Delmenhorster Patrick Drewes Plötzlich berühmt

Delmenhorst. Patrick Drewes, Torhüter aus Delmenhorst, war mit dem VfL Wolfsburg in zwei Trainingslagern und bot sich für Einsätze in der Fußball-Bundesliga an. Am Rande der Einheiten erfuhr der 20-Jährige zudem Überraschendes.
23.01.2014, 00:08
Lesedauer: 3 Min
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Plötzlich berühmt
Von Christoph Bähr

Erst Abu Dhabi, dann China: Patrick Drewes hat gerade zwei interessante Reisen hinter sich, doch Zeit für touristische Aktivitäten blieb ihm kaum. Der Torhüter aus Delmenhorst war mit dem VfL Wolfsburg in zwei Trainingslagern und bot sich für Einsätze in der Fußball-Bundesliga an. Am Rande der Einheiten erfuhr der 20-Jährige zudem Überraschendes: Juventus Turin soll an ihm interessiert sein.

Was ihm einige Mitspieler da erzählten, erstaunte Patrick Drewes dann doch. Während des Trainingslagers des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg in Abu Dhabi hörte der Torhüter aus Delmenhorst von dem Gerücht, dass der italienische Rekordmeister Juventus Turin ihn verpflichten wolle. „Da war ich schon überrascht. Das war wohl jeder, der davon gelesen hat“, sagt der 20-Jährige. Drewes machte sich anschließend im Internet schlau – und tatsächlich: Auf zahlreichen italienischen Fußball-Webseiten prangte sein Foto. Zuerst hatte Sky Sport Italia die Meldung verbreitet, dass Juve auf der Suche nach einen jungen Schlussmann auf den Delmenhorster gestoßen sei. Diverse andere Medien zogen sofort nach (wir berichteten). Das Interesse am aktuellen Spitzenreiter der Serie A ist eben groß.

Mehr als das, was in den Artikeln steht, weiß Drewes allerdings bis heute nicht. „Ob an der Geschichte etwas dran ist, kann ich nicht sagen“, erklärt er. Sein Berater werde sich um die Sache kümmern. „Wenn es tatsächlich ein Angebot geben sollte, wird er es mir sicherlich sagen.“ Dass er überhaupt mit solch einem großen Klub wie Juventus in Verbindung gebracht werde, sei aber zweifellos eine „tolle Sache“, findet der Delmenhorster.

Konzentrieren will sich der Torhüter jedoch einzig und allein auf den VfL Wolfsburg, bei dem er noch einen Profivertrag bis 2015 besitzt. In den beiden Trainingslagern des Bundesliga-Fünften in Abu Dhabi und China hat er gerade 13 Tage lang hart gearbeitet. Viel Freizeit bot sich den Spielern dabei nicht, doch immerhin zwei freie Nachmittage blieben ihnen. „Ein bisschen was von Abu Dhabi habe ich gesehen. Das waren schon interessante Erfahrungen“, erzählt Patrick Drewes. Insgesamt sei die Wintervorbereitung aber vor allem eines gewesen: „anstrengend“.

Drei Testspiele bestritten die Wolfsburger, die gerade erst durch die Verpflichtung von Kevin De Bruyne Schlagzeilen produzierten. Zum Einsatz kam Drewes nicht. „Die Mannschaft muss schnell ihren Rhythmus finden. Dass ich da als dritter Torwart hinten anstehe, ist normal“, sagt er. Dafür konnte sich der frühere Spieler des TuS Heidkrug in den zwei Übungseinheiten pro Tag anbieten – und das tat er offenbar mit Erfolg. Vom Trainerteam um Dieter Hecking habe er jedenfalls positives Feedback erhalten, berichtet Drewes. „Sie sagten, dass ich auf einem guten Weg bin.“

Das belegt die Statistik des Torwarts: Einen Pflichtspiel-Einsatz bei den Profis kann er zwar noch nicht vorweisen, aber in der Wolfsburger U23 ließ er in 17 Spielen nur 16 Gegentreffer zu. Auch dank Drewes führt das Reserveteam der Wölfe momentan die Regionalliga Nord an. „Ein paar unglückliche Niederlagen haben wir zwar kassiert, doch ich hoffe, dass es mit der U23 jetzt so erfolgreich weitergeht“, sagt der Delmenhorster.

Unter der Woche trainiert Patrick Drewes stets mit den Profis, doch wenn diese am Wochenende zu Bundesliga-Spielen fahren, muss er in der 4. Liga ran. Hinter dem Schweizer Nationaltorwart Diego Benaglio und Max Grün ist er die Nummer drei. Die nötige Geduld für diese Rolle bringt der talentierte Schlussmann auf. „Ich setze mir keine Frist, bis wann ich es geschafft haben muss. Mit 20 Jahren habe ich noch Zeit und warte auf meine Chance“, unterstreicht Drewes. So ruhig wie er auf dem Platz agiert wirkt er auch abseits des Feldes.

Mit dieser Abgeklärtheit ist er schon weit gekommen – vom Platz am Bürgerkampweg bis in die Volkswagen-Arena. Als C-Jugendlicher verließ Drewes seinen Heimatklub TuS Heidkrug im Jahr 2008, weil der VfL Wolfsburg ihm einen Platz im Nachwuchsinternat angeboten hatte. Über die Jugendteams der Wölfe kämpfte er sich dann durch starke Leistungen bis in den Profikader hoch. Wie die Heidkruger Spiele enden, verfolgt er heute noch im Internet. Auch die Ergebnisse des FC Huchting aus der Landesliga Bremen hat der Torhüter immer im Blick, denn dort ist sein Bruder Marcel Drewes aktiv. Huchtings Co-Trainer Holger Timme ist zudem ein alter Bekannter, unter ihm spielte Patrick Drewes einst in der Heidkruger Jugend.

Seinen Bruder und seine Familie hat der Bundesliga-Profi gerade erst während der Weihnachtsfeiertage in Delmenhorst besucht. Auch viele alte Freunde traf er wieder. „Es war schön, mal rauszukommen“, sagt der 20-Jährige. Während der Saison besteht sein Leben fast nur aus Fußball. Der nächste Urlaub steht für den Torhüter erst wieder in der Sommerpause an. Da böte sich doch ein Trip nach Turin an. Ob Juventus ihn nun will oder nicht, aufgrund der umfangreichen Berichterstattung dürfte Patrick Drewes in Italien inzwischen eine gewisse Berühmtheit erlangt haben. Aber der Delmenhorster winkt ab: „Nein, nein, eine Reise nach Turin ist nicht geplant.“

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