Andree Höttges bleibt nun doch Trainer des Kreisligisten - trotz Entlassung und Vorstellung seines Nachfolgers Rolle rückwärts in Großenkneten

Großenkneten. Eckart Paradies dürfte froh sein, dass endlich Wochenende ist. Die vergangenen Tage beschreibt der Fußballabteilungsleiter des TSV Großenkneten nämlich als "wirklich anstrengende, seltsame Geschichte" - und trifft die Sache damit ziemlich genau. Erst am Montag hatte der Verein bekanntgegeben, sich von Trainer Andree Höttges zu trennen, bereits am Mittwoch in Jörg Beckmann einen Nachfolger präsentiert (wir berichteten) - um dann am späten Donnerstagabend zur großen Rolle rückwärts anzusetzen: Höttges bleibt doch - auf ausdrücklichen Wunsch der Mannschaft. "So etwas habe ich in 66 Jahren noch nicht erlebt. Ich kam mir vor wie Uli Hoeneß", betont Paradies.
03.09.2011, 05:00
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Von Daniel Cottäus

Großenkneten. Eckart Paradies dürfte froh sein, dass endlich Wochenende ist. Die vergangenen Tage beschreibt der Fußballabteilungsleiter des TSV Großenkneten nämlich als "wirklich anstrengende, seltsame Geschichte" - und trifft die Sache damit ziemlich genau. Erst am Montag hatte der Verein bekanntgegeben, sich von Trainer Andree Höttges zu trennen, bereits am Mittwoch in Jörg Beckmann einen Nachfolger präsentiert (wir berichteten) - um dann am späten Donnerstagabend zur großen Rolle rückwärts anzusetzen: Höttges bleibt doch - auf ausdrücklichen Wunsch der Mannschaft. "So etwas habe ich in 66 Jahren noch nicht erlebt. Ich kam mir vor wie Uli Hoeneß", betont Paradies.

"Seine Vorstellungen von Erfolg und der Darstellung nach außen stimmen nicht mit unseren überein" - mit diesem Satz hatte Eckart Paradies am Montag gegenüber dem DELMENHORSTER KURIER die Trennung von Aufstiegstrainer Andree Höttges begründet. In einer Sondersitzung hatte sich der Vorstand einstimmig zu diesem Schritt entschieden, auch Mannschaftskapitän Sven-Ole Hemme nahm an dem Treffen teil. "Wir haben das gemeinsam beschlossen, dann habe ich mich um einen neuen Trainer bemüht", erklärt Paradies. Es dauerte in der Folge nur zwei Tage, ehe die Großenkneter in Jörg Beckmann, der zuletzt die U17 des VfB Oldenburg zur Niedersachsenmeisterschaft geführt hatte, einen vielversprechenden Höttges-Nachfolger präsentierten. Bevor der 44-Jährige am Donnerstagabend allerdings sein erstes Training leiten konnte, war er schon nicht mehr Coach des TSV Großenkneten.

"Andree Höttges war kurz vor Beginn des Trainings noch einmal bei der Mannschaft in der Kabine - um sich zu verabschieden", berichtet Paradies, der draußen gemeinsam mit Beckmann auf das Team gewartet hatte. "Es dauerte länger und länger und länger", sagt Beckmann, der insgesamt eineinhalb Stunden vor dem Kabinentrakt stand, schließlich hineingebeten wurde und dort eine Nachricht bekam, die ihn "schon sehr überrascht" hat. Die Mannschaft um Wortführer Maik Hommers teilte dem neuen Trainer mit, doch lieber mit Höttges weiter arbeiten zu wollen. Zuvor hatte es ein kurzes Krisengespräch zwischen dem Team und Paradies gegeben. "Sie haben mich informiert, dass sie die Entscheidung, Andree zu entlassen, für falsch halten und mit ihm weiter machen wollen", erklärt der 66-Jährige - und betont: "Meine erste Reaktion war: 'Seid ihr verrückt geworden?'"

In den folgenden Sekunden seien ihm dann viele Gedanken durch den Kopf geschossen: "Was macht man in so einem Moment? Bleibe ich bei meinem Entschluss, verlieren wir vielleicht die halbe Mannschaft." Auch an einen Rücktritt habe er "für zehn Sekunden gedacht". Schließlich gelang es der Mannschaft aber, den Boss zu überzeugen. Eine Abstimmung unter den 18 anwesenden Spielern ergab - bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme - ein klares "Ja" für Höttges. "Da war klar, dass ich die Entscheidung mittrage", betont Paradies, "es nützt ja nichts, beleidigt zu reagieren". Höttges selbst empfand den Entschluss des Teams "als großen Vertrauensbeweis. Die Spieler und ich haben eine sehr starke Verbindung durch den Aufstieg."

Jörg Beckmann, der beim TSV Großenkneten unfreiwillig als der Trainer mit der wohl kürzesten Amtszeit in die Geschichte eingeht, nahm den Entschluss des Teams professionell und nüchtern auf: "Normalerweise macht man so etwas nicht, aber wenn die Jungs das so entscheiden, dann habe ich davor Respekt. Was genau während der eineinhalb Stunden in der Kabine zum plötzlichen Umdenken geführt hat, wage ich nicht zu beurteilen. Ich wünsche Großenkneten jedenfalls viel Erfolg für den weiteren Saisonverlauf." Der A-Lizenz-Inhaber weiß aber auch: "Die Mannschaft hat sich damit richtig unter Druck gesetzt. Jetzt kann sich keiner mehr hinstellen und meckern, wenn es nicht läuft."

Eine Einschätzung, die Eckart Paradies teilt. "Die Spieler stehen nun mehr denn je in der Pflicht", hebt der Abteilungsleiter hervor - und hofft, dass die ganze Trainerposse am Ende auch einen positiven Effekt hat: "Solche Situationen sind nicht einfach, aber es kann sie im Fußball immer geben. Ich denke die Sache hat ein gutes Ende genommen, bei dem alle Seiten ihr Gesicht bewahrt haben. Wir müssen jetzt sehen, wie es sportlich weitergeht. Ich kann selbst gar nicht genau sagen warum, aber ich habe das Gefühl, diese ungewöhnliche Situation hat das Team zusammengeschweißt. Es könnte ein großer Aufbruch sein."

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