Eisbären-Geschäftsführer im Interview „Play-offs? Für uns in Bremerhaven ist das in weiter Ferne“

Seit knapp drei Monaten ist Arne Woltmann Geschäftsführer der Eisbären Bremerhaven. Mit dem WESER-KURIER spricht er über den Druck - und darüber, was für ihn eine erfolgreiche Saison wäre.
30.09.2017, 18:17
Lesedauer: 5 Min
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„Play-offs? Für uns in Bremerhaven ist das in weiter Ferne“
Von Frank Büter

Herr Woltmann, Sie sind seit knapp drei Monaten als Geschäftsführer im Amt. Wie fühlt er sich an, dieser Wechsel von der Trainerbank auf die Managerseite?

Arne Woltmann: Es fühlt sich ganz anders an, definitiv. Man hat ja vorher nur eine ungefähre Vorstellung davon, wie der Alltag aussehen könnte mit Kalkulationen und Papierkram. Aber es sind tatsächlich noch viele Sachen dazugekommen, die ich so nicht erwartet hätte oder die umfangreicher sind als gedacht.

Sie haben den Managerposten bei den Eisbären quasi ohne Vorerfahrung übernommen. Haben Sie lange gezögert, als die Anfrage kam?

Ja, eigentlich schon. Das ist ein Job, den ich noch nie gemacht habe. Und ich habe die Gesellschafter mehrfach gefragt, wie sie denn auf mich gekommen sind und warum sie mir das zutrauen.

Und? Wie fiel die Antwort aus?

Sie haben auf jeden Fall gute Überzeugungsarbeit geleistet (lacht) … aber ich habe mich vorher natürlich auch mit anderen Managern unterhalten. Dann ist der Entschluss gefallen, dass ich das machen möchte. Und jetzt bin ich da.

Sie sind in Bremerhaven geboren und aufgewachsen – war das auch ein Grund mit dafür, das Angebot der Eisbären anzunehmen?

Ja, denn wenn es nicht Bremerhaven gewesen wäre, hätte ich das glaube ich nicht gemacht. So fiel mir die Entscheidung leichter, das kam auch von Herzen.

Hat es bei Ihren Überlegungen auch eine Rolle gespielt, dass es in Bremerhaven sportlich eher beschaulich zugeht und der Druck womöglich nicht ganz so groß ist wie bei einem Top-Klub?

Das will ich so nicht sagen. Ich würde auch gerne ein Play-off-Team betreuen, das international spielt. Das ist eine ganz, ganz tolle Sache. Aber klar: Für uns in Bremerhaven ist das in weiter Ferne. Da ist definitiv Luft nach oben.

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Sie sitzen ja nun an exponierter Stelle und können entscheidend daran mitwirken, dass sich in Bremerhaven etwas entwickelt. Wie sehen Ihre Ziele aus? Welche Platzierung streben Sie an?

Wir wollen keine Platzierung als Ziel ausgeben. Wir wissen, dass wir keine Play-off-Mannschaft sind. Wir haben keinen Play-off-Etat, und wir haben auch kein Play-off-Talent. Wir wollen einfach erfolgreich ­Basketball spielen und uns frühzeitig von den Abstiegsplätzen fernhalten. Zehnter, Elfter oder Zwölfter? Für uns ist es nicht ­erheblich. Der Druck, den wir hier haben, ist ein anderer. Wir müssen sehen, dass wir uns wirtschaftlich so aufstellen, dass alles funk­tioniert. An anderen Standorten, die zum Teil über ein Vielfaches unseres Etats verfügen, hat man diesen Druck nicht. Da hat man den Druck des Erfolges. Hier ist es tatsächlich ein Erfolg, irgendwo im Mittelfeld zu landen.

Wo müssen Sie denn zu allererst den Hebel ansetzen, um die wirtschaftliche Basis abzusichern und gegebenenfalls zu verbessern?

Das eine bedingt immer das andere. Solange man das Produkt, das man verkaufen will, noch gar nicht sehen kann, ist es schwierig, neue Sponsoren zu generieren. Man weiß eben nicht, ob dieses Produkt in Anführungszeichen sexy ist, weil es attraktiven Sport bietet. Also müssen wir genau da anfangen. Wir müssen erst einmal gut spielen, um die Halle zu füllen und für Sponsoren attraktiv zu sein – dann ist es auch leichter, Portemonnaies zu öffnen.

Ist der aktuelle Kader aus Ihrer Sicht denn nun „sexy“ genug, um das Publikum und darüber hinaus auch potenzielle Geldgeber zu begeistern?

Ich glaube, dass wir einen Kader beisammen haben, der attraktiven Basketball bieten wird. Wir haben in der Vorbereitung sehr gute Ansätze gezeigt. Und die Chemie in der Mannschaft scheint sehr gut zu sein. Aber wir wissen jetzt noch nicht, wie die Mannschaft mit Drucksituationen umgehen wird. Dann zeigt sich erst, wie gut die Charaktere tatsächlich zusammenpassen.

In den vergangenen Jahren wurde zur neuen Saison oftmals der komplette Kader ausgetauscht. Diesmal ist gleich ein halbes Dutzend Spieler geblieben…

Wir haben tatsächlich alle Spieler, die in der vergangenen Saison gut performt haben, gehalten. Das gab’s bei den Eisbären noch nie. Normalerweise waren die, die gut waren, schnell wieder weg und haben bessere Angebote angenommen.

Haben Sie für diese neue Kontinuität den Etat ausreizen müssen?

Wir haben noch Reserven, aber mit der Zusammenstellung der Mannschaft sind wir in diesem Jahr schon an die Grenze gegangen.

Die Eisbären haben einen Ausländerplatz im Kader noch nicht besetzt – war das eine bewusste Option? Oder war das Budget einfach erschöpft?

Nein, wir haben tatsächlich noch Geld in der Schublade für eine Nachverpflichtung – wenn es denn nötig werden sollte. Wir beobachten weiterhin den Markt, sind aber nicht in der Not. Wir wollen vielmehr unseren deutschen Spielern eine Chance geben, sich zu beweisen und sich zu entwickeln. Und wir glauben auch, dass wir genug Qualität im Kader haben, um unsere gesteckten Ziele zu erreichen.

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Bei den Fans dürfte die Kaderplanung gut angekommen sein, zumal jetzt neben Adrian Breitlauch mit Rückkehrer Dominique Johnson sogar noch ein zweiter gebürtiger Bremerhavener zum Aufgebot gehört.

Das ist einzigartig in der Bundesliga, da sind wir schon ein wenig stolz drauf. Und für die Identifikation der Anhänger ist das auch wichtig. Das zeigen auch schon erste PR-Geschichten, die wir gemacht haben, wo deutlich mehr Fans gekommen sind als vorher. Das hilft uns.

Wie groß war Ihr Anteil an der Zusammenstellung dieses Kaders?

Jan Rathjen (Woltmanns Vorgänger als Geschäftsführer, Anm. d. Red.) hat natürlich einige der Deals bereits eingefädelt gehabt. Aber seit Mai, seit dem Zeitpunkt, als klar war, dass ich den Job übernehme, war ich auch in alle Gespräche eingebunden. Ich habe mich viel mit Trainer Sebastian Machowski ausgetauscht und die personellen Entscheidungen mitgetroffen.

Apropos Machowski: Wie gut kannten Sie sich vorher?

Ach, wir haben in der Bundesliga schon einige Schlachten gegeneinander geschlagen. Mal haben wir eine Halbfinalserie gegeneinander gecoacht, dann eine Finalserie. Wir haben vorher zwar noch nicht auf der gleichen Seite gekämpft, aber wir kannten uns gut genug, um jetzt in Bremerhaven einen einfachen Start miteinander zu haben.

Lange Jahre Trainer, jetzt Geschäftsführer: Gelingt Ihnen der Rollenwechsel im Alltag? Oder kommt zwischendurch noch mal der Trainer durch?

Ich dränge mich nicht auf. Wenn Sebastian mich fragt, tauschen wir uns aus, diskutieren oder holen auch mal das Taktikboard raus. Aber ich weiß, dass es nicht funktioniert, wenn der Manager Einfluss auf das Sportliche nehmen möchte – von daher halte ich mich möglichst raus.

Wo werden Sie bei den Spielen der Eisbären Platz nehmen?

Ich sitze ungern und binde mich auch ungern an einen Platz. Das gelingt mir vielleicht mal für zehn Minuten, aber dann tigere ich rum, dann muss ich mich bewegen.

Suchen Sie dann auch mal die Nähe zur Trainerbank?

Nein, dort bin ich nicht gefragt … Ich bleibe im Tribünenbereich.

Das Gespräch führte Frank Büter.

Zur Person:

Arne Woltmann (42) ist seit dem 1. Juli Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten Eisbären Bremerhaven. Zuvor hat der zweifache Familienvater lange Jahre als Trainer und Co-Trainer gearbeitet, unter anderem bei den Bundesligisten Quakenbrück und Bamberg sowie als Assistenz-Coach der deutschen Nationalmannschaft.

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