Reitsport

Reiter fordern Lockerungen

Die Sportler des Republik warten gespannt auf diesen Mittwoch: Denn dann treffen sich die Verantwortlichen des Bundes und der Länder in einer Videokonferenz und beraten über mögliche Lockerungen für den Sport.
05.05.2020, 15:05
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Von Bettina Gnaß
Reiter fordern Lockerungen

Die Reiter der Region hoffen darauf, dass sie bald wieder auf Turnieren starten dürfen wie hier Hilke Steenken vom RV Grüppenbühren bei einem Reitturnier auf dem Hof der Auffarths in Ganderkesee.

INGO Möllers

Geisterspiele im Fußball, Sonderregelungen für das Training von Berufssportlern sowie Kaderathleten – Lockerungen der Corona-Kontaktbeschränkungen sind bereits an verschiedenen Stellen greifbar. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) fordert, dass auch der organisierte Pferdesport wieder aufgenommen werden darf, natürlich unter Einhaltung klarer Regeln. Er setzt dabei, wie viele andere Sportarten auch, große Hoffnungen in die Konferenz des Bundes mit den Ländern an diesem Mittwoch.
Während die Fortsetzung der Fußball-Bundesliga in aller Munde ist und in den obersten Gremien heiß debattiert wird, geraten andere Sportarten etwas ins mediale Hintertreffen. Dabei sind beispielsweise Reitvereine, Pferdesport- und -zuchtbetriebe genauso von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie betroffen wie Werder Bremen und Co. Die Akteure des professionellen Reitsports bereiten sich darum darauf vor, das Training, den Unterricht oder sonstige Veranstaltungen so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Unterstützung erhalten sie von der FN und ihren angeschlossenen Verbänden, die bereits Leitlinien und Handlungsempfehlungen für die sukzessive Wiederaufnahme des Betriebs formuliert haben.
„Wir müssen jetzt zu einer Art Normalität im Einklang mit dem Coronavirus kommen. Dazu gehört die Abkehr von der Notversorgung hin zu einem eingeschränkten Trainings-, Unterrichts- und Wettkampfbetrieb“, sagt FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach und betont, dass Reiten „eine Natur- und Individualsportart ist, die zum großen Teil an der frischen Luft und ohne Kontakte zwischen Menschen stattfindet.“
In die gleiche Kerbe schlägt der Mediziner und Leiter der Fachgruppe Humanmedizin der FN, Manfred Griensch: „Aus medizinischer Sicht ist es absolut zu verantworten, Pferdesport auch in Zeiten von Corona zu betreiben. Reitunterricht und Turniere können stattfinden, wenn die Abstands- und Hygieneregeln strikt eingehalten werden.“ Seit 16 Jahren betreut der Chirurg aus Hamburg die deutschen Kaderreiter und aktuell auch Covid-19-Patienten.
Das Wesen des Pferdesports bringt günstige Voraussetzungen zur Lockerung der Beschränkungen mit sich, sofern die Einhaltung grundlegender Regeln des Hygiene- und Infektionsschutzmanagements sichergestellt werden. Zu diesen Regeln gehört beispielsweise auch die Reduzierung und Begrenzung der Anwesenheitszeiten auf Pferdesportanlagen und Zuchtbetrieben unter Betonung des verantwortungsvollen Schutzes der Menschen. Anwesenheitszeiten auf den Anlagen und in den Betrieben können dokumentiert werden.
Wenn die Anzahl der Pferde und Menschen, die gleichzeitig in einer Reithalle oder auf einem Reitplatz trainieren, kleingehalten wird, kann der Abstand gewahrt bleiben. Der FN hält es zudem für oberste Priorität, die Kontakte auf das Minimum zu reduzieren und die Mindestabstandsregeln zu anderen Personen einzuhalten. Darüber hinaus empfiehlt er eine eindeutige Benennung von Verantwortlichen für die Überwachung und Beratung zu Hygiene- und Infektionsschutzvorgaben. Die detaillierten Leitfäden und Handlungsempfehlungen stehen auf der Homepage der FN (www.pferd-aktuell.de) zum Download bereit.
Auch wenn die Vorbereitungen zur Reaktivierung des Pferdesportbetriebs auf Hochtouren laufen, müssen die offiziellen Entscheidungen der Politik abgewartet werden. „Noch ist Geduld gefragt, dabei wissen wir, dass diese bei vielen schon aufgebraucht ist“, betont FN-Generalsekretär Lauterbach und baut auf das Verständnis der Betroffenen. Aufgrund der Dynamik der Corona-Pandemie sei schließlich nicht absehbar, wie die Lage sich weiterentwickelt. Aus diesem Grund unterliegen die Leitlinien der FN auch der stetigen Prüfung und Anpassung. Alle Beteiligten sind laut FN angehalten, sich stets auf dem aktuellen Stand der Dinge zu halten, um flexibel und besonnen agieren zu können.
Reitvereine und Zuchtbetriebe sollten sich dabei explizit über die spezifisch für sie gültigen offiziellen Beschlüsse informieren: „Wir leben in einem föderalen System. Das heißt, jedes Land, jeder Kreis und jede Stadt kann individuell entscheiden, welche Regeln gelten,“ sagt Lauterbach. Auch das Kanzleramt und mehrere Ministerpräsidenten machen immer wieder deutlich, dass es regional unterschiedlich schnelle Öffnungsschritte geben könnte, da sich die Pandemie in einzelnen Bundesländern und Regionen unterschiedlich entwickelt. Eine deutschlandweit flächendeckende Regelung wird es also nicht geben, auch wenn die Sportministerkonferenz der Länder (SMK) unter Vorsitz Bremens geeint auftritt. „Mit ihrem Beschlussentwurf will die SMK einen Rahmen aufzeigen, innerhalb dessen die Länder die Erkenntnisse der ersten Lockerungsstufe auswerten und dann weitere Schritte beschließen können“, sagt Anja Stahmann, Senatorin für Sport in Bremen und seit 2019 Vorsitzende der SMK.
Das erarbeitete SMK-Positionspapier soll vor allem als Grundlage für die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten dienen. Bei ihrer nächsten Schaltkonferenz an diesem Mittwoch, 6. Mai, soll dann entschieden werden, ob weitere größere Öffnungsschritte bei den Corona-Beschränkungen möglich sind.
Bis dahin soll nicht nur ein Konzept für Schulen und Kitas stehen, sondern auch für den Sport.

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