? Die Fußball- und Handballteams in der Region punkten zu Hause besser als auswärts.
14.07.2017, 15:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Patrick Hilmes und Michael Kerzel

Eines der geflügelten Worte im Sport stellt der sagenumwobene Heimvorteil dar. Im Fußball werden die Zuschauer als zwölfter Mann, im Handball als achter bezeichnet. In fast allen Sportarten gilt laut Volksmund: Spielt eine Mannschaft vor seinen Fans auf dem eigenen Rasen oder in der heimischen Halle, dann hat sie einen Vorteil. Doch stimmt das auch? Zahlt sich der Heimvorteil wirklich aus? Oder handelt es sich lediglich um einen Mythos?

Bei Heimspielen entfällt außerdem der Reisestress

Ein Faktor ist die Atmosphäre: Während die Gegner von den heimischen Anhängern oft ausgebuht werden, wird das eigene Team besungen und angefeuert. Doch die Zuschauer spielen nicht die einzige Rolle. Dem Sportplatz oder der Halle kommt ebenfalls eine große Bedeutung zu. Die Sportler kennen das Terrain, wissen, wo auf einem Platz der Rasen ein bisschen tiefer ist, wie schnell der Ball rollt, welche Maße das Feld hat oder in welcher Halle der Belag etwas rutschiger ist. Zudem entfällt bei Heimspielen der Reisestress.

Doch schlägt sich das alles positiv im Ergebnis nieder? Oder ist es doch eher so, dass heimische Fans die Sportler einschüchtern? Ist es doch ein Nachteil, wenn die Freundin, der Freund, die Verwandten, die Freunde einen von der Seitenlinie aus beobachten? Denn im Amateursport sind viele der Zuschauer nicht unbedingt wegen des Sports an sich vor Ort, sondern eher wegen des einzelnen Sportlers.

„Das hat auf jeden Fall einen positiven psychologischen Effekt“

Die meisten Zuschauer in der Region hat der SV Atlas Delmenhorst. Rund 930 Fans feuern die Blau-Gelben im Schnitt an. „Das hat auf jeden Fall einen positiven psychologischen Effekt“, meint Trainer Jürgen Hahn. Das liege vor allem daran, dass beispielsweise der Block H die Mannschaft auch dann lautstark unterstütze, wenn sie schlecht spielt. „Bei Jahn Regenburg war das Publikum sehr kritisch und hat schnell gepfiffen. Da kann ein Heimspiel nachteilig sein“, weiß Hahn. Ebenso wichtig sei, dass die Spieler die heimischen Umstände und Abläufe kennen. „Jeder kennt die Maße des Platzes und weiß, wo er eventuell etwas abfällt und wo ein Huckel ist“, erklärt der Atlas-Coach. Zudem entfalle der Reisestress. Die Statistik belegt den Heimvorteil: Atlas holte im Stadion an der Düsternortstraße in der zurückliegenden Aufstiegssaison 33 Punkte, auswärts dagegen „nur“ 28. Reisestress gibt es in den unteren Ligen weniger, hier spielt der Wohlfühlfaktor eine größere Rolle, meint beispielsweise Thomas Baake. Der Trainer des VfL Stenum berichtet, dass seine Mannen im „Wohnzimmer“ am Kirchweg seltener Spiele aus der Hand geben. „Die Spieler fühlen sich hier einfach pudelwohl, und das merkt man auch“, sagt er. Dazu komme die Spielweise der Gegner: Stenum habe zu Hause häufiger den Ball, das gefalle seinem Team. 34 der 54 Punkte in der Bezirksligaspielzeit holte die Baake-Elf daheim.

Auch der VfL Wildeshausen holte in der zurückliegenden Saison mit 18 Zählern deutlich mehr im Krandelstadion als auf fremden Plätzen (10). Trainer Marcel Bragula sieht dafür vor allem die treuen Anhänger als Grund: „Die Spieler wollen die eigenen Zuschauer begeistern. Dafür tun sie alles“, berichtet er. Dazu komme die spezielle VfL-Mentalität, da sich nahezu die gesamte Mannschaft aus Wildeshausern zusammensetze, die es besonders den heimischen Fans recht machen wollen. In der Landesliga seien zudem die teilweise langen Anfahrten zu Auswärtspartien hinzugekommen, die auch eine Rolle spielen würden.

Auf einen Heimvorteil in der kommenden Saison hofft der Bezirksliga-Aufsteiger SV Baris. In der Kreisliga konnten die Delmenhorster zu Hause lediglich 33 Punkte einfahren, auswärts waren es 40. Trainer Önder Caki begründet das mit der Spielweise: „Die Gästeteams standen bei uns immer sehr tief und haben zu Hause gegen uns etwas offensiver agiert. Das kam uns entgegen“, erklärt der Coach. Er hoffe, dass die Gegner in der Bezirksliga offensiver gegen Baris antreten und seine Mannen unterschätzen, damit diese kontern können – auch in Heimspielen.

"Wenn die Halle tobt, dann pusht das schon richtig"

Im Delmenhorster Handball kocht die Stadionhalle regelmäßig, wenn die HSG um Punkte kämpft. „Wenn die Halle tobt, dann pusht das schon richtig. Dann haben wir zwei, drei Körner mehr“, versichert André Haake, der in der vergangenen Saison als Spielertrainer beim Oberliga-Absteiger fungierte. Zudem spiele der Hallenboden eine wichtige Rolle, da dieser auswärts manchmal rutschiger sei als der gewohnte in eigenen Gefilden. „Was auch sehr viel ausmacht, ist, wenn ohne Backe gespielt wird“, berichtet Haake, der in der kommenden Saison nur noch Spieler bei der HSG Delmenhorst sein wird. An der Delme holten die Handballer in der zurückliegenden Spieltzeit elf Punkte, auswärts waren es lediglich acht.

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