Nachgefragt: Dötlingens Torwart Hendrik Schulz über den sensationellen Pokalsieg gegen Wildeshausen „Nun bin ich der Held, nicht der Blödmann“

Es war die große Überraschung in der ersten Runde des Bezirkspokals: Die Kreisliga-Fußballer des TV Dötlingen setzten sich gegen den Landesligisten VfL Wildeshausen mit 6:3 nach Elfmeterschießen durch. Zum Matchwinner wurde dabei Dötlingens Torwart Hendrik Schulz.
04.08.2015, 00:00
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Es war die große Überraschung in der ersten Runde des Bezirkspokals: Die Kreisliga-Fußballer des TV Dötlingen setzten sich gegen den Landesligisten VfL Wildeshausen mit 6:3 nach Elfmeterschießen durch. Zum Matchwinner wurde dabei Dötlingens Torwart Hendrik Schulz. Mit Christoph Bähr sprach der 23-Jährige über den Pokalcoup und seine besondere Rolle im Elfmeterschießen.

Herr Schulz, wie haben Sie sich vor dem Elfmeterschießen gegen Wildeshausen gefühlt? Hatten Sie eine Vorahnung, dass Sie zum Pokalhelden werden könnten?

Hendrik

Schulz:

Beim Elfmeterschießen habe ich immer ein gutes Gefühl. Ich war nur ein bisschen nervös, weil ich ja auch als unser fünfter Schütze vorgesehen war. Deshalb habe ich mir gedacht: Hältst du lieber ein paar, dann musst du nicht selbst schießen. Nun bin ich der Held, nicht der Blödmann, der am Ende verschießt.

Sie haben die Schüsse von Sascha Görke und Kevin Kari pariert. Wussten Sie, wohin die beiden zielen oder war es Intuition?

Ich hatte immer einen ersten Gedanken, und auf den habe ich gehört. Beim einzigen Elfmeter, den ich reingelassen habe, hat jemand von außen gerufen: „Er schießt in dieselbe Ecke wie der vorher!“ Das hat mich aus dem Konzept gebracht. Bei den Schüssen, die ich gehalten habe, habe ich nicht groß nachgedacht. Beide gingen von mir aus in die linke Ecke. Das ist eigentlich meine schwache Seite, aber an dem Tag passte eben alles 100-prozentig.

Und warum waren Sie auch als Schütze vorgesehen? Sind Sie so sicher vom Punkt?

Zwei Leute von uns, die als Schützen in Frage kommen, waren schon ausgewechselt. Vor einem Jahr sind wir gegen Ahlhorn im Elfmeterschießen au

s dem Bezirkspokal geflogen. Da sollte ich eigentlich auch schießen, aber irgendwie hatte Georg (Zimmermann, der Dötlinger Trainer, Anm. d. Red.) mich dann doch nicht mehr als Schütze auf dem Zettel. Normalerweise mache ich die Elfmeter auch rein, aber man weiß natürlich nie, was dann wirklich passiert, wenn man als fünfter Schütze gegen Wildeshausen unbedingt treffen muss.

Diese Aufgabe blieb Ihnen erspart, der Pokalheld waren Sie trotzdem. Was passierte, als der Sensationssieg gegen Wildeshausen perfekt war?

Da konnte ich mich nicht mehr retten. Im Pulk lag ich ganz unten.

Mit dem Erfolg über den zwei Klassen höher spielenden Gegner hätten im Vorfeld wohl nur die kühnsten Optimisten gerechnet. Wie war es bei Ihnen? Haben Sie ein bisschen auf die große Überraschung gehofft?

Uns liegen Spiele gegen Mannschaften, die mitspielen. Außerdem sehen wir im Pokal oft gut aus, wenn es um alles oder nichts geht. Trotzdem haben wir vorher gedacht, dass Wildeshausen eine Nummer oder sogar zwei Nummern zu groß ist.

Wann haben Sie dann im Spiel gemerkt, dass gegen den großen Favoriten doch etwas möglich sein könnte?

Als es nach einer halben Stunde immer noch 0:0 stand, wurden die Wildeshauser langsam unruhig. Da haben wir gemerkt, dass etwas möglich ist. Wir hätten zur Pause sogar führen können.

Kurz vor Schluss sah Ihre Mannschaft dann aber wie der sichere Verlierer aus. In der 89. Minute ging Wildeshausen mit 2:1 in Führung. Was haben Sie in dem Moment gedacht?

Ich bin erst einmal zu Boden gesackt und habe mir gedacht: Wie kann das sein? Wir haben so gut gespielt und stehen dann doch mit leeren Händen da.

In der 92. Minute gelang Julian Eilers aber tatsächlich noch der Ausgleich für Dötlingen. Dabei wurde er von Wildeshausens Keeper Lauren Riedel angeschossen . . .

Ich würde meinem Gegenüber da gar keinen Vorwurf machen. Das war eben Pech. Und im

Endeffekt war es ausgleichende Gerechtigkeit, denn wir hatten den Ausgleich wirklich verdient.

Jetzt steht der TV Dötlingen in der zweiten Runde des Bezirkspokals. Haben Sie einen Wunschgegner?

Der SV Atlas wäre für uns sicherlich am attraktivsten. Daneben sind ja auch noch andere große Namen dabei: der SV Wilhelmshaven

oder Kickers Emden. Mal sehen, wen wir kriegen, und dann versuchen wir, nochmal eine kleine Überraschung zu schaffen.

Gibt der Erfolg über Wildeshausen jetzt auch Rückenwind für die beginnende Kreisliga-Saison?

Wir dürfen den Sieg im Pokal nicht überbewerten, denn die Liga hat Vorrang. Wenn wir immer solch eine Leistung abrufen wie gegen

Wildeshausen, können wir sicherlich oben mitmischen. Allerdings gibt es in der Kreisliga nicht viele Gegner, die mitspielen wollen. Gegen Teams, die hinten drin stehen, tun wir uns oft schwer. Nur wenn wir solche Mannschaften auch schlagen, können wir weiter oben landen.

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