Pool-Billard PBC kämpft gegen den Mitgliederschwund

Bassum. Auch beim Pool-Billard-Clubs (PBC) Bassum gibt es die altbekannten Probleme. "Teilweise wissen selbst die Bassumer nicht, dass es uns überhaupt gibt. Dabei sind wir schon vor rund 20 Jahren gegründet worden", erklärt Wolfgang Defort, der 1. Vorsitzende.
05.03.2011, 05:00
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PBC kämpft gegen den Mitgliederschwund
Von Malte Bürger

Bassum. Es herrscht konzentrierte Stille, kaum ein Mucks ist zu hören. Im Hintergrund belebt leise Musik aus dem Radio die Szenerie. Gesprochen wird kaum - und wenn, dann nur im Flüsterton. Lediglich Trainer Heinz Thoben gibt deutliche Kommandos, damit an den vier Tischen des Pool-Billard-Clubs (PBC) Bassum alles seinen rechten Gang geht. Immer und immer wieder wechseln die Akteure die jeweilige Spielfläche, um auf ein Neues vier Kugeln in einer bestimmten Reihenfolge in den Taschen zu versenken.

Es erinnert rein gar nichts an einen klassischen Kneipenzeitvertreib. Es haben sich keine Rauchschwaden unter den Lampen festgesetzt. Schon gar nicht wird zwischen zwei Bierchen, die im gruseligsten Fall direkt auf der Bande abgestellt werden, um das Ausgeben der nächsten Runde gezockt. Kurzum: Hier wird Billard als Sport verstanden - und zwar erfolgreich. Die erste Mannschaft des PBC ist in der Landesliga Osnabrück-Huntegau im Einsatz, die Reserve führt derzeit die Tabelle in der Kreisliga an.

Dieser erfolgreiche Weg ist letztlich nicht nur dem Talent der Spieler, sondern auch dem Einsatz Heinz Thobens zu verdanken. Woche für Woche überrascht er seine Aktiven mit neuen Kugelstafetten, den sogenannten Bildern. Im Duell mit sich selbst müssen die jeweiligen Akteure dann fehlerlos die Taschen des Tisches füllen, sonst wird eine Niederlage notiert. Entsprechend düster sind bei einigen Spielern die Minen, wenn selbst nach dem siebten Durchgang noch kein positives Resultat in der von Thoben punktgenau geführten Statistik auftaucht.

Profi-Snooker als Ratgeber

Anhand solcher Übungen soll sich in erster Linie das Stellungsspiel verbessern, die weiße Kugel unter optimalen Umständen nach dem absolvierten Stoß so perfekt laufen, dass sie bestens positioniert für die nächste Aktion zum Stillstand kommt. "Das ist natürlich nicht immer ganz leicht, manchmal frage ich mich auch, wie weit ich vorausdenkend spielen kann", erklärt Wolfgang Defort, 1. Vorsitzender des PBC und Mitglied der Landesliga-Equipe, lachend. Hilfestellung gibt es dann manchmal sogar durch das Sportfernsehen. "Immer dann, wenn ich beispielsweise Snooker geschaut habe, spiele ich besser. In den Partien der Profis sieht man zumeist erst, was alles möglich ist und wie einzelne Situationen von ihnen gelöst werden. Das hilft ungemein."

Sportlich läuft es also durchaus rund, eigentlich könnten die Aktiven rundum zufrieden sein. Aber auch in diesem Verein gibt es die altbekannten Probleme. "Teilweise wissen selbst die Bassumer nicht, dass es uns überhaupt gibt. Dabei sind wir schon vor rund 20 Jahren gegründet worden", erklärt Defort, der von Beginn an dabei ist. "Mittlerweile haben wir auch deshalb nur noch 20 feste Mitglieder und zwei Mannschaften. In der vergangenen Saison hatten wir noch fünf Teams gemeldet." Viele externe Kräfte, die damals die Bassumer unterstützten, haben sich jedoch entweder in ihre Heimatvereine verabschiedet oder sind dem Lockruf anderer, höherklassiger Formationen gefolgt. "Da ist leider eine kleine Lawine losgetreten worden", erinnert sich Defort wehmütig zurück.

Einst standen die Billardspieler im Sportcenter Olympus an den Tischen, doch dann mussten sie ihre Spielstätte verlassen. Vor knapp sieben Jahren fanden die Verantwortlichen dann die Räumlichkeiten im zweiten Obergeschoss des City-Marktes an der Sulinger Straße. "Als wir hier reingegangen sind, sind die Besucher- und Mitgliederzahlen explodiert", weiß Defort zu berichten. "Jetzt würden wir uns einfach wünschen, dass wir wieder annähernd 50 Mitglieder zusammenbekommen. Die könnte der Raum auch auf jeden Fall aufnehmen."

Seit kurzer Zeit sind nach längerer Durststrecke auch wieder drei junge Damen in das Geschehen eingestiegen. Franziska Eimler, Vanessa Drießen und Sabrina Baranowski lernen derzeit die ersten Feinheiten des gezielten Kugelversenkens. "Auf diese Entwicklung sind wir natürlich sehr stolz", meint Defort. Und wenn nicht gerade die beiden Herrenteams zum Training an den Tischen stehen, ist die Atmosphäre auch deutlich gelöster: Es wird gelacht, gejubelt oder einfach gequatscht - eben wie in fast jedem Billard-Café auch. "Beim Training für die Punktspiele kann die Ruhe allerdings nicht schaden, schließlich muss die Konzentration über einen längeren Zeitraum hochgehalten werden", weiß der Klubchef. "Aber ich muss zugeben, dass insbesondere mir das häufig schwer fällt. Ich sitze den ganzen Tag vor dem PC, da möchte ich mich abends eigentlich ausleben, auch mal 'nen lustigen Spruch bringen. Das geht aber eben nicht immer."

Nur wenige Meter entfernt setzt Sascha Kalin einmal mehr das Queue an. Der 17-Jährige zählt zu den großen Nachwuchshoffnungen und führt die Kreisliga-Garde an. "Überall wo ein Tisch stand, habe ich früher sofort Billard gespielt. Irgendwann habe ich dann beschlossen, mich auch einmal im Verein auszuprobieren", erklärt der Schüler. Ein Schritt, den er bislang nicht bereut hat. So hat der Youngster in seiner Altersklasse auf Bezirksebene bereits sieben Goldmedaillen abgeräumt, hinzu kommt ein Mal Silber und sechs Mal Bronze. "Und bei Landesmeisterschaften habe ich es kürzlich das erste Mal aufs Podest geschafft und Platz drei belegt." Das konzentrierte Training hat sich also mehr als ausgezahlt.

Wer sich selbst einmal an den Bassumer Billardtischen ausprobieren möchte, hat dazu täglich außer montags die Gelegenheit. Von Dienstag bis Freitag wird im City-Markt ab 19 Uhr gespielt, sonnabends und sonntags nach telefonischer Absprache unter 0178/1424404. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.pbcbassum.billard4u.de.

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