Padel in Melchiorshausen

Die Spitzenspieler vom Bollmannsdamm

Inken Breyer, Maren Tiedjen und Lars Bosselmann sind im Padel auch international erfolgreich. Alle drei spielen für den TC 71 Weyhe.
05.08.2020, 15:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek
Die Spitzenspieler vom Bollmannsdamm

Beherrscht den Padelschläger perfekt: Inken Breyer zählt zu den Topspielerinnen Deutschlands.

Fotos: Niklas Golitschek

Weyhe-Melchiorshausen. Am Bollmannsdamm in Melchiorshausen sind regelmäßig Spitzensportler anzutreffen. Gleich neben dem Fußballplatz, wo sonst Woche für Woche die Anhänger des Fußball-Landesligisten ihr Team anfeuern, schlagen die Padelspieler des TC 71 Weyhe auf.

Inken Breyer und Maren Tiedjen kennen sich bereits seit mehr als 15 Jahren. Breyer lernte einst bei Tiedjen das Tennisspielen beim TC Oyten, wo sie nun auch Jugendwartin ist. Padel sagte den beiden trotz der Parallelen zu ihrem eigenen Sport lange Zeit nichts, bis sie vor rund zwei Jahren im Internet ein Video dazu fanden. „Das sah cool aus, also sind wir nach Melchiorshausen zur Anlage gefahren“, erzählt Breyer. Den dritten Spitzenspieler des TC 71, Lars Bosselmann, kannten sie bereits vom Tennis. Am Bollmannsdamm trafen die beiden also auf vertraute Gesichter. „Wir waren gleich angefixt“, verrät Breyer.

Im Padel schlugen die beiden dann eine steile Laufbahn ein. In Melchiorshausen gewannen sie gleich ihr erstes Turnier, für Tiedjen folgte unmittelbar darazf die Einladung des Verbands zur Weltmeisterschaft der Ü35-Seniorinnen. Da Breyer noch nicht alt genug war, reiste Tiedjen mit einer ihr unbekannten Partnerin für eine Woche nach Spanien – und gewann überraschend die Nebenrunde. „Das Team war total cool“, erinnert sie sich gern zurück.

Auch an der Seite von Breyer verbuchte Tiedjen im Vorjahr bei Turnieren zwischen Hamburg und Köln mehrere Erfolge. Plötzlich hatten die beiden ihre ersten Weltranglistenpunkte gesammelt und fuhren als eines von drei deutschen Doppeln zur Europameisterschaft nach Lissabon. „Das war wirklich cool, die Leute waren alle total nett“, schwärmt Tiedjen noch immer. Auch hier trafen sie wieder auf mittlerweile vertraute Gesichter von den Turnieren in Deutschland. „Jeder kennt sich, auch international“, erzählt Breyer von einer kleinen, dafür umso sympathischeren Gemeinschaft. Mit Teamkollegen und Gegnern nach jedem Ballwechsel abzuklatschen und anschließend noch zusammenzusitzen sei im leistungsorientierten Tennis nicht immer üblich.

Etwas abseits der breiten Masse

Eben weil Padel in Deutschland noch nicht in der breiten Masse angekommen ist, ist von den Sportlern umso mehr Eigeneinsatz gefragt. Neben Zeit müssen sie auch eigenes Geld mitbringen, etwa um die Flüge zur Europameisterschaft zu finanzieren. „Es fehlt an Sponsoring“, merkt Tiedjen an. Doch sie und Breyer sind offensichtlich motiviert und ambitioniert: Mehrere Male haben sie ein Trainingslager in Wien absolviert und dafür sogar eine Truppe von acht Spielerinnen als erweiterten EM-Kader in Köln zusammengetrommelt. Frauen seien im Padel noch unterrepräsentiert. „Wir spielen super gerne hier gegen die Jungs“, merkt Tiedjen an. Doch sei das eben eine ganz andere Dynamik. Durch den oft vorhandenen Größenunterschied etwa lasse sich nicht der gewohnte Lob – ein hoher Ball – spielen, um den Gegner zu überwinden.

Wenn Lars Bosselmann auf dem Court steht, kommen jedoch nicht nur die beiden Spitzenspielerinnen sondern auch die anderen Padel-Spieler des TC 71 ins Schwitzen. Der Dörverdener zählt zu den Padel-Pionieren in Deutschland und hat das erste Turnier auf deutschem Boden gewonnen. Im Racketlon – einem Turniersport aus Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis – mischte der ursprüngliche Tennisspieler lange an der Weltspitze mit; auch im Squash und Badminton spielte er höherklassig. Und obwohl er eigentlich in der Altersklasse Herren 44 spielt, ist er noch im Kader der Herren-Nationalmannschaft und zählt bundesweit zu den zehn besten Spielern. „Ich kann gut mitspielen, muss mich aber ganz schön strecken“, sagt Bosselmann und lacht.

Ähnlich wie seine Vereinskolleginnen schätzt er den sozialen Aspekt beim Padel. „Tennis war sehr verbissen. Padel ist entspannt, und mit vier Leuten hat man schnell attraktive Ballwechsel“, findet Bosselmann. Zudem gebe der Schläger ein unmittelbares Feedback, während der Tennisschläger eher wie ein Trampolin reagiere.

Lehrstunde in Spanien

Zum Padel fand auch der Dörverdener durch Zufall. Er las in einer Zeitschrift von dem Sport, der in Spanien die Massen begeistert. „Breitensportler sind dort besser als Leistungssportler in Deutschland“, weiß Bosselmann nun. Kurzerhand schrieb er dem dortigen Verband, um sich über Padel zu erkundigen. Prompt folgte die Einladung zu einem Qualifikations-Turnier nach Mallorca. Was er damals nicht wusste: „Das Turnier war vergleichbar mit der ATP-Tour im Tennis.“ Da es noch wenige deutsche Vertreter gab, erhielten er und sein Partner eine Wildcard – und eine Lehrstunde im Padel.

Doch sie fanden Gefallen an dem Sport. Mit Deutschland fuhr Bosselmann inzwischen Platz neun bei der Weltmeisterschaft ein, an der Seite von Erik Trümpler holte er Silber bei der Deutschen Meisterschaft. Bei der Herren-40-EM im Vorjahr rechnete sich der Dörverdener gar einen Titel aus – doch eine Verletzung im Training machte den Traum zunichte.

Wie Tiedjen und Breyer freut sich Bosselmann über den zweiten Platz am Bollmannsdamm. Durch den großen Zulauf – Melchiorshausen ist der Vorzeigeklub der Region – ist es allmählich eng geworden. Die größere Fläche bietet dann auch neue Möglichkeiten, Turniere auszurichten. Vielleicht begrüßt der TC 71 Weyhe bald noch weitere Spitzensportler in Melchiorshausen.

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