Sportvorstand Sammer stachelt den FC Bayern nach einem zähen 2:0 gegen Hannover mit markigen Worten an

Schelte vom Partyschreck

Die Triple-Sieger vom FC Bayern München haben den vierten Sieg im fünften Ligaspiel eingefahren – doch überzeugen konnten sie dabei gestern gegen Hannover 96 nicht. Vor allem nicht ihren obersten Kritiker Matthias Sammer.
15.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maik Rosner

Die Triple-Sieger vom FC Bayern München haben den vierten Sieg im fünften Ligaspiel eingefahren – doch überzeugen konnten sie dabei gestern gegen Hannover 96 nicht. Vor allem nicht ihren obersten Kritiker Matthias Sammer.

Die Münchner hatten die beschwerliche Partie gegen Hannover 96 rasch abgehakt, nur Matthias Sammer wollte da nicht so recht mitspielen. 2:0 (0:0) hatte der FC Bayern gestern gewonnen, zum Auftakt dreier englischer Wochen mit sieben Spielen in 22 Tagen. Es war der vierte Sieg im fünften Ligaspiel unter Trainer Pep Guardiola, dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit samt der Tore von Mario Mandzukic (51.) und Franck Ribéry (64.) – die Pflicht war erfüllt worden. Alles in Ordnung also? Sportvorstand Sammer fand: mitnichten.

„Wir müssen raus aus der Komfortzone. Wir alle verstecken uns zu sehr hinter dem Trainer“, schimpfte er in betont sachlicher Tonlage, „es kann nicht sein, dass unser Trainer jedesmal eine Brandrede halten muss, damit wir in die Gänge kommen. Das reicht nicht auf diesem Niveau, da fehlen die letzten fünf Prozent.“ Es mangele an Emotionen, meint Sammer, am letzten inneren Antrieb der erfolgsverwöhnten Spieler nach dem Triple: „Dieser ganze Hype: Pep hin, Pep her, Pep hoch, Pep runter – das ist ganz toll, da stehen alle weniger in der Verantwortung. Wir warten auf Impulse von außen.“ Die Debatten ums System und Absenzen? „Das ist alles Alibi-Käse“, sagte Sammer. Er ist wieder in seiner Paraderolle als Partyschreck angekommen.

Es war eine kalkulierte Schelte nach einem zähen Spiel gewesen, in dem die Münchner lange große Mühe hatten, zwingend vor das Tor von Ron-Robert Zieler zu kommen. Geschickt gestaffelt erstickten die Hannoveraner zunächst viele Angriffe. Die gefährlichste Szene der Münchner, das war bezeichnend für die erste Halbzeit, hatte Hannover zu verantworten: Leon Andreasen fälschte einen Pass von Thomas Müller so unglücklich ab, dass sich der Ball beinahe als Bogenlampe ins eigene Tor gesenkt hätte. Als einen „couragierten“ und „sehr guten Auftritt“ stufte 96-Trainer Mirko Slomka die Darbietung seiner Mannschaft ein: „Wir haben vieles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben, nämlich das Spiel der Bayern einzudämmen.“

Der beschwerliche Aufbau der Bayern hatte wohl auch mit dem Fehlen wichtiger Kräfte im Mittelfeld zu tun. Neben den verletzten Thiago, Javier Martínez und Mario Götze verzichtete Guardiola auch auf Bastian Schweinsteiger, der seine jüngste Knöchelverletzung zwar auskuriert hat, aber 90 Minuten auf der Bank für den Auftakt in der Champions League am Dienstag gegen ZSKA Moskau vorsichtshalber geschont werden sollte. Kapitän Philipp Lahm übernahm diesmal die Rolle des defensiven Mittelfeldspielers. Schonung für Europas Eliteliga prägte die Personalauswahl, die Wechsel – und in Sammers Wahrnehmung auch den Auftritt.

Hannover profitierte davon und kam durch einige Konter zu teils guten Chancen. Das galt für Artur Sobiechs Kopfball (24.) und vor allem für Didier Ya Konan, der mit einem abgefälschten Schuss aus 18 Metern den Innenpfosten traf (41.). Am Ende der ersten Halbzeit hatte Slomkas Mannschaft sogar mehr Torschüsse als der FC Bayern (7:6), und gefährlicher waren die Gäste dabei auch. „Wir hatten zweimal Glück, dass Hannover das Tor nicht macht“, sagte Müller und bewertete die Offensivleistung der eigenen Mannschaft als „passabel, aber nicht mit der letzten Überzeugung“.

Erst nach der Pause konnten sich die Münchner besser in Szene setzen, und besonders hübsch gelang das beim Führungstor durch Mandzukic. Toni Kroos leitete einen Pass von Robben sehenswert direkt in die Mitte, wo Mandzukic ebenfalls direkt gegen Zielers Laufrichtung einschieben konnte. „Das 1:0 war zum Zungeschnalzen, selbst für einen Gästetrainer“, sagte Slomka. Wenig später spielte Robben Ribéry an, der wieder zurück auf Robben passte und dessen abgeprallten Torschuss zur Vorentscheidung einschob. Richtig aufregend wurde es aber erst nach dem Spiel. Sammer hofft, dass seine Signale in der Mannschaft verstanden werden.

Fotostrecken zu den Bundesligaspielen unter www.weser-kurier.de/sport

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