Fußball-Landesliga Lüneburg Punktspiel mit Pokal-Charakter

Setzt der Derby- und Pokalcharakter vielleicht neue Kräfte frei? Die noch sieglose TuSG Ritterhude steht in Bornreihe vor der nächsten schweren Aufgabe. Vor einem Jahr gelang der Geils-Truppe ein 1:0-Sieg.
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Von Thomas Müller

Bornreihe. Klar, es handelt sich um ein Punktspiel der Fußball-Landesliga Lüneburg. Doch wenn der SV Blau-Weiß Bornreihe und die TuSG Ritterhude am Sonnabend (Anpfiff um 16 Uhr) aufeinandertreffen, dann handelt es sich eben auch um ein Kreisderby. „Und das hat dann fast schon Pokalspiel-Charakter“, bringt es Bornreihes Trainer Saša Pinter auf den Punkt. Von daher interessiert ihn die Tabellenkonstellation – der Sechste empfängt das weiterhin sieglose Schlusslicht – erst mal herzlich wenig: „Die Tabelle blenden wir aus.“

Für Pinter und seine „Moorteufel“ spielen die bisherigen Ergebnisse deshalb keine Rolle, der Trainer rechnet durchaus mit einer zähen Partie, durchaus mit einer kampfbetonten: „Aber wir müssen auch fußballerische Lösungen gegen Ritterhude finden.“ Und mehr Widerstandsfähigkeit erwarte er. Mehr jedenfalls als zuletzt gegen Emmendorf. Trotz „bärenstarker 35 Minuten“ (Pinter) habe man am Ende nicht punkten können. Da habe einfach die Konstanz gefehlt. „Wir müssen wieder in die Spur kommen“, sagt Pinter.

„Es wäre respektlos zu sagen, dass wir gewinnen müssen“, erklärt der Coach der Blau-Weißen, „aber wir haben den Anspruch, gewinnen zu wollen. So müssen wir auftreten.“ Wenn schon von Müssen die Rede sei, dann treffe das auf den Gegner zu. Wenn sie die wahrscheinlich rettenden 40 Saisonpunkte erreichen wollten – zwei haben sie ja erst verbucht –, ja, dann werde es höchste Zeit. Und natürlich sehr schwer. Von daher hätten sie in Bornreihe auch nichts zu verlieren.

Nein, mit einem Selbstläufer rechnen sie in Bornreihe nicht. Auch weil die personelle Situation nach wie vor angespannt ist. Neben den Langzeitverletzten werden weiterhin Kevin Sammann (Sprunggelenksverletzung) sowie Steffen Dietrich und Christopher Stolz fehlen. Weitere Ausfälle kämen da gar nicht gut, zumal nächsten Mittwoch das nächste Punktspiel ansteht. Der gesperrte Jeremy da Rocha Nunes ist allerdings wieder frei.

An Bornreihe hat TuSG-Trainer Julian Geils grundsätzlich ja angenehme Erinnerungen (abgesehen von dem Zerwürfnis mit dem früheren Trainer Matthias Ruländer). Weil er dort selbst rund vier Jahre spielte: „Man hat mich wertgeschätzt. Und auch heute freue ich mich, dort freundliche Gesichter zu sehen.“ An den Ritterhuder 1:0-Sieg in Bornreihe vor gut einem Jahr nach einem Tor durch Marcel Meyer erinnert er sich natürlich auch gerne zurück. Vergleiche dürfe man aber nicht ziehen: „Wir hatten eine ganz starke Phase, Bornreihe unter dem Trainergespann Lütjen/Böschen eine schwache.“ Im Rückspiel unter dem neuen Trainer Saša Pinter folgte prompt eine 1:4-Pleite auf eigenem Platz.

Das alles sei Vergangenheit. Und in der Gegenwart habe die TuSG ja viel zu viel mit sich selbst zu tun, so Geils. Neben der fast hoffnungslosen Tabellensituation sind immer wieder auch Einstellungsprobleme einzelner Spieler aufgefallen. Das Ganze vor dem Hintergrund einer sowieso engen Personallage. Wenn dann im Spiel etwas schief laufe, sei das Selbstvertrauen der Spieler schnell am Boden. Auch vor einer Woche gegen Teutonia Uelzen lief etwas Entscheidendes schief: Platzverweis nach Roter Karte gegen den spielenden Trainer Geils. Die harte Entscheidung kann der TuSG-Coach nach wie vor nicht nachvollziehen. Auf der „sporttotal“-Plattform habe er sich die Szene noch einmal angesehen und sich bestätigt gefühlt: erst den Ball gespielt, dann den Gegner getroffen.

Wie lang seine Sperre ausfallen wird, hat Geils noch nicht erfahren. Mit sonstigen Konsequenzen rechne er nicht. An jenem Tag habe er natürlich nicht in den Coaching-Bereich zurückkehren dürfen. In Bornreihe sieht er sich dagegen unzweifelhaft auf der Bank: „Es hat sich schließlich nicht um ein Trainervergehen gehandelt.“

Und überhaupt: In seiner ganzen Zeit als Trainer habe er ja noch nicht einmal eine Handvoll Punktspieleinsätze auf dem Rasen gehabt. Selbst auflaufen wird Geils in Bornreihe dafür nicht. Ob er das ansonsten gewollt hätte gegen ehemalige Mitspieler wie Nils Gresens, Torben Poppe oder Philip Bähr? Geils: „Im Uelzen-Spiel hatte ich nur einen Gedanken: Wie geht es für uns da weiter?“

Dass Geils sich selbst als Innenverteidiger aufgestellt hatte, lag ja daran, dass die Position wegen des berufsbedingt fehlenden Tobias Jahn vakant war. Jahn steht nun wieder zur Verfügung, Phil Knauth ebenso nach beendeter Gelb-Sperre – eine solche muss dafür Marcel Meyer abbrummen. Also gilt das Prinzip Hoffnung. Auch Geils erwähnt den Derby-Charakter, die ganz besondere Atmosphäre am Platz bei Postels: „Vielleicht setzt das ja neue Kräfte frei.“

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