Bremer Bäderkonzept

Oldags Appell an die Politik: Baut bitte jetzt die Bäder

Es gab bereits Diskussionen um die Schließung des Unibads oder die steigenden Kosten für geplante Neubaten. LSV-Chef Oldags ist es jedoch leid zu diskutieren, sondern Taten sehen.
02.03.2019, 20:55
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Oldags Appell an die Politik: Baut bitte jetzt die Bäder
Von Frank Büter
Oldags Appell an die Politik: Baut bitte jetzt die Bäder

Noch wird hier ­geschwommen: Doch das Unibad soll nach dem Willen des Senats geschlossen werden.

Eberhard Dengler

Die Bädersituation in Bremen ist in der jetzt zu Ende gehenden Legislaturperiode ein großes Thema gewesen. Es gab rege Diskussionen über das Bäderkonzept, über die geplante Schließung des Unibads, über steigende Kosten für die geplanten Neubauten an den Standorten Horn und Walle. Stephan Oldag ist dessen überdrüssig. Er will nicht mehr reden, nicht mehr diskutieren.

Er sagt: „Baut bitte jetzt die Bäder!“ Stephan Oldag ist seit Januar 2017 Präsident des Landesschwimmverbandes (LSV) Bremen, unter dessen Dach 30 Vereine mit rund 7000 aktiven und passiven Mitgliedern beheimat sind. Von Beruf ist er Architekt. Auch in seiner Ehrenamtsfunktion beim LSV will er etwas gestalten. Er hält das 2014 vom Senat, der Bremer Bäder GmbH und dem LSV auf den Weg gebrachte Bäderkonzept für alternativlos. „Die Wasserfläche in Bremen ist ausreichend, vorausgesetzt, dass die Bäderstandorte so erhalten bleiben“, sagt Oldag.

Lesen Sie auch

Der Schwimm-Präsident geht inhaltlich also konform mit Martina Baden, der Geschäftsführerin der Bremer Bäder GmbH. Auch Baden hatte zuletzt mehrfach betont, dass Bremen mehr als genug Wasserflächen habe und dabei auf eine Marktanalyse verwiesen. „Wichtig ist aber, dass diese Bäder auch geöffnet sind und geöffnet bleiben“, sagt Stephan Oldag. Der 53-Jährige hat große Sorge, „dass uns die Zeit davonläuft“.

Einige Bäder seien dringend sanierungsbedürftig

Er spricht von einem schleichenden Prozess. Einige Bäder seien dringend sanierungsbedürftig, betont Oldag. „Hier wurde über Jahrzehnte gespart – jetzt müssen wir der Wahrheit ins Auge blicken und endlich investieren.“ Er wünscht sich deshalb von allen politischen Parteien ein klares Statement für den Schwimmsport, „denn wenn das Horner Bad 2022 oder 2023 fertiggestellt ist, dann reden wir schon wieder über andere Bäder“.

Stephan Oldag geht es dabei nicht nur um die Wettkampfschwimmer, die im neuen Horner Bad mit den geplanten zehn 50-Meter-Bahnen ihre Heimstätte finden sollen. Viel mehr noch geht es ihm um das Schwimmen im Allgemeinen und insbesondere um die Schwimmausbildung. „Wir brauchen funktionierende Bäder, damit Kinder schwimmen lernen können, sonst verlieren wir Jahrgang um Jahrgang“, sagt Oldag. Derzeit könne nur die Hälfte aller Drittklässler schwimmen, „und das ist sehr dramatisch!“ Für eine „Stadt am Wasser“ sei das ein Armutszeugnis.

Lesen Sie auch

Die Gedankenspiele der Schulbehörde, den Schwimmunterricht auf die zweite Klasse vorzuziehen, hält Oldag für den richtigen Weg. Er sagt aber auch: „Schwimmen in der Schule ist keine Schwimmausbildung, sondern nur ein Verfestigen von Bewegungsabläufen. Eigentlich sollten Kinder bereits zwischen fünf und sieben Jahren einen Schwimmkurs absolvieren.“ Trotz aller Bemühungen der Vereine sei es heutzutage nicht mehr möglich, alle Kinder zu erreichen.

Will Berichte über tödliche Badeunfälle nicht mehr lesen müssen

Berichte von tödlich verlaufenen Badeunfällen insbesondere mit Nichtschwimmern will der LSV-Chef aber nicht mehr lesen müssen. Deshalb appelliert er an die Elternhäuser: „Bitte schickt eure Kinder frühzeitig zu einem Schwimmkurs.“ Und er sendet noch einen Appell an die Politik hinterher: „Gebt uns die Sicherheit, dass wir die benötigte Wasserfläche zur Verfügung haben, um in den nächsten Jahrzehnten Schwimmausbildung betreiben zu können.“

Wasserfläche ist dabei ein Aspekt, der Bäderzuschuss für die Anmietung von Wasserflächen ein weiterer. Mit 360 000 Euro pro Jahr bezuschusst die Politik derzeit die Vereine, die für angemietete Bahnen bis zu 25 Euro pro Stunde (Beispiel Unibad) bezahlen müssen. Ganz egal, ob für Trainings- oder Ausbildungszwecke. Diese Summe sei aufgrund der Haushaltsmisere in Bremen seit zehn Jahren unverändert geblieben und habe in der Folge dafür gesorgt, dass die Kosten für die Vereine anteilig von 20 auf 50 Prozent gestiegen seien, schildert Oldag.

Lesen Sie auch

Kosten, die wiederum von den Vereinen auf die Mitglieder und deren Beiträge umgelegt würden. „Mit höheren Mitgliedsbeiträgen grenzen wir aber wieder Menschen aus sozial schwächeren Schichten aus – das geht nicht.“ Für Oldag ist es also höchste Zeit, den Vereinszuschuss für die Wasserkosten deutlich anzuheben. „Wir haben mit der Politik bereits verabredet, dass wir da unbedingt rangehen müssen“, sagt Oldag. Und er hofft, dass man sich im Senat nach der Bürgerschaftswahl Ende Mai an eben diese Verabredung erinnert.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+