Bezirkspokal in Delmenhorst Pokalspiel endet mit Eklat

Delmenhorst. Über Fußball sprach keiner mehr. Stattdessen ging es nach dem Bezirkspokal-Viertelfinale zwischen den Kreisligisten KSV Hicretspor und Delmenhorster TB um Rangeleien, Beschimpfungen und einen Spielabbruch.
02.09.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Pokalspiel endet mit Eklat
Von Christoph Bähr

Delmenhorst. Über Fußball sprach keiner mehr. Stattdessen ging es nach dem Bezirkspokal-Viertelfinale zwischen den Kreisligisten KSV Hicretspor und Delmenhorster TB um Rangeleien, Beschimpfungen und einen Spielabbruch. Beim Stand von 2:1 für Hicretspor hatte DTB-Trainer Holger Timme seine Spieler in der 88. Minute vom Stadion-Nebenplatz geholt. Die Partie wurde am Mittwochabend vorzeitig beendet und wird aller Voraussicht nach zugunsten der Gastgeber gewertet.

Bei einem Freistoß für Hicretspor war die Situation kurz vor dem Schlusspfiff eskaliert. Als der Ball Richtung Gäste-Strafraum segelte, ging DTB-Spieler Burak Yaman zu Boden. Schiedsrichter Andreas Kilic (SV Tur Abdin) ließ weiterlaufen. Was genau passiert war, ist unklar. "Ich konnte es nicht sehen, aber mehrere Spieler sprachen von einem Faustschlag gegen Burak", berichtete DTB-Co-Trainer Stefan Rohde. Auch Hicretspor-Trainer Timur Cakmak hatte die Szene nicht wahrgenommen: "Wenn es eine Tätlichkeit gewesen sein sollte, hätte der Schiedsrichter sie ahnden müssen. In jedem Fall ist das aber kein Grund dafür, seine Mannschaft einfach vom Feld zu holen. Das war unnötig."

Streit in der Halbzeitpause

Laut DTB-Trainer Timme hätten mehre Vorkommnisse zu dieser folgenschweren Entscheidung geführt. Bereits in der Halbzeitpause sei sein Co-Trainer Rohde auf dem Weg in die Kabine bedrängt worden. "Wir haben ihm deutliche Worte gesagt, weil er seine Spieler immer wieder aufgestachelt hat. Zu Tätlichkeiten und Bedrohungen ist es dabei aber nicht gekommen", beschrieb Cakmak die Situation. Der betroffene Rohde sagte, er sei von sieben Männern verbal angegangen und geschubst worden. Dass er die DTB-Akteure vom Spielfeldrand aus aufgehetzt habe, sei falsch. "Ich habe noch nie Fouls von meinen Spielern gefordert."

Bei Hicretspor war man besonders über das harte Einsteigen von Timo Timme gegen Cumali Tuner kurz vor der Pause erbost (43.). Schiedsrichter Kilic hatte dieses Foul nicht geahndet. "Das war überhart. Cumali musste mit Verdacht auf Bänderriss ausgewechselt werden", sagte Cakmak. Auch Timme gab zu: "Das hätte eine Gelbe Karte, vielleicht sogar eine Rote, gegen uns geben müssen." Zwischenrufe von einigen der rund 120 Zuschauer trugen weiter dazu bei, die Stimmung aufzuheizen. Also stellte Timme nach dem Ärger um Co-Trainer Rohde in der Halbzeitpause seinen Spielern frei, ob sie die Partie fortsetzen wollen. Die Mehrheit war dafür. Auch der Hicretspor-Vorsitzende Murat Kalmis überlegte zu diesem Zeitpunkt, seine Mannschaft zurückziehen. "Ich war in der Pause beim Schiedsrichter, weil es immer wieder Beleidigungen vom DTB-Anhang gab", berichtete er. Rohde beklagte ebenfalls, dass die Hicretspor-Anhänger seine Spieler teils aufs Übelste beschimpft hätten.

Dennoch lief das Spiel zunächst weiter, und trotz einiger strittiger Situationen und harter Fouls im zweiten Durchgang schien es seinem regulären Ende entgegenzugehen. Hicretspor hatte nach dem 1:0 durch Üzeyir Kanli (4.) massenweise Torchancen vergeben. "Wir hätten nach 20 Minuten 4:0 führen müssen, dann wäre es gar nicht mehr so hitzig geworden", sagte Cakmak. Stattdessen kam der DTB durch einen von Florian Bartels verwandelten Foulelfmeter zum Ausgleich (60.). Dann fälschte Gästespieler Lars Goretzki einen harten Schuss von Erdem Yesilyurt zum 2:1 für Hicretspor ins eigene Netz ab (85.), ehe der Sport zur Nebensache wurde. Bei den Tumulten rund um das vorzeitige Spielende ließ ein DTB-Akteur noch eine ausländerfeindliche Bemerkung fallen, für die er sich anschließend bei Hicretspor-Trainer Cakmak entschuldigte. "Das passierte aus der Emotion heraus und war ein Fehler unseres Spielers", sagte Rohde. Die Entscheidung, die Mannschaft vom Feld zu holen, sei jedoch richtig gewesen,

betonten Rohde und Timme. "Die Gesundheit unserer Spieler geht vor", so Timme. Daher werde der DTB zum Kreisliga-Rückspiel bei Hicretspor und zur Hallen-Stadtmeisterschaft nicht antreten. Das Verhältnis zwischen den beiden Delmenhorster Vereinen dürfte somit nachhaltig belastet sein.

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