Virtual Bundesliga

Profis in der virtuellen Welt

Mit der VBL Club Championship gibt es erstmals einen Wettbewerb für Bundesligavereine fernab des Rasens. Zu den Teilnehmern zählt auch der SV Werder Bremen.
23.01.2019, 18:18
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Profis in der virtuellen Welt
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Profis in der virtuellen Welt

Die "Virtual Bundesliga" wird auch live im Fernsehen übertragen, moderiert von Max Zielke.

ProSieben MAXX / Jens Hartmann

Die Profis von Werder Bremen spielen gegen den Hamburger SV, Hertha BSC oder Hannover 96. Dafür treffen sich die Spieler allerdings nicht auf dem Rasen des Weserstadions, sondern in der virtuellen Welt. Genau wie in der Bundesliga geht es für Mohammed Harkous, Michael Bittner und Eleftherios Ilias von Werders E-Sports-Mannschaft um den Meistertitel.

Seit vergangener Woche spielen 22 Profiklubs um den Titel „Deutscher Klub-Meister im E-Fußball“. Gegründet wurde die Virtual Bundesliga (VBL) bereits 2012. „Während an der VBL weiterhin jedermann über einen Qualifikationsmodus (VBL Open) teilnehmen kann, treten in der Wettbewerbsergänzung VBL Club Championship nur Clubs der Bundesliga und zweiten Bundesliga mit ihren E-Sportlern an“, sagt William Harrison-Zehelein, Sprecher der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Die Spieler der besten Klubs treten zudem gegen die besten Spieler aus den VBL Open an. Der Gewinner dieser Begegnung trägt dann den Titel „Deutscher Meister im E-Fußball“.

Die erste Saison besteht aus 21 Spieltagen und 693 Begegnungen. Im Gegensatz zur realen Bundesliga besteht eine Begegnung aus drei Einzelspielen. Gespielt wird dabei im „Davis-Cup-Format. „Zwei Spiele werden im Modus eins gegen eins ausgetragen – eines auf der Playstation 4 und eines auf der Xbox One. Das dritte Spiel wird im Modus zwei gegen zwei auf einer durch den Heimklub zu bestimmenden Konsole ausgetragen“, sagt Harrison-Zehelein.

Werder mit von der Partie

Einen Qualifikationsmodus gibt es für die VBL nicht. „Alle 36 Klubs der Bundesliga und zweiten Bundesliga hatten im vergangenen Jahr die Möglichkeit, sich mit einem zwei- bis maximal vierköpfigen Kader anzumelden“, sagt Harrison-Zehelein. Verpflichtend ist die Teilnahme an der VBL damit zwar nicht, dennoch wollte Werder Bremen unbedingt bei dem Wettbewerb mitmischen. „Wir verstehen den E-Sports als neues Tor zum Wertesystem Werder. Da immer mehr Menschen mit dem Gaming in Berührung kommen, sehen wir uns darüber hinaus aber auch in der Pflicht, über den richtigen Umgang mit dem Thema Gaming aufzuklären“, sagt Dominik Kupilas, der bei Werder den Bereich E-Sports verantwortet. „Denn um beispielsweise bei der Fußballsimulation Fifa auf allerhöchstem Niveau spielen zu können, gehört eine körperliche und geistige Fitness ebenso dazu wie eine gesunde Ernährung.“

Werders Kader besteht im E-Sports-Bereich mit Bittner und Harkous aus zwei Spielern. „Die beiden sind aktuell jeweils dritter der Weltrangliste auf ihrer Konsole und somit absolute Topspieler“, sagt Kupilas. Deshalb würden sich die beiden regelmäßig für internationale Turniere qualifizieren. Um dennoch an den Spielen der VBL teilnehmen zu können, hat Werder für die Dauer des Wettbewerbs einen weiteren Spieler verpflichtet.

In solchen Fällen kommt Eleftherios Ilias zum Einsatz. Sein erstes Spiel konnte er bereits am zweiten Spieltag gegen Hannover 96 bestreiten. Weil Harkous an einem Turnier in London teilgenommen hat und damit in der VBL ausfiel, kam Ilias bei der Partie zum Zug.

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Um für die VBL fit zu sein, trainieren die Profis von Werder Bremen täglich mehrere Stunden. In den letzten Monaten standen zudem Turniere oder Qualifikationen an, die in der Regel am Wochenende stattfanden. Außerdem werden regelmäßig Inhalte für die Social-Media-Kanäle erstellt und Interviews gegeben. „Es ist also weit mehr als nur ein bisschen daddeln“, sagt Kupilas. Wenn es ihnen ihre Zeit erlaubt, schauen Harkous und Bittner auch bei den Spielen ihrer Bundesliga-Kollegen in den Stadien zu.

Für die Werder-Profis ist der E-Sports damit eine Vollzeittätigkeit. Nur so sei es möglich, in der Weltspitze mitmischen zu können. „Für eine andere berufliche Tätigkeit bleibt neben den vielen Verpflichtungen kein Raum“, sagt Kupilas.

Wie die Spiele der Fußball-Bundesliga werden auch die Partien der VBL im Fernsehen übertragen. ProSieben Maxx zeigt donnerstags jeweils eine Begegnung. Das Spiel zwischen Werder Bremen und dem RB Leipzig, das die Bremer mit 6:3 gewannen, war die erste Liveübertragung für den Sender. „Wir waren mit der Resonanz auf die erste Ausgabe zufrieden. Mittelfristig gilt es, die Reichweite von ran E-Sports: Fifa 19 weiter auszubauen“, sagt ProSieben-Maxx-Sprecher Michael Benn.

Das Thema E-Sports hat den Spartensender bereits vor dem Start der VBL Club Championship beschäftigt. „Wir zeigen seit anderthalb Jahren mit ‚ran E-Sports‘ ein wöchentliches TV-Magazin für Gaming-Fans am Mittwochabend und erzielen damit sehr gute Quoten“, sagt Benn. Ob man die Spiele der VBL über die aktuelle Saison hinaus übertrage, stehe aber noch nicht fest.

Anders sieht es bei der DFL aus, die an dem Wettbewerb auch in Zukunft festhalten will. „Es ist ein klares Ziel der DFL, die VBL Club Championship langfristig als festen Wettbewerb im E-Fußball-Kalender zu etablieren“, sagt Harrison-Zehelein.

Keine Verdrängung

Auch wenn die Bundesliga und die VBL zahlreiche Gemeinsamkeiten haben, so gibt es mit dem Austragungsort auch einen großen Unterschied. Während die realen Liga-Spiele grundsätzlich in den Stadien der Republik ausgetragen werden, gibt es bei den virtuellen Begegnungen drei verschiedene Möglichkeiten. Spiele, die im Fernsehen gezeigt werden, finden in einem TV-Studio in München statt. „Darüber hinaus können sich die Vereine entweder verabreden und die Spiele beispielsweise in den Stadien stattfinden lassen. Oder online. Dabei müssen die beiden Team-Mitglieder an einem Ort sitzen, der Gegner kann aber an einem anderen Ort sein“, sagt Kupilas.

Für die aktuelle VBL-Saison hat Werder klare Ziele vor Augen. „Unser primäres Ziel ist es, unter die ersten sechs zu kommen. Damit wären wir direkt für das VBL Grand Final qualifiziert, das im Mai 2019 stattfindet“, sagt Kupilas. In der virtuellen Liga gehörten die Bremer zu den Favoriten. „Die ersten Spieltage haben allerdings gezeigt, dass sich viele etwa noch an das international nicht übliche „Zwei-versus-zwei-Spiel“ gewöhnen müssen“, sagt Kupilas.

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Dass der virtuelle Fußball das reale Spiel in Zukunft verdrängen könnte, glaubt Kupilas nicht. „Der Fifa E-Sports ist maßgeblich von den Geschehnissen im realen Fußball abhängig – von übergeordneten Themen wie der Gestaltung der Trikots und der Stadien bis hin zur Entwicklung der einzelnen Spieler. All dies findet sich dann als virtuelles Abbild auch bei Fifa wieder“, sagt Kupilas. Der E-Sports füge dem Fußball-Angebot ein digitales Kapitel hinzu. Vordergründig gehe es vor allem um eines, „auf das Kernprodukt Bundesliga-Fußball aufmerksam zu machen und einer jungen Zielgruppe einen Zugang zum Verein zu bieten“.

Ähnlich sieht es auch Harrison-Zehelein: „Unser Hauptgeschäft ist und bleibt die Bundesliga mitsamt der zweiten Bundesliga. Wir sind aber zuversichtlich, mit der VBL Club Championship eine zusätzliche attraktive Wettbewerbsmarke etablieren zu können.“

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