Meine Woche

Oben klar und unten dicht, mehr woll’n wir nicht

Ditmar Grotheer (73) ist stellvertretender Fußball-Spartenleiter des SV Lemwerder. Der Torwart ist seit 42 Jahren verheiratet, hat zwei Kinder sowie vier Enkelkinder.
16.01.2018, 15:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Oben klar und unten dicht, mehr woll’n wir nicht

Meine Woche

frei

Mittwoch, 10. Januar: Ich stehe gegen 8 Uhr auf, um mit meiner Frau Ilona zu frühstücken. Diese Woche stehen die letzten Vorbereitungen für unser Hallen-Fußballturnier um den Bremen-Nord-Cup an, die ich mit organisiere. Den sportlichen Teil plant wie immer unser Trainer Norman Stamer. Was das leibliche Wohl betrifft, steht uns Christel Weinmann, die Großmutter unserer Fußballer Tim und Malte Weinmann mit Rat und Tat zur Seite. Um 14.15 Uhr hole ich mit meiner Frau unsere beiden Enkel vom Kindergarten und Hort ab. Jette wird im Februar drei und der „große“ Jannis neun Jahre. Die beiden sind zwei- bis dreimal die Woche nachmittags bei uns. Das ist zwar teilweise anstrengend. Aber ich finde es auch schön, die Kinder heranwachsen zu sehen. Diese wollen natürlich beschäftigt werden. Jetzt im Winter sind die Möglichkeiten aber eingeschränkt. Nach dem Abendbrot gönne ich mir noch einen Abstecher zur Ernst-Rodiek-Halle, in der unsere Ü 50 Training hat. Hier wird über das Lospech von Werder im DFB-Pokal mit dem Spiel in Leverkusen gesprochen und dass es endlich wieder mit der Bundesliga losgeht.


Donnerstag, 11. Januar: Morgens erhalte ich die Mannschaften der Vorbereitungsspiele und die Termine. Man merkt, dass Norman Stamer nach der Hinrunde und dem guten Abschneiden mehr will. Die Vorbereitung auf die Rückrunde steht im Fokus. Ich hoffe nur, dass sich beim Hallenturnier niemand ernsthaft verletzt. Es fehlen jetzt für das Wochenende noch ein paar Helfer. Aber hier vertraue ich auf den Teamgeist im Verein. Ein Flutlicht am Kunstrasenplatz ist defekt. Der Vorstand will dieses Thema heute Abend noch einmal in der Gemeinde ansprechen. Diese Dinge ärgern mich einfach. Man meldet einen Mangel der Gemeinde. Dennoch tut sich wochenlang nichts. Auch dieses Mal müssen wir wieder warten. Trotzdem muss ich sagen, dass die Trainings- und Spielbedingungen für alle Sportarten schon recht ordentlich sind. Welche Gemeinde beziehungsweise welcher Stadtteil verfügt schon über drei Rasenplätze, einen Kunstrasenplatz, eine Halle mit Veranstaltungsräumen, einer Milchbar und sechs Umkleidekabinen? Hinzu kommen die kleine Halle mit Schwimmbad, eine Tennishalle mit drei Feldern, sechs Außenplätze, eine Skaterbahn, ein Bouleplatz und ein Reisemobilhafen. Es ist alles in nächster Umgebung der Kindergärten und die Schulen. Wer Sport betreiben will, wohnt hier richtig.


Freitag, 12. Januar: Heute ist Endspurt für den Bremen-Nord-Cup. Der Würstchen-Wagen von unserem Hauptsponsor Landschlachterei Horn aus Altenesch wird morgen gebracht. Getränke holt Oliver Busdorf ab. Christel Weinmann wird frische Brötchen holen. Diese werden von der Bäckerei Starke gesponsert. Da noch der Neujahrsempfang der Gemeinde stattfindet, werden wir morgen früh richtig unter Dampf stehen, damit um 10 Uhr alles reibungslos beginnen kann. Wir holen aber noch am Abend die Tore in die Halle und fixieren diese entsprechend. Auch hier bekommen wir Unterstützung von den Faustballern des Lemwerder TV. Uwe Kienast veranlasst nach dem Trainingsende alles Notwendige dazu. Derartige Absprachen haben all die Jahre immer wieder funktioniert. Ich gehe früh zu Bett, um alle Kräfte für morgen zu mobilisieren.


Sonnabend, 13. Januar: Ich stehe schon um 6 Uhr auf und fahre in die Ernst-Rodiek-Halle. Jeder Helfer weiß, was er zu tun hat. Kurz nach 9 Uhr treffen die ersten Mannschaften ein. Dieter Schimmel checkt die Anzeigetafel und das Mikrofon. Die bestellten Schiedsrichter sind ebenfalls da. Pünktlich um kurz vor 10 Uhr begrüßt Ralf Bande die Teilnehmer und weist auf die Regeln hin. Das gesamte Team hat bisher hervorragend funktioniert. Der Druck fällt jetzt auch von mir ab. Die belegten Brötchen mit Ei, Mettwurst und Käse sowie mit Hackepeter haben ihre Liebhaber gefunden. Gegen Abend wird dann auch schon mal das eine oder andere Bier getrunken – Siege müssen gefeiert werden, Niederlagen aber auch. Am Wurstwagen können sich Oliver Busdorf und Jochen Troschke ebenfalls nicht über den gemachten Umsatz beklagen. Hervorzuheben ist noch der souveräne Auftritt der beiden Jung-Schiris Ibrahim Curcik und Muhammed Özen. Sie zeigen eine klasse Leistung. Für die morgige Hauptrunde haben sich auch der JFV Bremen und die U 19 des Blumenthaler SV qualifiziert.


Sonntag 14. Januar: Heute greifen die gesetzten Mannschaften der höheren Ligen ein. Von den Hoffnungsträgern kann sich nur die U 19 des BSV bis ins Halbfinale durchbeißen, belegt am Ende Platz vier. Völlig unerwartet nach dem ersten Spieltag setzt sich der SV Grohn im Finale gegen den Bremen-Ligisten BSC Hastedt durch. Mein Glückwunsch. Björn Fecker überreicht bei der Siegerehrung den Pokal sowie die Siegprämie. Von allen teilnehmenden Mannschaften gibt es ein besonderes Lob für die Organisation, das Umfeld und den fairen Turnierablauf. Auch die Schiris haben einen erheblichen Beitrag geleistet.


Montag, 15. Januar: Ich muss schon wieder früh aufstehen, da meine Heizung gewartet wird. Auch ein neuer Kühlschrank wird geliefert und eingebaut. Dann nehme ich in Bremen an einer Schulung für Sipos teil. Das sind die Leute mit den gelben Jacken und der Tröte, die die Bauarbeiter beim Arbeiten im Gleis warnen oder auch mal eine Straßenbahn im Bedarfsfall anhalten. Hier werde ich manchmal eingesetzt. Es handelt sich um ein kleines Tagesgeld. Man kommt an die frische Luft, lernt Leute und Arbeitsmethoden kennen und muss im Kopf hellwach sein. Das hält jung und fit. Denn seien wir ehrlich: Viele Rentner, obwohl noch sehr rüstig, nehmen nur noch bedingt am täglichen Leben teil. Es gibt viele Tätigkeiten und auch Ehrenämter, die darauf warten, von solchen Menschen besetzt zu werden.


Dienstag, 16. Januar: Nach zwei Tagen Stress brauche ich Abwechslung und fahre so in die Eifel. Der finanzielle Teil vom Wochenende ist abgeschlossen. Ich muss allerdings noch die Kassenabrechnung für den Gesamtverein zum Abschluss bringen. Dann wird aber wieder irgendjemand mit einem Problem kommen. Auch dann werde ich helfen. Natürlich braucht man für so ein Engagement eine verständnisvolle Frau. Gemeinsame Ausflüge und private Events sollten dabei niemals zu kurz kommen. Gleichzeitig gibt es einen tollen Spruch meines Koronarsportlehrers für Rentner, den ich versuche zu beherzigen: „Oben klar und unten dicht, mehr woll´n wir nicht.“

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