Wilco Freund, Coach des Fußball-Landesligisten Melchiorshausen, absolviert Ausbildung zum Sportmentaltrainer

Reine Kopfsache

Melchiorshausen. „Das Wort ,mental’ gab es zu meiner Zeit als Spieler gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.
03.12.2015, 00:00
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Von Dennis Schott
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Nach der Ausbildung zum Fußball-Manager absolviert Wilco Freund nun ein Fernstudium zum Sportmentaltrainer.

Udo Meissner

„Das Wort ,mental’ gab es zu meiner Zeit als Spieler gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.“ Dieses Zitat stammt von keinem Geringeren als Rudi Assauer, dem Ex-Fußballprofi und Ex-Manager des FC Schalke 04. Es stammte aus einer Zeit, in der die Psychologie im Sport allenfalls in den Kinderschuhen steckte. Das war früher. Mittlerweile ist die Bedeutung der Psyche enorm. Im Leistungssport ohnehin, aber auch im Amateurwesen. „Es spielt sich unheimlich viel im Kopf ab“, weiß Wilco Freund, der Trainer des Fußball-Landesligisten TSV Melchiorshausen, der derzeit ein Fernstudium zum Sportmentaltrainer absolviert.

„Sport-Management habe ich schon studiert, für den Fußball-Lehrer bin ich zu alt, und ich wollte mich einfach weiterbilden. Es gibt auch noch nicht so viele Trainer, die das machen“, sagt der A-Lizenz-Inhaber zu seiner Motivation. Er spricht von einem spannenden Thema, das lange im Verborgenen behandelt und eher belächelt worden war und unter anderem erst durch den Fall von Sebastian Deisler, der seine Fußball-Karriere aufgrund psychischer Probleme gar beendete, an die große Öffentlichkeit kam. Sportlicher Erfolg, egal auf welcher Ebene, ist nicht nur mit den physischen Merkmalen eines Sportlers zu erklären, vor allem die mentale Betreuung hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Mentaltrainer begleiten Sportler systematisch auf dem Weg der Leistungssteigerung, sind wichtige Gesprächspartner während des Trainings, aber auch vertrauensvolle Partner bei der Bewältigung von mentalen Leistungstiefs, Versagensängsten und ähnlichen Krisensituationen.

„Es geht auch darum, mit bestimmten Drucksituationen umgehen zu können, Blockaden zu lösen, Lösungen zu entwickeln“, sagt Wilco Freund und führt als Beispiel die Angst beim Elfmeterschießen an. Vor allem für den Schützen sei die psychische Belastung groß, weil die Erwartungshaltung, ein Tor zu erzielen, weitaus größer ist als die des Torwarts, den Ball zu halten. Ein Patentrezept gebe es bei der Behandlung nicht, es gehe vielmehr darum, den Klienten, so Freund, im Gespräch Lösungen finden zu lassen. „Die Kommunikation untereinander ist ein wesentlicher Bestandteil“, bestätigt Freund. Er habe schon gelernt, dass die Gespräche zwischen Trainer und Sportler strukturierter ablaufen, er eine andere Herangehensweise vermittelt bekommen habe. „Ich bin eher ein sachlicher Mensch, ohne die Dinge zu hinterfragen“, sagt Freund über sich.

Sein erstes von vier Präsenzseminaren in Düsseldorf absolvierte Wilco Freund am vorletzten Wochenende, konnte deswegen nicht das Spiel seines TSV Melchiorshausen beim SC Borgfeld beobachten. Der „Vor-Ort-Unterricht“ habe dabei den Vorteil, dass man sich mit den übrigen Seminarteilnehmern austauschen könne. „Die Ausbildung ist ja nicht allein auf den Sport reduziert, sondern auch im Beruf oder im Alltag anwendbar“, erklärt Wilco Freund. Trotzdem hat er in Sebastian Kneißl einen weiteren Teilnehmer mit Wurzeln im Fußball kennengelernt, tief greifenden Wurzeln sogar. Die große Karriere erfüllte sich für Kneißl nicht, trotzdem verdiente er sein Geld über lange Jahre mit Profi-Fußball. Der 32-Jährige, der seine Laufbahn inzwischen beendet hat, bestritt Spiele für die U15- und U18-Nationalmannschaft, lief für Eintracht Frankfurt auf, wechselte 2000 zum FC Chelsea, konnte sich aber dort nicht durchsetzen und wurde im Anschluss an diverse Vereine ausgeliehen. Mittlerweile betreibt der Ex-Profi, der unter anderem unter Jose Mourinho und Gianluca Vialli spielte, eine Traineragentur. „Es ist toll, welches Netzwerk man aufbauen kann“, findet Freund. Das Angebot, für zwei Monate in China als Trainer zu arbeiten, lehnte er aber ab. „Das ist dann doch zu weit weg“, erklärt Freund lachend.

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