Deutsche Tennisfrauen unterliegen mit einer ausgelaugten Kerber im Fed-Cup 2:3

Partykiller Schweiz

Leipzig. Als Martina Hingis 1998 zum letzten Mal ein Doppel im Fed-Cup bestritt, war Belinda Bencic gerade ein Jahr alt. Am Sonntagabend standen sie zum ersten Mal gemeinsam auf dem Centre Court, die alte und die neue Miss Swiss, und in der Stunde der Entscheidung waren sie nichts weniger als die Partykiller für Tennis-Deutschland: Nach zehn dramatischen Wettkampfstunden an diesem Länderspiel-Wochenende in der Leipziger Messehalle sicherten die einstige Weltranglisten-Erste und ihre hochbegabte Erbin mit einem 6:3, 6:2-Doppelsieg über Andrea Petkovic und Anna-Lena Grönefeld das 3:2 im umkämpften Nachbarschaftsduell gegen Deutschland.
08.02.2016, 00:00
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Von Jörg Allmeroth und DPA

Als Martina Hingis 1998 zum letzten Mal ein Doppel im Fed-Cup bestritt, war Belinda Bencic gerade ein Jahr alt. Am Sonntagabend standen sie zum ersten Mal gemeinsam auf dem Centre Court, die alte und die neue Miss Swiss, und in der Stunde der Entscheidung waren sie nichts weniger als die Partykiller für Tennis-Deutschland: Nach zehn dramatischen Wettkampfstunden an diesem Länderspiel-Wochenende in der Leipziger Messehalle sicherten die einstige Weltranglisten-Erste und ihre hochbegabte Erbin mit einem 6:3, 6:2-Doppelsieg über Andrea Petkovic und Anna-Lena Grönefeld das 3:2 im umkämpften Nachbarschaftsduell gegen Deutschland.

Nicht Australian-Open-Königin Angelique Kerber, sondern Bencic, das vielleicht größte Talent im Welttennis seit Jahrzehnten, war mit zwei Siegen im Einzel und mit dem Triumph an der Seite von Hingis die große Gewinnerin dieses Zweikampfes. Gleich in der Eröffnungspartie des zweiten Tages hatte Bencic die Schweizer Hoffnungen mit einem 7:6, 6:3 über die ausgelaugte Kerber befeuert. Selbst das brillante Debüt der 21-jährigen Bonnerin Annika Beck, die mit einem 7:5, 6:4-Erfolg gegen Timea Bacsinszky überzeugte und den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich besorgte, wendete das Blatt für Deutschland nicht mehr.

„Wir haben bis zur letzten Sekunde, bis zum letzten Punkt alles versucht. Absolut alles gegeben, was ging“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner, „ich bin todunglücklich, aber auch stolz auf diese Truppe.“ Ernüchternd war gleichwohl die Konsequenz des verlorenen Krimis von Leipzig: Denn mit einem Anlauf zum ersten Pokalsieg seit 1993 wird es für die DTB-Frauen auch in dieser Saison nichts – nun gilt es, schwer genug, in einem Relegationsmatch die Zugehörigkeit zur Weltgruppe zu erhalten.

Dass der neuen deutschen Tennis-Euphorie kein weiteres Erfolgserlebnis hinzugefügt wurde, hatte, genau genommen, auch mit dem Donnerschlag von Melbourne zu tun – mit dem Grand-Slam-Coup von Kerber. Eine Woche nach ihrem Märchensieg gegen Serena Williams hatte sie ihre Müdigkeit nur zu Beginn des Fed-Cup-Einsatzes überspielen können, im Sonnabend-Match gegen Bacsinszky. Doch im Spitzeneinzel gegen das 18-jährige Ausnahmetalent Bencic war Kerber am Ende ihrer Kräfte – mit schmerzenden Schultern, müden Beinen und einem Körper, der dem noch willigen Geist schließlich seinen Dienst versagte. „Der Akku war komplett leer, es ging einfach nichts mehr“, sagte die total matte Kielerin später, die sich nach Fanrummel und Medienhype jetzt nur noch auf die heimische Coach wünschte: „Einfach mal nichts tun, runterkommen nach diesem Stress.“

Kerber musste nach der ersten Niederlage seit ihrem Auftaktmatch bei den Australian Open tatenlos mit ansehen, wie sich trotz eines leidenschaftlichen Aufbegehrens ihrer Mitstreiterinnen die Dramaturgie dann doch gegen die deutsche Auswahl verkehrte. Becks Sieg in einem zermürbenden Grundlinienduell gegen Bacsinszky hatte zwar das Prädikat besonders wertvoll, doch die formidabel geglückte Premiere für die gewiefte Strategin hatte eben keinen Nachhall. Sie verpuffte, weil sich im Doppel das Gespann Hingis und Bencic nach kurzer Einfindungsphase als Machtfaktor entpuppte, gegen den der alles entscheidende dritte Punkt nicht zu holen war.

Niederlande gelingt Überraschung

Vorjahresfinalist Russland ist im Fed-Cup überraschend in der ersten Runde ausgeschieden. Ohne Maria Scharapowa verloren die Russinnen ihr Heimspiel gegen die Niederlande. Kiki Bertens sorgte am Sonntag durch ein 6:1, 6:4 gegen die zweimalige Grand-Slam-Turniersiegerin Swetlana Kusnezowa für den entscheidenden Punkt zur 3:0-Führung. Im Halbfinale treffen die Niederländerinnen auf Frankreich, das sich klar mit 4:1 gegen Italien durchsetzte. Deutschland-Bezwinger Schweiz tritt im Kampf um den Finaleinzug gegen Tschechien an. Der Titelverteidiger behauptete sich in Rumänien mit 3:2.

DPA

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