Reitturniere in Corona-Zeiten

Vereine blicken positiv gestimmt in die Zukunft

Die Pandemie macht vor nichts halt – auch nicht vor dem Reitsport. Die Vorsitzenden der Reitvereine Aller-Weser, Graf von Schmettow und Sottrum berichten über geplante und bereits gecancelte Veranstaltungen.
06.05.2021, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sina Stahlsmeier
Vereine blicken positiv gestimmt in die Zukunft

Anfang Oktober will der RV Graf von Schmettow auf seinem Reitplatz auf dem Lohberg verschiedene Prüfungen anbieten. Aktuell wird dort schon trainiert.

Björn Hake

Während viele Reitvereine aus umliegenden Landkreisen die Turnierplanung für 2021 bereits ad acta gelegt haben, sind die Verantwortlichen des RV Aller-Weser, RV Graf von Schmettow und des RV Sottrum noch weitaus positiver unterwegs. Sie haben die Planungen für ihre jeweiligen Veranstaltungen für das laufende Kalenderjahr noch nicht komplett aufgegeben.

Für den RV Aller-Weser hätte in diesem Jahr eigentlich das Jubiläumsturnier zum 100-jährigen Vereinsbestehen stattfinden sollen. Doch wie so oft in der jüngeren Vergangenheit durchkreuzten die behördlichen Anordnungen die Pläne einer großen Jubiläumsfeier auf dem Turniergelände. „Wir wollen auch den Breitensport abdecken können bei unserem Jubiläum“, erklärt Pressewartin Kathrin Schneider. Deshalb sei das Turnier schon vor einigen Wochen gecancelt und auf 2022 verschoben worden. Zeit zum Trübsal blasen bleibt den umtriebigen Vereinsvorsitzenden aber nicht: An diesem Wochenende richtet der RV Aller-Weser vier Prüfungen im M* und S*-Bereich auf dem Turniergelände an der Lindhooper Straße in Verden aus – allerdings im Rahmen eines internationalen Dressurturnieres der Escon-Marketing GmbH. Von Freitag bis Sonntag findet in der Reiterstadt dank des Engagements des Vereins und der Gesellschaft Dressursport auf höchstem Niveau statt – natürlich wie gewohnt unter Ausschluss der Öffentlichkeit und nur für Berufsreiter.

Training auch für Amateure

Frauke Dettmer, Vorsitzende des RV Graf von Schmettow, hat gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern eine sehr faire Lösung für die Reiter des Vereins aus der Gemeinde Kirchlinteln gefunden. „Wir haben einen großen Turnierplatz, aber keine Halle. Das passt mit den aktuellen Verordnungen eigentlich ganz gut zusammen, da ja nur Einzelunterricht unter freiem Himmel stattfinden darf“, sagt Dettmer. Den Vereinsmitgliedern werde an bestimmten Wochenenden ein offenes Training auf dem Turnierplatz angeboten – auch für Amateure. „Der Kontakt zum Ordnungsamt und die Kommunikation zu diesem Vorhaben waren total super. Die Ansprechpartner sind wirklich sehr, sehr nett.“

Für das Vorhaben mussten die Verantwortlichen eine Skizze des gesamten Geländes beim zuständigen Amt vorlegen. Das Gelände umfasse insgesamt 3,75 Hektar. Die Gefahr, dass sich Reiter dort auf engstem Raum begegnen, habe auch das Gesundheitsamt als gering eingeschätzt. Es werden zwar auch keine Sanitäranlagen zur Verfügung gestellt für die Teilnehmer, das dürfte in der aktuellen Zeit aber ein Kompromiss sein, der zu verschmerzen ist.

Nachdem dieses Konzept für Spring- und Dressurreiter schon sehr gut geklappt hat, denken die Verantwortlichen nun über einen solchen Tag auch für Fahrer nach. „Wir wollen den Test an Himmelfahrt starten und dann Pfingsten noch einmal Parcoursspringen anbieten“, erklärt Dettmer. Dieses Format sei vor allem für die Vereinsmitglieder gedacht. Und für Amateure, denn „die Profireiter haben wir komplett rausgeschmissen aus unserem Angebot. Für sie gibt es aktuell mehr als genug Angebote.“

Einnahmequellen fallen weg

Mit ihren individuellen Lösungen blicken die Verantwortlichen der Vereine bisher noch positiv in die Zukunft. Natürlich wollen auch sie „dass es bald wieder richtig losgeht“, sagt Frauke Dettmer. Sie hält bisher an einem Turnier am Wochenende 2. und 3. Oktober fest, so wie im vergangenen Jahr. „Die Resonanz war nicht so groß. Wir wollen es aber für Amateure auch in diesem Jahr wieder anbieten.“ Die Prüfungen sollen vor allem auch für die Kleinsten des Vereins ein Zeichen sein, dass es weitergeht.

Der RV Sottrum will in diesem Jahr an seinem ursprünglich geplanten Turniertermin vom 4. bis 6. Juni festhalten, gibt die neue erste Vorsitzende Henrike Werhahn an. Ob die Kosten und der Aufwand für den Verein bei so einem verhältnismäßig frühen Turniertermin trotzdem noch im Verhältnis stehen, könne sie allerdings noch nicht abschätzen.

Um diese Sorgen weiß auch Pressewartin Kathrin Schneider: „Wir haben auf der Ausgabenseite neue Posten wie die Selbsttests für die Helfer und auf der anderen Seite fällt zum Beispiel das Bewirtungszelt als Haupteinnahmequelle weg.“ Solche Prüfungen im Rahmen eines größeren Turniers seien da eine gute Lösung, ebenso wie sogenannte Late-Entry-Turniere, bei denen die Veranstalter die Möglichkeit haben, nur 50 Prozent des Preisgeldes auszuzahlen. Sponsoren zu finden, sei in der aktuellen Zeit dann die nächste Hürde. „Dafür machen es uns die Gesundheitsämter wirklich leicht. Sie versuchen uns die Arbeit zu erleichtern, indem wir bereits ausgearbeitete Hygienekonzepte übernehmen können.“ Da aber in jedem Landkreis zum Teil andere Regelungen gelten und in einigen Kreisen auch Amateurreiter starten dürfen, sei die Gesamtsituation für nicht-professionelle Vereinsmitglieder nur schwer nachzuvollziehen.

Sie sollen im September auf dem Niedersachsengelände in Verden auf ihre Kosten kommen. Dann will auch der RV Aller-Weser ein vereinseigenes Turnier ausrichten. Es soll Prüfungen von E bis L in den Disziplinen Springen und Dressur geben. „Und unser verschobenes Jubiläumsturnier im Mai nächsten Jahres soll dann eine richtige Bombe werden“, hofft Schneider. Dann sollen endlich wieder alle Reiter und natürlich auch die Zuschauer ihren Sport in gewohnter Atmosphäre genießen dürfen.

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