Auf der Rolle

Online-Rennen gegen die Wettkampfleere

Schwimm-Spezialist Daniel Klosa vom Blumenthaler TV bestreitet mit dem Team „Triathlöwen“ virtuelle Radrennen
07.05.2020, 15:25
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Martin Prigge

Blumenthal. Im Zuge der Einschränkungen der Corona-Krise ist die Schwimm-Saison gelaufen, es finden bis mindestens zum Sommer keine Wettkampfveranstaltungen statt. Die Nordbremer Schwimmerinnen und Schwimmer halten sich daher sozusagen im Homeoffice fit. Wörtlich nimmt diesen Begriff Daniel Klosa, denn der Athlet des Blumenthaler TV widmet sich seit rund vier Jahren neben dem Schwimmen noch dem Triathlon – und hat sein Zimmer daher schon länger zum mobilen Fitness-Studio umfunktioniert.

Viele Schwimmer finden den Weg zu dem Mehrkampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen, da das Schwimmen die technisch schwierigste Etappe eines Triathlons darstellt. Zusammen mit dem Team der Bremer „Triathlöwen“ füllt Daniel Klosa auch die derzeitige Wettkampf-Leere. Das Team befindet sich auf den Spuren des deutschen Ironman-Stars Jan Frodeno. Dieser hatte kürzlich mit einer Spendenaktion auf sich aufmerksam gemacht, im Rahmen derer er einen Ironman von zu Hause aus absolvierte und 200 000 Euro im Kampf gegen das Corona-Virus sammelte.

Die Kreativität hinter Frodenos Idee resultierte letztlich auch aus dem Erfolgsprodukt eines kalifornischen Unternehmens: 2014 ging in Los Angeles „Zwift“ an den Start, eine Online-Plattform für Läufer, Radfahrer und Triathleten, mithilfe derer sich virtuelle Strecken auf der heimischen Radrolle beziehungsweise dem Laufband absolvieren lassen. Auch in Bremen wird diese Plattform genutzt. Im Zuge des Lockdowns entstand so im April die Idee der norddeutschen Triathlon-Szene, sich über „Zwift“ Rennen zu liefern. Die Triathlon-Teams der zweiten und dritten Liga treten im Rahmen der „Zwift Tri Series“ gegeneinander an. Allerdings wird mangels Gegenstromanlage und Laufband in den meisten Haushalten ausschließlich auf den Rollen für die Rennräder geschwitzt.

„Das Programm nutze ich schon im normalen Training, weil Intervalle sehr gut gesteuert werden können und es sicherer ist als auf der Straße“, berichtet Daniel Klosa. Zwei von insgesamt acht Rennen, die jeden Sonntag stattfinden, haben der Blumenthaler und die Bremer Triathlöwen bereits absolviert. Aktuell fahren sie bei Rennen mit, an denen jeder teilnehmen kann. „Eventuell bekommen wir auf Zwift auch unsere eigene Wettkampfserie und es wird auch einen Livestream geben.“

Auf die erste Etappe zurückblickend sagt Daniel Klosa: „An dem Sonntag hieß es um 8 Uhr aufstehen, etwas Leichtes essen und genug Trinken bereitstellen, zwei Ventilatoren aufstellen und schauen, ob am Rad alles okay ist. Dann habe ich Zwift gestartet und war tatsächlich etwas aufgeregt – so richtig, wie man es von einem normalen Rennen kennt.“ Nach einem Skype-Treffen zur Taktik-Besprechung mit seinen Teammitgliedern folgte das Aufwärmen, ehe die Triathlöwen ab 10.05 Uhr in die Pedale traten.

„Wir hatten 40 Kilometer vor uns und ein paar wellige Passagen. Ich war nach wenigen Minuten eigentlich schon platt und habe gemerkt, wie sehr mir das gemeinsame Work-out mit Jan Frodeno zwei Tage vorher noch in den Beinen steckte“, so Daniel Klosa. Als sich das Feld in zwei Gruppen aufteilte, fiel der Blumenthaler zwar in die zweite Gruppe ab, konnte im Endsprint aber aufholen. „Das war super hart. 200 Meter vor dem Ziel habe ich alles ausgepackt, das ich noch hatte.“ Im bereinigten Endergebnis landete Daniel Klosa auf dem 28. Rang.

Doch damit nicht genug: Im Rahmen seines Trainings absolvierte der BTV-Ausdauersportler auch noch ein „Everesting“, fuhr also die Höhenmeter des Mount Everest ab. Dafür stieg er um bereits in der Frühe um 6.40 Uhr aufs Rad und war um 19.30 Uhr fertig – Pausen gab es lediglich bei mehreren zwölfminütigen Abfahrten. Ein Abzeichen auf „Zwift“, das Klosa für diese Tour erhielt, war zugleich seine Motivation gewesen. Nach dem zweiten Rennen der „Zwift Tri Series“ steht das Team der Triathlöwen nunmehr auf dem elften Platz. Daniel Klosa fuhr selbst auf Rang 134. „Ich hatte super schwere Beine vom Everesting“, so der Athlet. „Diese Etappe war zwar relativ kurz mit nur 26,2 Kilometern. Aber dafür gab es einen Berg, der sich über mehrere Kilometer erstreckte. Weil ich zu den schwersten Fahrern gehöre, war die Taktik daher, zu versuchen, dranzubleiben und irgendwie den Berg zu überleben – denn der Zielsprint war wieder für mich gemacht.“

Dann holte das Team der „Triathlöwen“ aber ein Problem ein, das gerade in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling eine besondere Gewichtung erhält: Zwei Mitfahrer bekamen Verbindungsprobleme mit „Zwift“ – und da immer drei Fahrer pro Team gewertet werden und nun nur noch zwei „Triathlöwen“ ganz vorne mitfuhren, werde die zweite Etappe laut Daniel Klosa ein Streichergebnis.

Die Motivation, auch die weiteren sechs Rennen der Serie durchzuziehen, sei aber ungebrochen: „Jetzt müssen wir ja erst recht Gas geben. Für die nächsten Rennen werde ich mich auch wieder besser vorbereiten.“ Auch hofft er, dass die Verbindungsprobleme aus der Welt seien: „Das lag wohl an einem Zwift-Update.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+