Brinkum hat die Regionalliga-Relegation als Außenseiter begonnen und als Außenseiter beendet – 0:4 in Wolfsburg Nicht gepunktet, aber viel dazugelernt

Brinkum. Frank Thinius wirkte ziemlich gelöst, kein bisschen verärgert, kein bisschen zweifelnd. Nach der dritten Niederlage im dritten Relegationsspiel zur Fußball-Regionalliga Nord – einem deutlichen 0:4 (0:2) bei Lupo Martini Wolfsburg – stellte er sachlich fest, dass "wir jetzt genau wissen, wo wir hingehören". In die Bremen-Liga nämlich. Noch ist der amtierende Tabellenfünfte, rein sportlich betrachtet, ein gutes Stück von der Regionalliga entfernt.
12.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Nicht gepunktet, aber viel dazugelernt
Von Jens Hoffmann

Brinkum. Frank Thinius wirkte ziemlich gelöst, kein bisschen verärgert, kein bisschen zweifelnd. Nach der dritten Niederlage im dritten Relegationsspiel zur Fußball-Regionalliga Nord – einem deutlichen 0:4 (0:2) bei Lupo Martini Wolfsburg – stellte er sachlich fest, dass "wir jetzt genau wissen, wo wir hingehören". In die Bremen-Liga nämlich. Noch ist der amtierende Tabellenfünfte, rein sportlich betrachtet, ein gutes Stück von der Regionalliga entfernt.

Sämtliche vagen Aufstiegshoffnungen der Brinkumer hatten sich bereits vor der Partie in der VW-Stadt erledigt. Die Gäste konnten also vollkommen befreit aufspielen, was jedoch nichts an ihrer grundsätzlichen Unterlegenheit änderte. Der Gegner aus der Oberliga Niedersachsen war von der ersten bis zur letzten Minute dominanter, eingespielter, präsenter, gedankenschneller – fußballerisch einfach besser, ausgereifter. Brinkum dagegen agierte wie eine Mannschaft, die sich in einem Lernprozess befindet – was ja auch stimmt.

"Für mich war es einfach interessant zu sehen, wo wir im Vergleich zu solchen Mannschaften stehen", bemerkte nachher Frank Thinius. Resultat: Die Brinkumer müssen sich gegenüber den Top-Mannschaften der anderen nördlichen Oberligen (noch) hinten anstellen.

Aber das ist kein Beinbruch, schließlich war die Außenseiterrolle des Bremen-Liga-Vertreters von Beginn an zementiert. Niemand zweifelte daran – weder die Brinkumer selbst noch deren Gegner. Wie sich diese Ausgangslage in 90 Minuten niederschlägt, war in Wolfsburg eindrucksvoll zu beobachten. Die Gastgeber diktierten das Geschehen wahlweise durch eigene Aktionen oder durch das bloße Warten auf Brinkumer Fehler, die sich prompt und wiederholt einschlichen. So resultierte das 1:0 aus einem Eckball, der von BSV-Keeper Niklas Frank unnötigerweise verursacht worden war. Letztlich war es Anton Dietz, der den Ball über die Linie drückte (3.). Das 2:0, 3:0 und 4:0 waren in ihrer Entstehung fast schon beängstigend deckungsgleich. Drei Mal konterten die Wolfsburger ihren Gegner über die Außenpositionen aus und drei Mal konnte der sie daran nicht hindern. Erst hieß der Nutznießer Andrea Rizzo (41.), dann Ferhat Oral (67.), schließlich Giuseppe Giandolfo (83.). Es sah so einfach aus und war für Frank Thinius das logische Ende eines ungleichen Kräftemessens. "Die Wolfsburger waren einfach schneller, athletischer, dynamischer als wir", resümierte er. Man sei gegen Beton gelaufen. "Oft wussten wir uns nur durch Foulspiele zu helfen", gestand Thinius. Deshalb sei der Sieg von Lupo Martini "auch in dieser Höhe verdient".Paradoxerweise vermittelten die BSV-Akteure nach dem Schlusspfiff einen aufgeräumteren Eindruck als ihre Kollegen aus Ost-Niedersachsen. Denen half ihr Kantersieg nämlich nichts mehr. Neben Brinkum muss auch Lupo Martini Wolfsburg in der Fünftklassigkeit bleiben. Den Aufstieg in die Regionalliga Nord schafften dagegen der FC Eintracht Norderstedt (was bereits vorher feststand) und der SV Eichede, der just am finalen Spieltag die Norderstedter mit 2:0 bezwang.

So traten die Brinkumer die Heimreise mit einem guten Gefühl an – trotz allem. "Es war auf jeden Fall wichtig und richtig, diese Relegation gespielt zu haben", betonte Frank Thinius zum Abschluss noch einmal.

KOMMENTAR

Der richtige Weg

VON JENS HOFFMANN

Ja, sicher. Die vielen Skeptiker, die die Relegationsteilnahme des Brinkumer SV von Anfang an kritisch, mitunter hämisch begleitet haben, scheinen am Ende Recht zu behalten. Der Tabellenfünfte der Bremen-Liga war im direkten Vergleich gegen die Top-Teams aus den Oberligen Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen chancenlos. Aber sind es letztlich nur die nackten Resultate, die zählen? Ist der Brinkumer SV einfach nur gescheitert? Nein! Denn der Verein hat seinen Spielern eine attraktive Perspektive eröffnet. Er hat ihnen gezeigt, dass sich sportlicher Erfolg in der Bremen-Liga eben doch auszahlen kann und dass diese Liga keinesfalls eine geschlossene Gesellschaft sein muss. Das alleine ist im Zweifelsfall mehr Wert als Siege und Punkte.

Schon die Tatsache, dass die Brinkumer derart ehrgeizige Ziele ausgegeben haben, ist deshalb lobenswert. Sie haben mit ihren Regionalliga-Plänen für reichlich Gesprächsstoff gesorgt und die Konkurrenz ein wenig wachgerüttelt. Motto: Was die schaffen, schaffen wir auch. Der Brinkumer SV könnte eine Art Türöffner sein. Und damit wäre bereits sehr viel gewonnen.

Denn, seien wir mal ehrlich: Bremens höchste Fußballklasse ist ein merkwürdiges Konstrukt. Seit Jahr und Tag versammeln sich dort die mehr oder weniger gleichen Vereine, die von den immer gleichen (wenigen) Zuschauern begutachtet werden. Die Liga gilt zwar formell als Oberliga, schmort in Wahrheit aber im eigenen Saft. Für talentierte Spieler ist es unter diesen Voraussetzungen verdammt schwer, sich einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, auf sich aufmerksam zu machen. Zumal die meisten Vereine die Regionalliga als unerreichbare Fantasterei abtun und keine Anstalten machen, daran etwas zu ändern. Nun hat der Brinkumer SV mit seiner jungen Mannschaft versucht, den Gegenbeweis anzutreten und hat damit den richtigen Weg eingeschlagen – trotz der drei Niederlagen.

jens.hoffmann@weser-kurier.de

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