TSG Hoffenheim Sandro Wagner macht sich unverzichtbar

Der Mittelstürmer Sandro Wagner des TSG Hoffenheim, zeigte beim 2:2 gegen Borussia Dortmund erneut eine überragende Leistung. Der 29-Jährige polarisiert und hat sich für Hoffenheim unverzichtbar gemacht.
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Von Tobias Schächter

Der Mittelstürmer Sandro Wagner des TSG Hoffenheim, zeigte beim 2:2 gegen Borussia Dortmund erneut eine überragende Leistung. Der 29-Jährige polarisiert und hat sich für Hoffenheim unverzichtbar gemacht.

Vergangenen Freitag reagierte Sandro Wagner mal wieder anders als erwartet. Der Mittelstürmer der TSG Hoffenheim zeigte beim 2:2 gegen Borussia Dortmund erneut eine überragende Leistung, seinen achten Saisontreffer hatte er sich aber durch einen Schubser gegen Sven Bender erschummelt.

Wagner gab das hinterher nach Betrachten der TV-Bilder ehrlich zu. Er hat schon öfter Fehler zugegeben – oder sich für Gegenspieler eingesetzt, wie jüngst beim harten Kick in Frankfurt, als er ein gutes Wort für den vom Platz gestellten Eintracht-Verteidiger Timothy Chandler einlegte, der ihn am Hals berührt hatte.

Wagner reagiert genervt

Aber Wagners Reaktion auf die betont überspitzte Frage, ob denn die erfolgreiche Saison der TSG nicht noch erfolgreicher sein könnte angesichts von neun Remis in 15 Spielen, reagierte Wagner genervt. Zuvor hatten Teamkollegen wie Torwart Oliver Baumann und Niklas Süle darauf eher zustimmend geantwortet.

Wagner aber polterte, das sei die dümmste Frage, die er in den letzten Wochen gehört habe, schließlich wäre Hoffenheim im vergangenen Jahr ja fast abgestiegen. Sagte es, und ließ die Reporter kopfschüttelnd stehen.

Wagner schert sich nicht darum, was die Öffentlichkeit über ihn denkt. Der 29-Jährige ist einer, der auf und neben dem Platz polarisiert. Vor allem deswegen und wegen seiner körperbetonten Spielweise haben die Hoffenheimer diesen wuchtigen Mittelstürmer im Sommer aus Darmstadt verpflichtet.

Julian Nagelsmann ist genauso jung wie Wagner

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann ist genauso jung wie Wagner und kennt diesen noch aus direkten Duellen, als er für den Nachwuchs von 1860 München spielte und Wagner für den der Bayern.

Was der oft zu Unrecht nur als Taktik-Nerd wahrgenommene Nagelsmann seit dem Sommer in Hoffenheim praktiziert, kommt einer Revolution gleich, in der Wagner eine Hauptrolle spielt. Nagelsmann wollte mehr „Männlichkeit“ ins Hoffenheimer Spiel bringen und verpflichtete neben Wagner auch noch die großen Defensivspieler Kevin Vogt und Benjamin Hübner.

„Wenn man über meine Mannschaft einmal sagt, sie sei der Aggressive Leader der Liga, dann fände ich das geil – weil ich genau darauf hinarbeite“, sagte Nagelsmann vor ein paar Wochen.

Hoffenheims robustere Spielweise

Mittlerweile finden manche Beobachter das Spiel der TSG sogar zu hart. In der Kritik bei Fans und Gegenspielern steht dabei auch immer Wagner, der austeilt, aber auch hart im Nehmen ist. Aber es ist unbestritten, dass Nagelsmanns Kalkül aufgeht: Dass sich Hoffenheim vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Kandidaten entwickelt hat, hat viel mit der robusteren Spielweise zu tun, die auch Wagner vorlebt.

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Nach den 14 Toren, mit denen er Darmstadt in der vergangenen Saison mit vor dem Abstieg bewahrte, steigerte Wagner sich unter Anleitung Nagelsmanns noch einmal deutlich. „Sandro“, betont Nagelsmann, „hat aber ja auch Talent.“ Stimmt schon: Wer diesen wuchtigen Typen auf seine körperlichen Vorzüge reduziert, macht einen Fehler.

In Topform wie zuletzt gegen Dortmund kann Wagner den Ball auch mit dem Rücken zum Tor und in Bedrängnis verteidigen und weiterleiten, und auch im Kombinationsspiel ist er besser, als viele glauben wollen. Wobei an Wagners Spiel laut Nagelsmann dennoch ein Aspekt herausragt: „Sandro hat den unbedingten Willen zu gewinnen.“

Mentalität schlägt Talent

Nagelsmann hat ein Motto seines Mentor Ernst Tanner besonders verinnerlicht: Mentalität schlägt Talent. Hoffenheim hatte in der Vergangenheit immer viel Talent im Kader, aber zu wenig Siegermentalität. Das will Nagelsmann ändern, gerade auch mithilfe von Sandro Wagner, dessen Karriere schon vorbei schien, bevor er sich in der vergangenen Saison in Darmstadt plötzlich wieder ins Rampenlicht kämpfte.

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Wagner („Ich bin ja nicht als Maskottchen nach Hoffenheim gekommen“) reiße seine Mitspieler mit, sagt Nagelsmann, und wenn es sein müsse, stauche er diese auch zusammen. Wagner fordert die eigenen Fans mit Gesten zur Unterstützung auf und legt sich mit den Gegenspielern und dem gegnerischen Publikum an. „Die Leute denken, sie verwirren mich, wenn sie pfeifen und mich beleidigen, dabei machen sie mich nur stärker“, sagt Wagner trotzig.

Wagner hat sich den Respekt der Branche wieder verschafft. Frankfurts Trainer Niko Kovac sagt über ihn: „Wenn du Wagner in der Mannschaft hast, ist das angenehm. Wenn nicht, dann ist es unangenehm.“ Und auch in Bremen fallen nur hochachtungsvolle Worte über den 1,94-Meter-Hünen. „Er ist ein toller Spieler“, sagte Werders Trainer Alexander Nouri vor dem Spiel der Bremer in Hoffenheim am Mittwoch, „seine Tore sprechen für sich.“

Wagner peilt wieder höhere Ziele an

Die große Delle in seiner Laufbahn hat Wagner überwunden. Nach bleiernen Stationen in Bremen und Duisburg stolperte er vor vier Jahren auch ein halbes lang zur Leihe in Kaiserslautern über den Platz. Vielleicht weil er einst beim FC Bayern ausgebildet wurde, machte ihn das FCK-Publikum schnell zum Buhmann einer Abstiegssaison. Und bei der Berliner Hertha stand er am Ende ausgemustert abseits.

Nun peilt Wagner, der 2009 mit den späteren Weltmeistern Neuer, Hummels, Boateng, Höwedes, Khedira und Özil U-21-Europameister wurde, in Hoffenheim wieder höhere Ziele an. An Selbstbewusstsein hat es ihm noch nie gemangelt, jüngst sagte er: „Ich bin in meinen Augen seit einiger Zeit mit Abstand der beste deutsche Stürmer.“

Damit liegt er noch nicht einmal völlig falsch, angesichts seiner 18 Bundesliga-Tore im Jahr 2016 und angesichts der Leistungen von Mario Gomez oder Kevin Volland. Zwar lobte ihn Joachim Löw, aber der Nationaltrainer sagte auch: Man dürfe nicht vergessen, dass es um das höchste Niveau gehe, also um Messi und Ronaldo. "Das ist für eine Mannschaft, die den WM-Titel verteidigen will, die Messlatte.“ Und die liegt dann vielleicht auch für Sandro Wagner zu hoch.

Im Interview mit den Kollegen von nordbuzz spricht der Goalgetter über seine Top-Quote, das ihm anhaftende Angeber-Image, Werder und Lieblingsspieler Claudio Pizarro.

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