Im packenden Topspiel setzt sich der FC Bayern gegen Dortmund 5:1 durch Schachmatt

München. Oft hatte der FC Bayern überfallartige Angriffe und Konter von Borussia Dortmund in den vergangenen Vergleichen ertragen müssen. Vier der jüngsten sieben Auftritte in München hatte der BVB ja für sich entschieden und zudem einmal unentschieden gespielt.
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Von Maik Rosner

Oft hatte der FC Bayern überfallartige Angriffe und Konter von Borussia Dortmund in den vergangenen Vergleichen ertragen müssen. Vier der jüngsten sieben Auftritte in München hatte der BVB ja für sich entschieden und zudem einmal unentschieden gespielt. Doch nun, am Sonntagabend, war es der Meister, der die Dortmunder im Trainerduell zwischen Pep Guardiola und Thomas Tuchel mit schnellen Zügen und Kontern überraschte.

Matt gesetzt im Überfallschach hatten die Münchner die Borussen, weil ihre ersten vier Tore von Thomas Müller (26. und 34./FE) und Robert Lewandowski (46./58.) allesamt aus schnellen Angriffen hervorgingen. Und obwohl Pierre-Emerick Aubameyang mit seinem zehnten Saisontor zum zwischenzeitlichen 1:2 verkürzte (36.), erlebte der BVB im weiteren Verlauf eine kleine Lehrstunde, die Mario Götze noch mit dem Tor zum 5:1 (2:1)-Endstand bereicherte (66.). Der Verfolger ist nun abgehängt, sieben Punkte beträgt der Vorsprung des Tabellenführers aus München bereits.

„Ein wunderbarer Start“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge nach acht Siegen in acht Ligaspielen, „aber es wurde noch kein Champagner in der Kabine ausgeteilt.“ Vielmehr laute „die Parole: unaufgeregt weitermachen.“ Sportvorstand Matthias Sammer drohte bereits auf dem Weg zum angestrebten vierten Meistertitel in Folge: „Wir werden keinen Millimeter nachlassen.“

Die Dortmunder haderten derweil mit ihren unaufmerksamen Momenten. „Zwei Bälle über 60 Meter, über den kompletten Block“, kritisierte Tuchel wegen der beiden langen Bälle von Jérôme Boateng vor dem 1:0 und 3:1. Dabei hatte Dortmund die erste Viertelstunde für sich entschieden. Gut aufgeteilt und mit einem ruhigen Passspiel kombinierte sich die Borussia bis an die Gefahrenzone heran. Immer wieder goutierte Tuchel die konzentrierten Ballgewinne und nachfolgenden Spielzüge seiner Mannschaft, in der er auf Marco Reus und Matthias Ginter verzichtet, Sven Bender als Innenverteidiger neben Mats Hummels aufgeboten und zudem etwas überraschend Sokratis als Rechtsaußen der Viererkette gegen den Flügelflitzer Douglas Costa gestellt hatte. Zunächst ging das sehr gut auf. Tuchel klatschte immer wieder Beifall und hob beide Daumen. Und als David Alaba als letzter Mann Aubameyang in die Fersen lief und diesen zu Fall brachte, hatte der Österreicher etwas Glück, nur die Gelbe Karte zu sehen.

Die Münchner, mit Götze statt Arturo Vidal in der Startformation, liefen zunächst vor allem hinterher. Erst in der 24. Minute, als Costa sich mit einer Körpertäuschung erstmals nennenswert gegen Sokratis durchsetzen konnte, wurde der Meister richtig gefährlich. Der Brasilianer zog nach seinem Antritt direkt mit links ab, der diesmal erstaunlich fehlerhafte Roman Bürki im Tor der Gäste wehrte den Ball ab und hatte bei Costas nachfolgender Flanke, die ihm aus den Händen glitt, Glück, dass die Kollegen klären konnten. Zwei Minuten später war er dann aber geschlagen. Jérôme Boatengs langer Ball aus der Dreierabwehrkette überraschte die BVB-Defensive. Bürki eilte heraus, kam aber zu spät gegen Müller, der im Straucheln eine halbe Pirouette drehte und zum 1:0 einschob. Müllers zweites Tor war ebenfalls aus einem schnellen Spielzug entstanden, diesmal in Form eines Konters, an dessen Ende Henrikh Mkhitaryan ungeschickt das Bein bei Thiago Alcántaras Haken ausfuhr und damit jenen Elfmeter verursachte, den Müller sicher verwandelte. Die Münchner hatten nun eindeutig die Kontrolle über das Geschehen übernommen. Doch auch der BVB verstand es, das Überfallschach der Bayern durch schnelle Spielzüge zu bereichern. Wie bei Aubameyangs Anschluss, hübsch diagonal aufgelegt durch Gonzalo Castros direkten Flachpass.

In allen acht Ligaspielen hat der Gabuner nun getroffen und damit seinen Rekord ausgebaut. Und ein bisschen Hoffnung gab er der Borussia zurück. Doch anerkennen mussten die Dortmunder rasch, dass die Bayern das Spiel dank ihrer Ball- und Kombinationssicherheit nun nicht mehr aus der Hand geben würden. Und als nur 23 Sekunden nach der Pause, wieder nach einem weiten wie präzisen Pass von Boateng, Lewandowski auf 3:1 erhöhte und bald darauf nach Götzes Querpass, erneut nach einem Schnellangriff, mit seinem zwölften Saisontor gar auf 4:1, war dieses Topspiel endgültig entschieden. „Wir sind gut beraten, uns neu aufzustellen“, sagte Tuchel geknickt nach diesem Schachmatt.

Bayern München: Neuer - Lahm, Javi Martínez, Boateng, Alaba - Götze, Xabi Alonso (76. Kimmich), Thiago (68. Vidal) - Müller (80. Coman), Lewandowski, Douglas Costa

Borussia Dortmund: Bürki - Sokratis, Bender, Hummels, Piszczek - Castro (53. Januzaj), Weigl, Gündogan - Kagawa (53. Reus), Mchitarjan - Aubameyang

Schiedsrichter: Fritz (Korb)

Zuschauer: 75 000 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Müller (26.), 2:0 Müller (35./Foulelfmeter), 2:1 Aubameyang (36.), 3:1 Lewandowski (46.), 4:1 Lewandowski (58.), 5:1 Götze (66.)

Gelbe Karten: Alaba (1), Boateng (2), Kimmich (1) / Aubameyang (1)

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