Badminton-Länderspiel in Bremen Premiere in Bremen glückt: Badminton ist bühnentauglich

Eine Generalprobe hatte es nicht gegeben - und doch ist die Premiere zu einem vollen Erfolg geworden. Das Badminton-Länderspiel im Bremer Metropol-Theater begeisterte 1000 Zuschauer.
18.09.2018, 22:56
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Premiere in Bremen glückt: Badminton ist bühnentauglich
Von Jörg Niemeyer

Wer hätte das gedacht: Schon bei der Vorstellung der Hauptdarsteller dieses ungewöhnlichen Abends herrschte eine überschwängliche Stimmung im Metropol-Theater am Bremer Richtweg. Die 1000 Zuschauer begrüßten Schiedsrichter, das niederländische und natürlich erst recht das deutsche Badminton-Team lautstark. Als der Name der Lokalmatadorin Stine Küspert, die ausgerechnet in ihrer Heimatstadt ihr Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft feiern durfte, aufgerufen wurde, begann das Theater zu beben. Ein Jubelsturm, begleitet vom Stampfen unzähliger Füße, brandete auf – die 19-Jährige bedankte sich für die Ovationen mit einem fröhlichen Winken.

Es war erstaunlich: Der erste Ball war noch gar nicht gespielt, da war das Publikum bereits auf Betriebstemperatur. Früher, als das Metropol-Theater noch Musical-Theater hieß, kamen die Zuschauer vor allem wegen der Musik in die einzigartige Spielstätte mit ihren ansteigenden Sitzreihen, den Balkonen und Oberrängen. Am Dienstag stand nun erstmals eine hochkarätige Sportveranstaltung auf dem Programm – und da durfte die Musik natürlich nicht fehlen. „Theater, Theater“: Mit dem Klassiker von Katja Ebstein brachte Anja Bußmann, Ehefrau des Organisators Heinz Bußmann aus Delmenhorst, das Publikum sofort in Stimmung. Und kurz darauf wurde es dann auch noch sehr feierlich, als sich die Besucher zu den Klängen der Nationalhymnen von ihren Sitzen erhoben.

Es war der perfekte Auftakt des weltweit ersten Badminton-Länderspiels, das nicht in einer Sporthalle ausgetragen wurde. Und es schien niemanden zu geben, dem dieses Spektakel nicht gefiel. Die Aktiven zeigten sich angetan vom Ambiente, ebenso die befragten Zuschauer, die sich während der Pause zwischen dem dritten und vierten Match mit Currywurst oder Laugenbrezel stärkten. „Ich bin positiv überrascht, wie gut es rüberkommt“, sagte Jörn Meyer. Auch für den Geschäftsführer des Metropol-Theaters war das Länderspiel Premiere und Experiment zugleich. Ein geglücktes. „Ja, das passt hier rein ins Haus“, sagte er zufrieden.

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Beeindruckend waren die Leistungen beider Mannschaften, die sich auf die speziellen Verhältnisse auf der Bühne offensichtlich schnell eingestellt hatten. „Es ist anders zu spielen“, sagte Stine Küspert, die sich vor ihrer Premiere erstaunlich entspannt gezeigt hatte. Vor allem die Höhe der Spielstätte sei im Zusammenspiel mit der räumlichen Enge in der Breite gewöhnungsbedürftig.

Als die Bremerin im ersten Spiel nach der Pause mit Eva Janssens zum Damen-Doppel gegen Alyssa Tirtosentono und Milou Lugters antrat, war von Anpassungsschwierigkeiten des deutschen Duos jedoch nichts zu sehen. Es harmonierte prächtig – zur Freude des Publikums, das Stine Küspert besonders zu unterstützen schien. Und dann sollte es auch noch ein perfektes Ende geben: Küspert/Janssens machten mit dem umkämpften, zeitweise hochklassigen 15:12, 19:20 und 11:7 den deutschen Erfolg vorzeitig perfekt.

3:1 stand es nach dem Damen-Doppel – und Stine Küspert hatte ihren Teil zum Sieg beigetragen. „Geil, vor so einem Publikum zu spielen“, sprach sie ins Hallenmikrofon, „das hab' ich nicht alle Tage.“ Das wollten die Zuschauer hören, nun applaudierten sie noch kräftiger als während des Matches. Um kurz nach halb elf folgte dann der letzte Beifall: Auch Daniel Hess und Johannes Pistorius hatten ihr Doppel gewonnen. Damit verbuchten die Deutschen in ihrem 68. Länderspiel gegen die Niederlande mit dem 4:1 ihren 42. Erfolg.

Doch schon weit vor dem Ende des Länderspiels – und unabhängig von seinem Ausgang – hatte sich abgezeichnet, dass Heinz Bußmann mit seiner Idee ins Schwarze getroffen hatte. Der Delmenhorster hatte sich für sein 100. Badminton-Länderspiel als Organisator etwas ganz Ausgefallenes überlegt – und damit sowohl die Verantwortlichen des Metropol-Theaters als auch die des Deutschen Badminton-Verbands auf den Geschmack bringen können. Das Experiment konnte also seinen Lauf nehmen – und endete vor mehr als 1000 hoch zufriedenen Augenzeugen mit einem durchschlagenden Erfolg. Mit Standing Ovations schickte das Publikum beide Mannschaften in den verdienten Feierabend.

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