21-jähriger Werder-Ultra soll bei Ausschreitungen einen Bremer Hooligan verletzt haben Polizei will Fangewalt konsequent ahnden

Bremen. Nordderby in der Fußball-Bundesliga: Am 19. April gewinnt Werder gegen den Hamburger SV, im Bremer Viertel kommt es zu Ausschreitungen.
03.07.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Polizei will Fangewalt konsequent ahnden
Von Jan Oppel

Nordderby in der Fußball-Bundesliga: Am 19. April gewinnt Werder gegen den Hamburger SV, im Bremer Viertel kommt es zu Ausschreitungen. Rechte Bremer Hooligans und links gerichteten Werder-Ultras geraten aneinander. Mit Schlägen und Tritten traktieren dabei fünf Mitglieder der Ultra-Szene nahe der Kneipe „Verdener Eck“ einen Hooligan und werfen ihm einen Blumenkübel aus Plastik in den Rücken. Der Geschädigte zieht sich starke Prellungen zu. Ein Teil seines Backenzahns wird ihm ausgeschlagen.

Lars van Beek, Leiter des Präsidialstabs bei der Bremer Polizei, sieht in dem Vorfall „eine Tat von besonderer Brutalität“. Am Mittwoch hat die Polizei nun den mutmaßlichen Haupttäter aus der Ultra-Szene verhaftet.„Wir möchten solche Handlungen nicht in der Stadt und gehen konsequent dagegen vor“, sagt Andrea Wittrock, Chefin der Bremer Kriminalpolizei. Gegen den 21-Jährigen und seine vier mutmaßlichen Mittäter im Alter von 19 bis 25 Jahren ermitteln die Beamten wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs. Nachdem das Amtsgericht den Haftbefehl erlassen hatte, wurde der Ultra in seiner Wohnung verhaftet. Dabei stellten die Beamten einen Schlagstock sicher und beschlagnahmten Kleidungsstücke, die als Beweismittel dienen sollen. Seither sitzt der junge Mann, der gerade sein Abitur bestanden hat, in Untersuchungshaft. Ein Video dokumentiert den Tathergang. Am Donnerstag präsentierte die Polizei das Beweisstück auf einer Pressekonferenz. Anders als seine Mittäter trägt der junge Mann bei der Schlägerei weder eine Kapuze noch eine Sturmhaube auf dem Kopf, um seine Identität zu verbergen. Immer wieder schlagen er und seine Mitstreiter auf den Hooligan ein.

„Wir sprechen hier von einer gemeinschaftlich begangenen schweren Körperverletzung“, erklärt Frank Passade, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Im Zuge der Identifizierung des Haupttäters, hätte dieser auch als Hauptverdächtiger für vier weitere Taten ermittelt werden können. Am 1. Mai 2014 habe er während einer Demonstration gegen einen NPD-Aufmarsch in Rostock einen Stein geworfen und dabei einen Pressefotografen verletzt. Auch an zwei Auseinandersetzungen mit Fans anderer Bundesligateams sei der Werder-Ultra beteiligt gewesen, sagt Passade. Zwei weitere Angriffe hätten sich gegen Angehörige der rechten Szene gerichtet. Hier sei unter anderem das Tragen von Kleidung des bei Neonazis beliebten Modelabels „Thor Steinar“ der Auslöser für die Gewaltanwendung gewesen. Bei einigen Taten hätte der Ultra mit einem mit Quarzsand gefüllten Handschuh zugeschlagen. „Er ist ein politisch motivierter Gewalttäter“, erklärt Passade. „Wo er auf Rechte trifft, versucht er diese Personen zu verletzen.“

Jochen Kopelke, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP, begrüßt das Vorgehen der Behörden. „Die Erfolge der Ermittlungsgruppe sorgen dafür, dass ein deutliches Zeichen in die Szene der Gewalttäter gesendet wird“, sagt er. Um weitere Ausschreitungen zu vermeiden, will die Polizei jetzt verstärkt auf den Dialog mit Fanprojekt, Verein und Problemgruppen setzen. Für Hartmut Quast, Leiter der Ermittlergruppe „Verdener Eck“ sind Zusammenstöße innerhalb der Fanszene in diesem Ausmaß „ein neues Phänomen“.

2007 ereignete sich ein ähnlicher Vorfall: Rechte Hooligans überfielen im Ostkurvensaal des Weserstadions die dort feiernden Ultras und verletzten dabei gleich mehrere Personen. „Ich hätte mir gewünscht, dass damals genauso intensiv ermittelt worden wäre“, sagt Daniel Behm vom Bremer Fanprojekt. Die Täter seien von den Behörden ebenfalls identifiziert worden. Am Ende seien die Hooligans aber mit geringen Geldstrafen davongekommen.

Kommentar Seite 2

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+