Fußball Oberliga

Neuformation, Teil eins

Der TB Uphusen verkündet drei weitere Zugänge, alle sind es namhafte. Doch es werden den Verein wohl auch zwei wichtige Stützen noch im Winter verlassen.
14.12.2017, 16:08
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Neuformation, Teil eins
Von Patrick Hilmes
Neuformation, Teil eins

Efkan Erdogan.

Björn Hake

Uphusen. Der Startschuss ist gefallen: Wie bereits angekündigt, plant der Fußball-Oberligist TB Uphusen, sich im Winter neu aufzustellen. Der bisherige Kader soll ein stark verändertes Gesicht bekommen. Am Wochenanfang sprachen Coach Fabrizio Muzzicatto und der Sportliche Leiter Florian Warmer von sechs, sieben, acht potenziellen Zugängen und sechs, sieben, acht potenziellen Abgängen. „Der Plan meines Bruders mit den vielen jungen Spielern hätte aufgehen können. Wenn er es getan hätte, hätte die Mannschaft vielleicht in drei Jahren in der Oberliga Bäume ausreißen können. Aber in unserer Situation muss ich nun etwas verändern“, begründet Fabrizio Muzzicato die Neuformation. Und die ist nun im vollen Gange, die ersten Namen – neben Dennis Janssen (bereits Ende November von SV Atlas Delmenhorst verpflichtet) – sind bereits spruchreif.

Zweimal Bremer SV, einmal Hastedt

Beim Bremen-Ligisten Bremer SV herrscht derzeit reichlich Unruhe. Das hat natürlich auch diverse andere Vereine auf den Plan gerufen. Der TBU ist einer von ihnen, und der TBU hat und hatte gute Karten in puncto Überzeugung. Denn vergangene Saison saß noch Fabrizio Muzzicato auf dem Trainerstuhl der Bremer. „Gäbe es diese Situation beim BSV nicht, wäre ich auch nie an Spieler herangetreten, das wäre nie ein Thema gewesen“, betonte Muzzicato, „aber wenn ich höre, dass der und der mit dem und dem verhandelt, dann muss ich anfragen, sonst wäre ich ja schön blöd“.

Und Muzzicato hat erfolgreich angefragt, bisher zweifach. Ole Laabs und Sebastian Kurkiewicz werden nach der Winterpause das Uphuser Trikot überstreifen, beides Wunschspieler von Muzzicato. Ole Laabs soll das defensive Mittelfeld der Arenkampkicker bereichern. „Ole kenne ich eine Ewigkeit, er ist physisch ein Monster, er ist eine klare Sechs und eine Autorität, ein Charakter. Wir haben viele nette, ruhige Typen. Ole ist anders. Er kann die Mannschaft auch mal wachrütteln“, beschreibt Muzzicato den 31-Jährigen. Im Gegensatz zu den Sechsern Yannis Becker und Stefan Denker sei Laabs jemand, der eher defensiv denkt, der eher seine Position hält und nicht so sehr den Drang nach vorne verspüre.

Anders Sebastian Kurkiewicz: Der 30-Jährige ist variabel in der Offensive einsetzbar und hat seinen Torriecher in dieser Saison bereits unter Beweis gestellt (zehn Treffer). „Ich bin schon immer Fan von ihm, er ist einer der besten Spieler, die ich kenne“, schwärmt Muzzicato, „er war der erste Spieler auf meiner Liste, ihn wollte ich unbedingt haben.“ Zwar sei am Ende die Situation beim Bremer SV ein Glücksfall für den TBU, aber der Ex-Coach vergisst auch nicht, wo er herkommt. „Es ist schade und traurig um den Verein. Ich hoffe, sie bekommen wieder alles geregelt.“ Laabs und Kurkiewicz wurde im Zuge der Unruhen beim Bremer SV mitgeteilt, dass sie den Verein verlassen müssen. Sie sollen bereits die Entmachtung von Klaus Gelsdorf im Sommer betrieben und den kürzlichen Streik initiiert haben.

Doch der TB Uphusen hält es mit neuen Spielern so, dass ihre Vergangenheit Vergangenheit ist. "Bei uns fängt man bei null an", betont Florian Warmer. Und das gilt auch für Zugang Nummer drei: Yagmur Horata. Der 22-Jährige läuft ebenfalls nach der Winterpause am Arenkamp auf. Sein Ex-Verein, der Bremen-Ligist BSC Hastedt, trennte sich Mitte November von Horata. "Yagmur ist ein super Fußballer, aber jeder weiß auch, dass er einen schwierigen Charakter hat. Er hat sich auf und neben dem Platz ein paar Fehltritte geleistet, die jetzt ein gewisses Maß überschritten haben und nicht mehr tragbar sind“, verriet BSC-Trainer Gökhan Deli unserer Zeitung. Insbesondere mangelhafte Pünktlichkeit wurde Horata vorgeworfen. Fabrizio Muzzicato weiß um das Gerede über seinen neuen Stürmer, der bereits zwölf Tore in dieser Spielzeit markierte. "Er muss das in den Griff bekommen. Aber dann kann er explodieren. Ich habe Yagmar schon länger beobachtet, er hat ein unglaubliches Tempo." Und auch Florian Warmer ist überzeugt von dem neuen Torjäger: "Er weiß, wo der Kasten steht, das hat er oft genug bewiesen."

In puncto Erwartungshaltung bezüglich der drei Neuen tritt Muzzicato jedoch auf die Bremse. Die Oberliga sei eine andere Nummer als die Bremen-Liga. „In der Bremen-Liga wird so mancher Fehler nicht bestraft, machst du einen in der Oberliga, kannst du davon ausgehen, dass du dir drei Sekunden später ein Gegentor fängst.“ Zudem hätten insbesondere die beiden vom Bremer SV nicht immer alles in ihren Partien geben müssen. „Wenn du in vielen Spielen nur 60 Minuten Gas geben musst und das reicht, dann kann es schwierig sein, sich auf 100 Prozent umzustellen, denn das müssen sie in Uphusen. Vielleicht brauchen sie somit noch etwas Eingewöhnungszeit, vielleicht klappt es aber auch vom ersten Spiel an.“

Die Regionalliga ruft

Vielleicht, das ist das Stichwort der Kehrseite. Denn zwei wichtige Stützen werden dem TBU wohl noch in der Winterpause wegbrechen. Für beide hat Florian Warmer Anfragen von Regionalligisten auf dem Schreibtisch liegen. „Tobias Esche hat uns mitgeteilt, dass er zum BSV Rheden wechseln möchte“, berichtet Warmer. Rheden, der Klub von Fabrizios Bruder und Uphuser Ex-Coach Benedetto Muzzicato. „Es gibt mit meinem Bruder die Abmachung, dass er vorerst keine Spieler vom TBU holt. Aber Tobias hat auch die Vereinbarung, dass er wechseln darf, wenn eine Anfrage von oben kommt“, erzählt Fabrizio Muzzicato. Er könne seinen Bruder verstehen, immerhin hätte sich der Kapitän unglaublich im letzten halben Jahr entwickelt. „Seine Art zu spielen, wie er Fußball denkt und sieht, er muss auch Regionalliga spielen. Es ist natürlich schade für uns, Tobias ist überragend, aber es geht ums Team. Auch er alleine konnte uns nicht vor dieser Lage bewahren.“

Der zweite Spieler, der mit einem Regionalligisten kokettiert, ist Efkan Erdogan. Das Offensiv-Talent machte insbesondere zu Saisonbeginn auf sich aufmerksam. Im weiteren Verlauf baute Erdogan zwar an Leistung ab, was jedoch auch daran liegen könnte, dass frühzeitig Interesse vom VfB Oldenburg bekundet wurde. Und Erdogan will diesem Ruf folgen. „Sein Bruder spielt dort, zudem ist es der VfB Oldenburg, verständliche Geschichte“, sagt Muzzicato. Doch noch ist weder bei Esche noch bei Erdogan alles geklärt. Der TBU muss sich noch mit dem BSV und dem VfB einigen. Im Bezug auf Rheden und Esche sei laut Warmer auch ein Tauschgeschäft denkbar.

Dennoch trauert Muzzicato den wahrscheinlichen Abgängen hinterher. „Wir verlieren zwei Spieler, die wir nicht verlieren wollten. Das ist schade, denn wir bauen gerade etwas auf und haben Namen, wie es sie lange nicht mehr beim TBU gab.“

Abschied von Koltonowski

Ein weiterer Name wird den Verein ebenfalls verlassen, jedoch nicht aus eigenem Antrieb: Sebastian Koltonowski. „Mit Kolto ist das ein schwieriges Thema. Er ist ein klasse Typ, auch spielerisch. In der Mannschaft waren auch einige schockiert“, erzählt Muzzicato. Das Problem sei jedoch der Fokus von Koltonowski. „Er setzt seine Schwerpunkte mehr auf sein Berufs- und Privatleben, was ich auch akzeptiere und respektiere. Aber er ist auch jetzt von Mitte November bis Mitte Februar im Urlaub, macht somit die gesamte Vorbereitung nicht mit. Ich brauche einfach Leute, die präsent sind, mit denen ich im Training arbeiten kann. In einer funktionierenden Mannschaft wäre das etwas anderes, aber wir sind nun mal in einer schwierigen Situation.“

Viele neue, viele alte Namen beim TBU. Und das Wechsel-Karussell hat gerade erst angefangen, sich zu drehen. „Ich denke, in den nächsten Tagen wird noch einiges passieren“, kündigt Muzzicato bereits den nächsten Teil der Neuformation an.

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