Fußball-Bezirksliga Punktabzug trifft Tur Abdin hart

Delmenhorst. Plötzlich rutscht der SV Tur Abdin in den Abstiegskampf der Fußball-Bezirksliga. Grund dafür ist ein Urteil des Bezirkssportgerichts, wonach dem Verein drei Punkte abgezogen werden.
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Punktabzug trifft Tur Abdin hart
Von Christoph Bähr

Plötzlich rutscht der SV Tur Abdin in den Abstiegskampf der Fußball-Bezirksliga. Grund dafür ist ein Urteil des Bezirkssportgerichts, wonach dem Verein drei Punkte abgezogen werden. Tur Abdin habe den Schiedsrichter Eike-Frank Decker nicht angemessen geschützt, als er nach der Partie gegen den BV Bockhorn auf dem Parkplatz des Delmenhorster Stadions bedroht wurde, lautet die Begründung.

Peter Bartsch fand deutliche Worte. „Das ist in der jüngeren Vergangenheit des Fußballbezirks Weser-Ems der schwerste Fall“, schreibt der Vorsitzende des Bezirkssportgerichts in seinem Urteil zu den Vorkommnissen nach dem Spiel des SV Tur Abdin gegen den BV Bockhorn am 27. Oktober. Diese Formulierung lässt bereits erahnen, dass Bartsch hart durchgegriffen hat, und in der Tat wird der Delmenhorster Bezirksligist empfindlich bestraft: Einen Abzug von drei Punkten und eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro muss Tur Abdin verschmerzen. Der Klub habe den Unparteiischen nicht ausreichend geschützt, und die Anhänger hätten sich diskriminierend gegenüber Decker verhalten, heißt es zur Begründung.

Der Fall wurde am Montagabend in Dötlingen verhandelt, am Dienstagabend erhielten die Beteiligten das schriftliche Urteil. „Es musste Sanktionen geben, weil etwas passiert ist, aber mit solch einer harten Strafe hatte ich nicht gerechnet. Ich bin sehr enttäuscht darüber“, lautete die Reaktion des Abdin-Vorsitzenden Wahib Yousef gestern. Er habe sich schon vor einiger Zeit bei Decker und beim Staffelleiter Klaus Sabisch für die Vorfälle entschuldigt.

Neben dem Verein Tur Abdin bestrafte das Sportgericht auch Einzelne für ihre Vergehen. Der frühere Abdin-Akteur Fuat Sen, der nicht mehr aktiv ist, aber noch einen gültigen Spielerpass besitzt, wurde zu einer Sperre von sechs Monaten und einer Geldstrafe in Höhe von 250 Euro verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Decker bedrohte.

Der Schiedsrichter gab an, dass er auf dem Parkplatz des Delmenhorster Stadions am Wegfahren gehindert worden sei (wir berichteten). Zu der Gruppe, von der sich Decker bedrängt fühlte, gehörte auch Abdin-Torhüter Daniel Sen, der deswegen für zwei Wochen bis zum 12. Dezember gesperrt wurde. Abdin-Manager Edib Özcan muss wegen unsportlichen Verhaltens 50 Euro bezahlen. Er hatte sich nach dem Abpfiff beim Unparteiischen beschwert.

Wahib Yousef hielt fest, dass keinen Klub in der Bezirksliga gebe, der die Schiedsrichter bis zu ihren Autos begleite. „Tur Abdin wird für etwas bestraft, für das der Verein nichts kann“, sagte er. Yousef unterstrich, dass er selbst Decker und dessen Assistenten nach der hitzigen Schlussphase bis zur Kabine begleitet habe. Dabei keine Weste zu tragen, die ihn als Ordner auswies, sei ein Fehler gewesen. „Aber auch das macht kein anderer Verein“, sagte Yousef. „Sollen wir den Schiedsrichtern zwei Bodyguards zur Seite stellen?“

Die Verfahrenskosten von 228 Euro muss Tur Abdin zur Hälfte tragen. Der Rest wird unter Fuat Sen, Daniel Sen, Edib Özcan und Aho Hanno aufgeteilt. Unabhängig von den Vorkommnissen auf dem Stadionparkplatz war nämlich auch die Rote Karte von Hanno wegen einer Tätlichkeit kurz vor dem Ende des Bockhorn-Spiels Gegenstand der Sportgerichtsverhandlung. Gegen den Abdin-Angreifer wurde eine Sperre von vier Wochen ausgesprochen. Hanno hat diese allerdings schon abgesessen, weil er bis zur Urteilsverkündung vorgesperrt war. Im nächsten Spiel der Delmenhorster am kommenden Sonntag beim SV Eintracht Wiefelstede darf der Offensivakteur somit wieder eingesetzt werden.

Durch den verhängten Punktabzug wird die anstehende Begegnung mit dem Tabellenvorletzten Wiefelstede für Tur Abdin zum einem Abstiegsduell. Statt 19 hat die Mannschaft von Trainer Servet Zeyrek jetzt 16 Zähler auf dem Konto. Sie rutscht vom elften auf den zwölften Platz ab und liegt nur noch zwei Punkte vor den Abstiegsrängen. Gegen den Richterspruch des Bezirkssportgerichts könnte Tur Abdin bis zum 6. Dezember in Berufung gehen, doch der Verein verzichtet darauf. „Das würde nichts bringen“, sagte Wahib Yousef. „Wir müssen mit dem Urteil leben.“

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